Optimales Lehrstellenangebot dank Zusammenspiel zwischen grossen und kleinen Betrieben

3. März 2015,  News

Die Sendung «10vor10» hat festgestellt, dass grosse Unternehmen anteilsmässig weniger Lernende ausbilden als KMU. Ein generelles Problem ist das allerdings nicht – vielmehr Ausdruck einer bedarfsorientierten Ausbildungsstrategie. Und würden die Grossbetriebe ihre Ausbildungsaktivitäten forcieren, so hätten die KMU bald noch mehr Mühe, ihre Lehrstellen zu besetzen.

Die Sendung «10vor10» hat das Lehrlingsengagement von börsennotierten Unternehmen unter die Lupe genommen. Resultat: Die Lernendenquote (Anzahl Lernende pro 100 Vollzeitstellen) fällt in vielen dieser Unternehmen tiefer aus als der Durchschnitt. Diese Erkenntnis verschleiert allerdings die Tatsache, dass der Schweizer Lehrstellenmarkt gut funktioniert. So ist die Zahl der Lehrstellen in den letzten Jahren stetig gestiegen. «Im Jahr 2014 hat die Schweizer Wirtschaft 95’000 Lehrstellen geschaffen», sagt Roland A. Müller im «10vor10»-Studio. Gleichzeitig ging die Zahl der Schulabgänger demografisch bedingt zurück. Allein 2014 blieben 8000 Lehrstellen unbesetzt. Jugendliche auf Lehrstellensuche haben also gute Chancen, fündig zu werden. Seit Mitte der 1990er Jahre erreichen in der Schweiz denn auch gegen 95 Prozent aller 25-Jährigen mindestens einen Berufsbildungs- oder Gymnasialabschluss. Es gibt also weder zu wenige Lehrstellen, noch bleibt in der Schweiz das Potenzial der Jugendlichen ungenutzt.

Grossunternehmen nun pflegen zumeist eine investitionsorientierte Ausbildungsstrategie: Die Zahl ihrer Ausbildungsplätze richten sie danach aus, wie viele Fachkräfte sie in den nächsten Jahren intern benötigen. Dass solche Betriebe ihre Lernenden nach der Ausbildung üblicherweise übernehmen (wobei in der Regel Nettokosten verbleiben), ist Ausdruck dieser Strategie. Auch zeigt sich: Internationale Unternehmen, die in der Schweiz Produktionsstätten haben oder stark mit dem Schweizer Arbeitsmarkt interagieren, unterscheiden sich in ihrem Ausbildungsengagement kaum von Schweizer Betrieben.

Kleine oder mittlere Unternehmen verfolgen einen anderen Ansatz. Sie setzen ihre Lernenden produktiv ein. Diese Betriebe sind jedoch oft nicht in der Lage, alle ihre Lernenden zu übernehmen. Sie bilden Lernende somit für eine ganze Branche aus. Deshalb sind KMU auch darauf angewiesen, dass sich die betrieblichen Ausbildungskosten und die Produktivität der Lernenden zumindest die Waage halten.

Diese unterschiedlichen Strategien führen insgesamt zu einem vielfältigen Lehrstellenangebot, das den mannigfachen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Jugendlichen entgegenkommt. Zudem werden damit Qualifikationen gefördert und Stellen geschaffen, die der Arbeitsmarkt auch effektiv braucht. Das Zusammenspiel zwischen kleinen und grossen Betrieben ist dabei wichtig. Würden die Grossunternehmen ihre Ausbildungsaktivitäten forcieren, so hätten die KMU jedenfalls bald noch mehr Mühe, ihre Lehrstellen zu besetzen.

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