Wirkungsstarke KMU im digitalen Zeitalter

7. Oktober 2019 5 Fragen an...

«Herkömmliche Führungsmodelle haben ausgedient», sagt Autor und Business-Mentor Robert Schiller. Im Interview zeigt der Betriebswirt und erfahrene KMU-Geschäftsführer auf, was Unternehmen in der digitalen Arbeitswelt 4.0 tun müssen, um in einem vom Wandel geprägten Umfeld langfristig überleben zu können.

In Ihrem Buch «Heute Chef – morgen agil» propagieren Sie das generelle Umdenken. Wo setzt dieses im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung an?

Robert Schiller: Das Umdenken beginnt bei der Unternehmenskultur und dem Führungsverständnis. Wirkungsstarke Unternehmen setzen auf das Führen aus der Mitte und wissen um das Zusammenspiel von «Lernen und Leisten» sowie von «Gestalten und Ausführen». Der Schlüssel dazu liegt im Aufbau einer Unternehmenskultur, bei der alle Beteiligten ihren persönlichen Beitrag zur Unternehmensleistung kennen und die Firma gemeinsam und fortwährend weiterentwickeln. Vieles, zum Beispiel das Streben nach technologischer Führerschaft oder die Kraft einer starken Vision, bleibt aber allgemeingültig und relevant.

Das Führen aus der Mitte bedeutet aber auch, Verantwortung abzugeben…

Genau, denn die Unternehmensführung wird immer mehr zu einem Zusammenspiel von Menschen mit ganz unterschiedlichem Spezialwissen. Das setzt voraus, dass alle Beteiligten ein gutes Verständnis von Zweck, Zielen und Tätigkeit des Unternehmens haben und ihr spezialisiertes Tun auf die Ansprüche des gesamten Geschäftssystems ausrichten. Im Idealfall sind möglichst viele Mitarbeiter an der Weiterentwicklung und Gestaltung eines Unternehmens beteiligt, was wiederum – und auf allen Stufen – selbstständiges Handeln und damit Neugierde und den Willen, zu entscheiden und zu hinterfragen, erfordert.

Sie betonen ausserdem die Wechselwirkung des Lernens und Leistens – sowohl als einzelner Arbeitnehmer als auch als Team. Wie sieht diese im Idealfall aus?

Analog des Leistungssports oder der höheren Weiterbildung gilt das Credo «Lerne, zu lernen». Denn Leistung erfolgt immer auf ein angestrebtes Ziel hin. Dieses ist zu analysieren: Was will ich womit erreichen, um grösstmögliche Wirkung zu erzielen? Im Unternehmen heisst das, dass die einzelnen Teile eines unternehmerischen Vorgangs und das Zusammenspiel der Akteure und Projektteile verstanden werden müssen. Oft werden einzelne Schritte nur zur Hälfte gedacht und gemacht oder gar übersprungen. Daher ist für das Lernen respektive Verstehen die nötige Zeit einzuplanen – gerade in Zeiten schneller Veränderungen. Dieser Dreiklang von Lernen, Leisten und Wirken gehört zur DNA der hier beschriebenen Unternehmenskultur.

Welche Rolle messen Sie der firmeninternen, aber auch externen Kommunikation bei?

Der Informationsfluss in der heutigen Arbeitswelt wird komplexer und schnelllebiger. Das ist sowohl unternehmensintern als auch – sichtbar zunehmend – im Zusammenspiel mit unternehmensexternen Partnern und Anspruchsgruppen der Fall. Sei es in der Projektarbeit, beim Kundenanlass oder Geschäftsbericht: Jedes Mal muss mit Blick auf die erwünschte Wirkung – im Interesse des Gesamtunternehmens, aber auch der Firmenpartner – die Frage ergründet werden, wie die Kommunikationsarbeit zu gestalten und handzuhaben ist. Auch firmenintern sind immer mehr Unternehmensangehörige direkt von Entscheiden betroffen. Genau an diesem Punkt ist die eigene Kommunikationsarbeit laufend zu hinterfragen und zu verbessern.

Zum Schluss Ihr Rezept: Wie kann ein kleines bis mittelgrosses Unternehmen das Feuer in seinen Mitarbeitern wecken, um gemeinsam an einem Strick zu ziehen?

Indem es beim Einzelnen beginnt und diesen stärkt. Indem es Themen wie Selbstführung offen angeht und die Fehlerkultur und das Hinterfragen begrüssenswerte Errungenschaften sind. Indem jeder bei sich und seiner nächsten Umgebung ansetzt, Neuartigem eine Chance gibt, Liebgewonnenes allenfalls anders macht oder gar fallen lässt. Grundsätzlich gilt nach wie vor: Nur aktive Ermutigung und Support «von oben» sowie die Förderung von Kritik- und Lernfähigkeit bei allen Mitarbeitern tragen dazu bei, dass ein Unternehmen nicht weit unter seinem Leistungsvermögen agieren muss oder gar in seiner Weiterentwicklung auf der Strecke bleibt.