Jugendliche müssen Berufe erleben können

Viele Schüler würden sich gerne erste Eindrücke von der Berufswelt vor Ort machen – ob beim Schnuppern, in Projekten oder an Berufsmessen. Wegen der Corona-Pandemie ist dieser Wunsch nur begrenzt umsetzbar. Es ist aber enorm wichtig, den Berufswahlprozess wenn immer möglich aufrechtzuerhalten. Auch Eltern stehen in der Pflicht.

Dieses Wochenende kämpfen die Fahrzeugschlosser sowie die Carrosseriespengler und -lackierer um den Titel des Schweizer Berufsmeisters. An den sogenannten SwissSkills messen sich seit September die besten jungen Berufsleute in fast 60 verschiedenen Berufen. Ein wichtiger Anlass, denn dabei können nicht nur die Lernenden ihr Können zeigen, sondern gleichzeitig zukünftige Lernende die verschiedenen Berufsarten kennenlernen.

Sich erste Eindrücke von der Berufswelt einzufangen, das ist für junge Menschen äusserst wichtig. Denn wie sollen sich die Jugendlichen für ihren künftigen Beruf sonst entscheiden können? Leider macht die Corona-Pandemie dem normalen Berufswahlprozess einen Strich durch die Rechnung, da zu den bundesrätlichen Massnahmen insbesondere auch die Reduktion der persönlichen Kontakte gehört. Viele Berufsbesichtigungen und die Berufsmessen wurden abgesagt, weil Ansammlungen in dieser Grössenordnung nicht mehr erlaubt sind. Auch das Schnuppern in Lehrbetrieben wurde komplizierter oder ganz abgesagt. Gerade aber für die Schüler, die sich im nächsten Jahr für eine Berufslehre entscheiden müssen, sind solche Absagen und Hürden gravierend.

Wir Arbeitgeber appellieren an die Jugendlichen und ihre Eltern, sich über die zahlreichen Berufsmöglichkeiten zu informieren, mit Betrieben telefonisch oder online Kontakt aufzunehmen und sich zu bewerben. Laut dem Lehrstellenpuls der ETH Zürich sind zurzeit 20’000 Lehrstellen für das nächste Jahr ausgeschrieben. Viele Branchen haben zudem Live-Streams oder weitere Online-Angebote initiiert, um Jugendliche und Ihre Eltern über die Fachbereiche und die zahlreichen Karrieremöglichkeiten zu informieren.

Die Berufsbildung hat sich als krisenresistent erwiesen, Ausbildungen konnten erfolgreich abgeschlossen werden und in diesem Jahr starten gleich viele Jugendliche mit einer beruflichen Grundbildung wie im Vorjahr. Die Wirtschaft setzt auf die Fachkräfte von morgen und zählt auch im kommenden Jahr auf den jungen Berufsnachwuchs.

Die Kolumne von Valentin Vogt ist in der «Zürichsee-Zeitung» erschienen.