«Der Einsatz für Handicapierte ist selbstverständlich»

4. November 2010 News

Ein Beispiel: Der «Thuner Sozial-Stern» zeichnet Unternehmen für ihr Engagement in der Integration von psychisch beeinträchtigten Menschen aus. Der Preis ging dieses Jahr an einen Betrieb mit 30 Mitarbeitenden, 3 davon sind in ihrer Leistung eingeschränkt.

Der «Thuner Sozial-Stern» wird an Unternehmen aus dem Berner Oberland verliehen, die sich besonders für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung einsetzen. Der Preis wurde dieses Jahr zum 14. Mal vergeben. Ausgezeichnet wurde die Bürki Electric AG in Steffisburg, sie plant und baut Produkte für Schaltanlagen sowie Steuerungen. Der Betrieb beschäftigt 30 Mitarbeitende, 3 davon – das sind 10% – haben eine Leistungsbeeinträchtigung, arbeiten in Teilzeitpensen und erfüllen speziell auf sie zugeschnittene Aufgaben.

«…vielleicht ist man ja selbst mal betroffen»
Stefan Schneeberger, der Geschäftsleiter der Firma ist sich bewusst, dass die Integration von Menschen mit einer psychischen Krankheit im zwischenmenschlichen Bereich viel Aufmerksamkeit erfordert. Dennoch ist er überzeugt, dass jeder Betrieb «moralisch verpflichtet und in der Lage ist, Mitarbeitende mit einem Handicap zu beschäftigen.» Diese Aufgabe sei «eine Herausforderung, aber auch ein Geben und Nehmen. Und man weiss ja nie, ob man vielleicht auch mal zu den Betroffenen gehören wird.» Das soziale Engagement seiner Firma erachtet er als Selbstverständlichkeit: «Wir fühlen uns ausserordentlich geehrt und motiviert, in unserer Personalpolitik weiterhin diesen Weg der ‹Selbstverständlichkeit› zu gehen.»

Für den Sozialpreis waren insgesamt 20 Betriebe vorgeschlagen worden. Sie beschäftigen insgesamt rund 75 Menschen mit einer Leistungsbeeinträchtigung aus psychischen, geistigen oder körperlichen Gründen. Die Auszeichnung beinhaltet eine durch Sponsoren gestiftete Preissumme von 8000 Franken, eine Urkunde, das Label «Thuner Sozial-Stern» und einen Wanderpreis. Das Preisgeld muss zweckgebunden eingesetzt werden und soll weiteren Eingliederungsmassnahmen zu Gute kommen.

Rund 140 Interessierte nahmen am 29. Oktober 2010 in Thun an der Preisverleihung teil. Als Referent sprach Prof. Dr. iur. Roland A. Müller, Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, zum Thema «Integration in den Arbeitsmarkt – Möglichkeiten und Herausforderungen aus Arbeitgebersicht».

Preis soll Arbeitgeber zur Nachahmung anregen
Verliehen wird der Preis von der «Beruflichen Förderung & Klärung» (BFK) Thun, einer Abteilung der psychiatrischen Dienste des örtlichen Spitals. Die BFK unterstützt Menschen mit einer psychischen oder körperlichen Beeinträchtigung bei ihrem Wiedereinstieg ins Erwerbsleben. Sie hat 1997 den Thuner Sozial-Preis ins Leben gerufen.

Das Sozial-Label soll Betriebe auszeichnen, die Eingliederungsplätze anbieten und weitere Arbeitgeber zur Nachahmung anregen. Eine 10-köpfige Jury mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und dem sozialen Bereich wählt jeweils die Preisträger aus nach Kriterien wie Anzahl Eingliederungsplätze, Art der Begleitung, Dauer und Nachhaltigkeit.