Lohngleichheitsdialog: Tornos engagiert sich als erstes Unternehmen

19. Februar 2010 News

Die Sozialpartner haben zusammen mit dem Bund vor einem Jahr einen Lohngleichheitsdialog lanciert. Damit soll das Bewusstsein für die Umsetzung der Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern in der Schweiz gefördert werden. Ziel des fünfjährigen Projekts ist, dass möglichst viele Betriebe freiwillig ihre Löhne überprüfen und allfällige Ungleichheiten aufheben. Als erste haben sich nun Tornos aus Moutier und Novartis aus Basel registriert.

Der Startschuss für den nationalen Lohngleichheitsdialog fiel im März 2009. Ziel fünfjährigen Projekts ist, dass möglichst viele Teilnehmende – Unternehmen, Verwaltungseinheiten und öffentlich-rechtliche Institutionen – freiwillig und mit Unterstützung ihre Löhne auf geschlechtsspezifische Unterschiede überprüfen und diskriminierende Lohnungleichheiten zwischen Frauen und Männern beseitigen. Um am Projekt teilzunehmen, sind eine Einzelvereinbarung mit der zuständigen Gewerkschaft respektive der gewählten Vertretung der Arbeitnehmenden zu unterzeichnen. Der Bund stellt das Computerprogramm «logib» zur Verfügung. Das Selbsttestinstrument basiert auf den Zahlen der Lohnstrukturerhebung und kann mit wenig Aufwand angewendet werden.

Tornos geht voran
Die Firma Tornos mit Sitz in Moutier hat sich nun als erstes Unternehmen in der Schweiz offiziell für den Lohngleichheitsdialog registriert. Der Drehmaschinen-Hersteller aus dem Berner Jura beschäftigt rund 650 Mitarbeitende oder 80 Frauen und 570 Männer. Tornos betrachtet in seiner Unternehmensvision die soziale Rolle der Firma in seiner Region sowie die Erhaltung der Lebensqualität seiner Mitarbeitenden als wichtige Aufgaben. Thierry Bergère, Personalverantwortlicher beim Maschinenhersteller, unterstreicht auch die Lohngleichheit als wichtiges Anliegen: «Wir engagieren uns, um die Lohnsituation zu analysieren. Falls es Ungleichheiten gibt, wollen wir sie aufheben.»

Das Engagement von Tornos ist umso bemerkenswerter, als der bernjurassische Drehmaschinenbauer im vergangenen Jahr einen Rückschlag hinnehmen musste. Der Umsatz brach im Vergleich zum Vorjahr um 56 % auf 114 Mio. Fr. ein. Per Ende des dritten Quartals 2009 hatte das Unternehmen einen Reinverlust von 21,7 Mio. Fr. für die ersten neun Monate ausgewiesen, verglichen mit einem Gewinn von 8,3 Mio. Fr. in der Vorjahresperiode. Die Maschinenindustrie mit dem Branchenverband Swissmem ist in der derzeitigen Rezession besonders hart gefordert, meistert aber die Krise beachtlich.

Novartis nimmt am vereinfachten Verfahren teil
Erleichtert am Lohngleichheitsdialog teilnehmen können Unternehmen, welche bereits eine Überprüfung der Lohngleichheit durchgeführt haben, die nicht länger als Januar 2007 zurückliegt. Mit Novartis hat sich auch hier eine erste Firma registriert. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Basel beschäftigt in der Schweiz rund 12 000 Mitarbeitende. Es überprüfte die Lohngleichheit im Jahr 2004 erstmals formell. Damals wurden 900 Gehälter von Frauen nach oben korrigiert.

Seither wird die Lohngleichheit regelmässig mit «logib» – dem Lohngleichheitsinstrument des Bundes – überprüft. «Eine gelebte, nachvollziehbare Lohngleichheit, die mit der anerkannten logib-Methode bestätigt wurde, ist ein zentrales Element der Novartis-Personalstrategie», sagt Hans Locher, Leiter Human Resources Schweiz.

Projekt ist breit abgestützt
Der Lohngleichheitsdialog geht auf die Initiative der Sozialpartner zurück und ist breit abgestützt. Die Dachverbände der Arbeitgeber – Schweizerischer Arbeitgeberverband und Schweizerischer Gewerbeverband – sowie der Arbeitnehmenden – Schweizerischer Gewerkschaftsbund und Travail.Suisse – lancierten das Projekt zusammen mit dem Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann, dem Bundesamt für Justiz und dem Staatssekretariat für Wirtschaft.