Die 5. Revision hat die Invalidenversicherung (IV) auf den gewünschten Kurs gebracht. Das zeigt eine erste Evaluation der Gesetzesrevision im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) nach vier Jahren Erfahrungen im Vollzug.
| Barbara Zimmermann-Gerster
Mit der 5. IV-Revision, die am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist, hat das Parlament die Invalidenversicherung vollständig auf den Grundsatz «Eingliederung vor Rente» ausgerichtet. Der angestrebte Kulturwandel von einer Renten- zu einer Eingliederungsversicherung ist gemäss einer Studie der Büro Vatter AG und der Berner Fachhochschule tatsächlich vollzogen worden und lässt sich wissenschaftlich nachweisen, wie das BSV mitteilt.
Die kantonalen IV-Stellen als Durchführungsorgane erhielten für die Umsetzung neue Instrumente und zusätzliches Personal. Ihnen stehen heute Möglichkeiten für die Früherfassung und die Frühintervention zur Verfügung, ebenso Integrationsmassnahmen, um psychisch kranke Menschen auf die berufliche Eingliederung vorzubereiten. Diese Instrumente zielen darauf ab, Menschen mit gesundheitlichen Problemen rechtzeitig zu erfassen und zu begleiten, damit sie wenn immer und so weit als möglich erwerbstätig bleiben können – und somit keine oder wenigstens nur eine Teilrente benötigen.
Wirkungspotenzial noch nicht ausgeschöpft
Gemäss der Studie zeigen die neuen Instrumente, die von den IV-Stellen eingesetzt werden, messbare Wirkungen. So kommen heute mehr Personen mit Invaliditätsrisiko schon vor einem Stellenverlust und vor einer langen Arbeitsunfähigkeit mit der IV in Kontakt und Massnahmen zur beruflichen Eingliederung werden wesentlich öfter und schneller ergriffen. Aus der Evaluation geht aber auch hervor, dass das Wirkungspotenzial der 5. IV Revision noch nicht ausgeschöpft ist.
Ihre Ansprechperson
Barbara Zimmermann-Gerster
Ressortleiterin Sozialpolitik und Sozialversicherungen
Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst den eingeschlagenen Weg bei der Reform der Hinterlassenenrenten. Gleichzeitig unterstützt er, dass die Auswirkungen der vom Nationalrat beschlossenen massiven Ausbauvorhaben insbesondere im Behindertengleichstellungsgesetz vertieft untersucht werden. Die neuen Verpflichtungen für Arbeitgeber drohen unverhältnismässige Kosten, Rechtsunsicherheit und Bürokratie zu verursachen, was Inklusion mehr hemmt als fördert. Hier erwarten die Arbeitgeber eine deutliche Korrektur.
Wenn über Arbeitgeberpolitik gesprochen wird, geht es oft um Rahmenbedingungen, Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit. Das ist wichtig. Aber ein funktionierender Arbeitsmarkt besteht nicht nur aus guten Rahmenbedingungen. Entscheidend ist, ob Menschen tatsächlich die Chance erhalten, ihre Fähigkeiten einzubringen.
Eine neue Studie des Bundesamts für Sozialversicherungen untersucht, wie die berufliche Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in den ersten Arbeitsmarkt verbessert werden kann. Sie zeigt: Arbeitgeber engagieren sich stark, benötigen aber eine konsequentere fachliche Unterstützung durch die IV. Entscheidend sind eine bessere Zusammenarbeit mit den behandelnden Fachpersonen sowie individuelle und betrieblich tragfähige Lösungen.
Der Nationalrat hat zwei Kommissionsinitiativen der SGK-N Folge gegeben, die den Sparbeginn in der beruflichen Vorsorge vorziehen, beziehungsweise die heutigen vier Gutschriftensätze auf zwei reduzieren wollen. Aus Sicht des Arbeitgeberverbands ist das Anliegen dahinter zwar nachvollziehbar, darf aber nicht gesondert angegangen werden, sondern muss in eine umfassende Betrachtung eingebettet werden. Werden Parameter in der beruflichen Vorsorge isoliert verändert, droht das System in Schieflage zu geraten, ohne dass ein klarer Mehrwert entsteht.