Integrierte Handicapierte als Beispiele für den „Fall der Fälle“

24. Januar 2010 News

Der «This-Priis» zeichnet Betriebe für ihr Engagement in der Integration von handicapierten Menschen aus. Der Preis wurde dieses Jahr zum fünften Mal verliehen. Zwei Firmen, die seit Jahrzehnten Betroffene beschäftigen, erhielten die Auszeichnung.

Für die Nominierung zum «This-Priis» kommen KMU aus dem Profit- und Non-Profit-Bereich im Raum Zürich in Frage, die Handicapierte mit geburts- oder krankheitsbedingten Einschränkungen integrieren. Für das Jahr 2010 wurden wiederum zwei Betriebe ausgezeichnet, die seit Jahren Menschen mit Leistungseinschränkungen an herkömmlichen Arbeitsplätzen beschäftigen.

«Stolz, als soziale Firma wahrgenommen zu werden»
Bei der Ernst Schweizer AG aus Hedingen soll Nachhaltigkeit gelebt werden. «Nachhaltigkeit im breiten Sinn», betont Markus Villiger, Bereichsleiter Personal und Organisation und Mitglied der Geschäftsleitung. «Uns ist nicht nur die ökonomische und ökologische, sondern auch die soziale Verantwortung wichtig», sagt er. Die 1920 gegründete Metallbaufirma erwirtschaftete 2008 einen Umsatz von 139 Mio. Fr. Sie beschäftigt über 500 Mitarbeitende, davon sind 5 handicapiert. Zudem bietet der Betrieb auch Praktikumsplätze und Lehrstellen für leistungseingeschränkte junge Frauen und Männer an.

Beispiele für die erfolgreiche Integration gibt es im Familienunternehmen viele. So bildete sich ein gehörloser Metallbauzeichner nach seiner Lehre zum Ingenieur weiter, und in unzähligen Praktika konnten junge Leute mit einer Behinderung erste Arbeitserfahrungen sammeln. Manchmal waren die Integrationsversuche erfolgreich, manchmal mussten sie nach wenigen Tagen abgebrochen werden. Entscheidend sei die Bereitschaft der Führungskräfte, sich auf alle möglichen Qualitäten und Probleme einzulassen. «In Franken lässt sich unser Engagement nicht rechnen», sagt Markus Villiger. «Doch wir glauben, dass es sich auf die Motivation des Personals auswirkt.» Er wolle den Mitarbeitenden die Gewissheit geben, dass sie nicht fallen gelassen würden, wenn ihnen einmal etwas zustiesse. Und er sei stolz, dass die Ernst Schweizer AG als soziale Firma wahrgenommen werde.

Jeder siebte Mitarbeitende ist leistungseingeschränkt
Auch H&G Meister AG / Ammer AG aus Zürich und Rümlang beschäftigt seit bald 30 Jahren Menschen mit einem Handicap. «Wir  haben ausschliesslich sehr gute Erfahrungen gemacht», erzählt Inhaber Christos Fokas. Bereits wurde ein handicapierter Mitarbeiter pensioniert, und ein anderer arbeitet schon seit 20 Jahren im Betrieb. Das Familienunternehmen, das 1938 gegründet wurde, ist in der Metallverarbeitung und als Kunststoffspritzwerk tätig. Es beschäftigt rund 27 Mitarbeitende, davon 4 mit Leistungseinschränkungen. Dass der Begriff der Familie gelebt wird, ist Christos Fokas sehr wichtig. «Es gibt keine Aufgaben, die speziell nur von Handicapierten übernommen werden. Jeder wird als gleichwertiger Mitarbeiter angeschaut.»

Verliehen wurde der mit insgesamt 25 000 Fr. dotierte Preis am 24. Januar in Zürich.  Entstanden ist der «This-Priis» durch eine private Initiative der Familie Widmer aufgrund persönlicher Betroffenheit. Der heutige Verein hofft, dass die ausgezeichneten Betriebe Nachahmer finden und dadurch weitere Arbeitsplätze für Handicapierte geschaffen werden.