Warum muss ein Lehrling Französisch lernen?

Im Interview mit der Zeitung 20 Minuten erklärt Bildungsexperte Jürg Zellweger, weshalb der Arbeitgeberverband weiter auf die klassische Berufslehre setzt – und auf Weiterbildung.

Herr Zellweger, bald wird die Mehrheit in der Schweiz einen Abschluss einer Uni oder einer Fachhochschule oder eine höhere Berufsbildung haben, braucht es die normale Lehre nicht mehr?
Wir sind als Arbeitgeber mit der Berufslehre und dem dualen Ausbildungssystem sehr zufrieden. Es können doch nicht alle Akademiker sein, das braucht es gar nicht. In der Wirtschaft ist nach wie vor die klassische Lehre gefragt.

Das Berufswissen wird immer komplexer, es werden aber auch Fächer wie Deutsch, Französisch oder Geschichte unterrichtet, sollten die entfallen?
Wir finden diese Mischung sehr sinnvoll. Es ist klar, dass sich die jungen Leute berufliches Fachwissen aneignen müssen, das immer umfassender wird. Aber es ist auch unbestritten, dass sie Staatsbürger sind und auch dazu solides Wissen und Urteilsfähigkeit brauchen.

Nach der Lehre fängt dann der Weiterbildungsstress an?
Zuerst kann man in der Berufspraxis Erfahrungen sammeln. Aber dann sollte es weitergehen, denn es ist klar, wir brauchen Fach- und Führungskräfte. Dazu nötig ist oft eine höhere Berufsausbildung. Das heisst: Nach der Lehre müssen die Fähigkeiten ausgebaut werden. Das ist sehr wichtig.

Und wer zahlt das?
Üblicherweise ist es so, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darüber einigen, wie man Kosten dafür aufteilt. Und auch die Zeit für die Weiterbildung. Es ist sinnvoll, hierüber eine Vereinbarung zu treffen, auch über die Wahl der Weiterbildung. Das ist von beidseitigem Nutzen.

Wie bringe ich meinen Arbeitgeber dazu?
Das ist nicht nur eine Sache des Arbeitnehmers. Auch der Arbeitgeber sollte die Weiterbildungsmöglichkeiten ansprechen. Und zwar regelmässig. Dafür eignet sich auch das Mitarbeitergespräch.

Das Interview mit Jürg Zellweger ist in der Zeitung 20 Minuten erschienen.