Sollen Schulnoten abgeschafft werden oder sind sie unverzichtbar? Dies ist ein heiss diskutiertes Thema, sei es am Familientisch oder unter den Spezialisten der Bildungspolitik. Doch die Diskussion dreht sich um die falschen Fragen.
| Nicole Meier
Hauptaufgabe der Schulen ist es, jede Schülerin und jeden Schüler bestmöglich zu fördern. Dabei spielen Beurteilungen eine unverzichtbare Rolle. Eine faire und vergleichbare Beurteilung ermöglicht nicht nur die optimale Förderung während der Schulzeit, sondern gewährleistet auch eine auf die Person zugeschnittene Wahl der schulischen und beruflichen Karriere.
Die Wirtschaft beurteilt das heutige Notensystem als ungenügend. Eigentlich sollten die Schulnoten ein erster Orientierungspunkt für Betriebe, die Lernende einstellen möchten, darstellen. Sie erhalten aber in den Zeugnissen oftmals zu wenig aussagekräftige Informationen, um geeignete Jugendliche zu finden.
Daher ruft die Wirtschaft in ihrem Positionspapier dazu auf, in den Schulen faire Selektionsprozesse zu schaffen, mit aussagekräftigen und national vergleichbaren Beurteilungen. Dies gilt insbesondere an den Übergängen zu den nächsten Stufen, wie zum Beispiel zur Berufslehre. Ob mit oder ohne Schulnoten beurteilt wird, ist hingegen eine zweitrangige Frage.
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Das Dossier Politik «Fehlgeleitete Diskussion über Schulnoten»(PDF, 1.2 MB)
Dieses Papier wurde in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Arbeitgeberverband verfasst. Verantwortlich sind Dr. Roger Wehrli, Stv. Bereichsleiter allgemeine Wirtschaftspolitik & Bildung bei economiesuisse, und Nicole Meier, Ressortleiterin Bildung und berufliche Aus- und Weiterbildung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV).
Ihre Ansprechperson
Nicole Meier
Ressortleiterin Bildung und Berufliche Aus- und Weiterbildung
Die zuständige ständerätliche Kommission (WBK-S) setzt bei den Ferienregelungen für Lernende weiterhin auf die Vertragsfreiheit und betriebliche Gestaltungsmöglichkeiten. Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst diesen Entscheid. Attraktive Lehrstellen entstehen nicht allein durch die Anzahl Ferienwochen, sondern durch ein Gesamtpaket wie Entwicklungsperspektiven und attraktive betriebliche Rahmenbedingungen. Statt einer zusätzlichen gesetzlichen Regulierung können Branchen und Betriebe weiterhin jene Lösungen anbieten, die den Bedürfnissen ihrer Lernenden und den betrieblichen Möglichkeiten am besten entsprechen.
Der Schweizer Lehrstellenmarkt zeigt sich auch 2026 stabil. Die Unternehmen halten ihr Lehrstellenangebot weitgehend konstant und die grosse Mehrheit der Lehrstellen konnte bis im Sommer besetzt werden. Gleichzeitig bleibt die Besetzung offener Lehrstellen für einen Teil der Betriebe anspruchsvoll: Angebot und Nachfrage finden nicht immer zusammen.
Der Ständerat setzt bei der Entlastung der Lehrbetriebe sowie bei Weiterbildung und Umschulung auf Prüfung statt auf Ausbau. Er verzichtet damit auf vorschnelle neue Förderinstrumente und zusätzliche staatliche Strukturen. Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst diesen Kurs.
Die Kompetenzen der Jugendlichen in Lesen und Mathematik gehen weiter zurück. Dies bestätigen die heute veröffentlichten PISA-Ergebnisse 2025 und deckt sich mit den Erfahrungen der Lehrbetriebe, wie eine kürzlich publizierte Umfrage der Wirtschaftsverbände zeigte. Für den Schweizerischen Arbeitgeberverband ist klar: Die Grundkompetenzen der Jugendlichen müssen wieder stärker ins Zentrum rücken, denn sie bilden die Grundlage für erfolgreiche Bildungsabschlüsse, die Fachkräftesicherung und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz.