OECD-Länderbericht: Schweiz mit hoher Krisenresistenz

18. Januar 2010 News

Die Schweiz hat die Finanz- und Wirtschaftskrise im Urteil der OECD besser gemeistert als andere Industrieländer. Im Länderbericht regt die Organisation weitere Massnahmen an, um die langfristigen Wachstumschancen der Schweizer Wirtschaft zu verbessern.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legte erstmals seit November 2007 wieder eine umfassende Analyse der Schweizer Wirtschaft samt Empfehlungen vor. Sie bescheinigt der Schweiz eine hohe Krisenresistenz. Trotz Rezession habe die globale Wirtschaftskrise die Schweiz weniger getroffen als andere OECD-Staaten. Dies, weil wichtige Exportbranchen der Schweizer Wirtschaft wenig konjunkturabhängig seien. Ebenso sei die Schweiz auch nicht direkt vom Einbruch der Immobilienpreise betroffen. Gewürdigt wird auch das umsichtige Eingreifen der Schweizer Behörden zur Stärkung des Schweizer Finanzsystems.

Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt
Die OECD geht – neben den Herausforderungen in der Finanzdienstleistungsbranche – auch auf den Schweizer Arbeitsmarkt und Massnahmen für die Wirtschaftspolitik ein. Nachdem bis zum Ende des Aufschwungs in der Schweiz zahlreiche neue Stellen geschaffen wurden, ist infolge der globalen Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit gewachsen. Es wird ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet. Die OECD empfiehlt die Prüfung von Massnahmen, um eine schnelle Wiedereingliederung der Arbeitslosen in den Erwerbsprozess zu begünstigen. Eine Antwort auf diese Herausforderung gebe der Bundesrat mit seiner Botschaft zur Revision der Arbeitslosenversicherung (AVIG), teilt das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (EVD) mit. Die Botschaft befindet derzeit in der parlamentarischen Beratung (siehe auch Meldung «Arbeitslosenversicherung: Nationalrat für Sparmassnahmen» des Schweizerischen Arbeitgeberverbands vom 9.12.09).

Ein weiterer Schwerpunkt der Empfehlungen zielt auf die langfristigen Wachstumschancen der Schweizer Wirtschaft. Der Lebensstandard in der Schweiz sei zwar hoch; um diesen halten zu können müssen jedoch – insbesondere in vor Wettbewerb geschützten Branchen – wachstumsfördernde Reformen fortgesetzt werden. Damit könne die im internationalen Vergleich schwache Entwicklung der Arbeitsproduktivität gesteigert werden. Laut EVD soll diesbezüglich die Wachstumspolitik 2008 bis 2011 des Bundesrates fortgesetzt und laufend ergänzt werden.

«Potenzial zur Verbesserung des Bildungssystems»
Ein Spezialkapitel widmet die OECD dem Schweizer Bildungssystem. Die OECD würdigt die hohe Qualität des Schweizer Bildungssystems, sieht aber in gewissen Bereichen Potenzial zur Verbesserung. Es seien insbesondere zusätzliche Schritte notwendig, um die Unterschiede bei den schulischen Leistungen zwischen zugezogenen und einheimischen Schulabsolventen zu reduzieren. Die OECD befürwortet nicht zuletzt aus diesem Grund die im HarmoS-Konkordat vorgesehene frühere Einschulung sowie eine Ausweitung des Angebots an frühkindlicher Betreuung. Die Analyse enthält weitere Anregungen, welche von Bund und Kantonen in der Weiterentwicklung der einzelnen Bildungsstufen berücksichtigt werden könnten.