Beschäftigte schätzen selbst gewählte flexible Arbeitsbedingungen

19. März 2010 News

Mitarbeitende in der Schweiz sind zufriedener, wenn sie flexible Arbeitsbedingungen haben. Bei Kurz- oder Schichtarbeit ist jedoch das Gegenteil der Fall. Das Schweizer Human-Relations-Barometer 2010 von Universität und ETH Zürich zeigt zudem, dass eine familienorientierte Personalpolitik geschätzt wird.

Welche Flexibilität erfahren Schweizer Arbeitnehmende in ihren Arbeitsbedingungen und wie bewerten sie diese? Diesen Fragen ging das Schweizer Human-Relations-Barometer 2010 (HR-Barometer) nach. Die Basis dazu bildeten 1359 Interviews mit Beschäftigten, die von März bis Mai 2009 telefonisch durchgeführt wurden. Das Barometer wird jährlich von der Universität Zürich und der ETH Zürich durchgeführt. Die aktuelle Ausgabe widmet sich den Schwerpunktthemen Arbeitsflexibilität und Familie.

Zufriedenheit bei Gleitzeit und Teilzeitarbeit
Gemäss der Studie profitieren 65 % der arbeitstätigen Schweizer Bevölkerung von Gleitzeiten und Teilzeitarbeit. Die Beschäftigten beurteilen Arbeitszeitmodelle umso positiver, je mehr Flexibilität diese zulassen. Das Gegenteil ist der Fall, wenn es sich um Kurz- oder Schichtarbeit handelt. Arbeitnehmende, die mit der zeitlichen Flexibilität zufrieden sind, haben geringere Kündigungsabsichten und sind gegenüber ihrem Arbeitgeber loyaler. 17 % der Beschäftigten leisten Schicht- oder Kurzarbeit oder haben befristete Arbeitsverträge. Personen, die unfreiwillig in einem solchen Anstellungsverhältnis stehen, berichten von Arbeitsplatzunsicherheit, gebrochenen psychologischen Verträgen und Kündigungsabsichten. «Es ist deshalb zu empfehlen, dass Unternehmen in der jetzigen schwierigen Wirtschaftssituation solche Massnahmen sehr sorgfältig planen», so die Autoren.

Besonders wichtig für Unternehmen und Beschäftigte sei, dass letztere vielseitig einsetzbar seien und eine so genannte funktionale Flexibilität an den Tag legten. Wie die Autoren betonen, könne die funktionale Flexibilität auch bei Finanzknappheit gefördert werden: Denn lernförderliche Arbeitsbedingungen, zum Beispiel durch gut unterstützte interne Stellenwechsel, verursachten keine hohen Kosten. Dieser Umstand werde bis anhin jedoch noch wenig genutzt.

Grossteil der Firmen mit familienunterstützendem Angebot
Die Wahl des Arbeitsortes ist naturgemäss stärker eingeschränkt, wie es in der Mitteilung von Universität und ETH weiter heisst. Bei über 20 % der Befragten erlaubt der Arbeitgeber aber Telearbeit. Die Nachfrage sei allerdings grösser. Zwei Drittel der Befragten würden gerne mehr von zu Hause aus arbeiten. Dies würde sich auch für die Arbeitgeber lohnen: «Mit mehr Freiheiten bei der Wahl des Arbeitsortes steigt auch die Zufriedenheit der Beschäftigten», schreiben die Autoren.

Das diesjährige HR-Barometer befasst sich zudem mit familienorientierter Personalpolitik. Bei den Beschäftigten würden sich vorwiegend traditionelle Muster zeigen. Während die Mütter Teilzeit arbeiten und den Grossteil der Kinderbetreuung übernehmen, ist die Mehrheit der Väter vollzeitbeschäftigt. 12 % der Arbeitnehmenden betreuen andere Familienangehörige, wie etwa betagte Eltern. «Die Unternehmen in der Schweiz scheinen grundsätzlich erkannt zu haben, dass sie ihre Beschäftigten bei Betreuungsaufgaben unterstützen können und sollten», teilen Universität und ETH mit. 90 % der Unternehmen stellen mindestens ein familienunterstützendes Angebot zur Verfügung.