Weitere Experten bemängeln Lohnanalysen des Bundes

8. September 2015,  News

Der Schweizerische Arbeitgeberverband erhält zusätzliche Unterstützung in seinem Bemühen, die Lohngleichheits-Debatte zu versachlichen: Die Zürcher Gesellschaft für Personal-Management bezweifelt ebenfalls, dass die Datenbasis des Bundesamts für Statistik geeignet ist, «Lohndiskriminierung» zwischen Frauen und Männern zu beziffern.

Unlängst hat das Bundesamt für Statistik (BFS) die neusten Zahlen zu den Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern publiziert. Die Differenz von 21,3 Prozent, erhoben anhand von Daten aus der Lohnstrukturerhebung, wirkt eindrücklich und lässt eine Benachteiligung der Frauen vermuten.

Schon mehrfach hat der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) jedoch auf die mangelhaften Daten, auf denen diese Analyse beruht, hingewiesen. Immer mehr Fachleute in Lohnfragen kommen zum gleichen Schluss. Jüngstes Beispiel: Experten der Zürcher Gesellschaft für Personal-Management (ZGP) sowie eines auf Lohnanalysen spezialisierten Unternehmens äussern in einem Gastkommentar in der NZZ Zweifel, dass die vom Bund erhobenen Daten geeignet sind, «Lohndiskriminierung» zwischen den Geschlechtern zu ermitteln.

Übereinstimmend mit dem SAV kritisieren die HR-Spezialisten, dass in der Lohnstrukturerhebung nicht jene Kriterien erfasst werden, die für die Lohnfestsetzung massgebend sind. Auch beziehen sich die Daten auf ganze Branchen, während das Gesetz Lohngleichheit auf Stufe der einzelnen Unternehmen einfordert. In Gesprächen mit Anbietern von Salärvergleichen hat die ZGP festgestellt, dass die Unternehmen die Lohngleichheit durchaus prüfen – wenn auch meist nicht mit dem Instrument des Bundes. Letzteres sei aufwändig, kompliziert und zu wenig gut geeignet. Aufgrund ihrer Recherchen bilanziert die ZGP: Die geschlechtsspezifische Lohndifferenz dürfte deutlich weniger als fünf Prozent betragen.

In die gleiche Richtung hatte sich bereits das Liberale Institut in einer Studie über die Einflussfaktoren bei der Lohnbestimmung geäussert. Swissmem liess sich kürzlich im Sonntagsblick zitieren, dass das Bundesamt für Statistik mit einer viel zu groben Methode arbeite. Gemäss eigenen Lohnstudien betrügen die Unterschiede in der Industrie zwei Prozent. Diese Fakten darf der Bundesrat nicht ausser Acht lassen, wenn er demnächst über die Einführung staatlicher Lohnkontrollen berät.