Die neuesten Zahlen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2024 zeigen eine insgesamt robuste Entwicklung der Lohnsituation in der Schweiz. Der Medianlohn in der Gesamtwirtschaft stieg gegenüber 2022 von 6’788 Franken auf 7’024 Franken pro Monat bei einer Vollzeitstelle. Damit bestätigt sich die Widerstandsfähigkeit des Schweizer Arbeitsmarkts – und dies in einem Zeitraum, der weiterhin von globalen Unsicherheiten, geopolitischen Spannungen und strukturellem Wandel geprägt war.
Weiter abnehmendes geschlechterspezifisches Lohngefälle
Besonders hervorzuheben ist die weitere Abnahme des geschlechterspezifischen Lohngefälles. Dieses reduzierte sich in den letzten Jahren laufend und liegt im Jahr 2024 bei 8,4 Prozent. Diese Entwicklung zeigt, dass sich die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern weiter verringern. Gleichzeitig unterstreichen die Daten, dass ein Teil der Unterschiede auf strukturelle Faktoren wie Ausbildung, berufliche Stellung, Branche oder Verantwortungsniveau zurückzuführen ist.
Zu betonen gilt es, dass der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern nicht automatisch Diskriminierung bedeutet. Die LSE zeigt, dass ein grosser Teil der Differenz durch objektive Faktoren wie Branche, Verantwortung oder Ausbildung erklärbar ist.
Lohnpyramide bleibt stabil
Die allgemeine Lohnpyramide bleibt über die Jahre bemerkenswert stabil. Zwischen 2008 und 2024 stiegen die Löhne der untersten 10 Prozent der Arbeitnehmenden etwas stärker (+18,1 Prozent) als jene der obersten 10 Prozent (+16,8 Prozent). Dies deutet auf eine moderate Annäherung der Lohnsegmente hin und unterstreicht die stabilisierende Wirkung des Schweizer Lohnsystems.
Der Anteil der Tieflohnstellen blieb mit 10,8 Prozent praktisch unverändert. Dies zeigt eine konstante Struktur im unteren Lohnsegment, auch wenn einzelne Branchen wie Gastronomie, Beherbergung und persönliche Dienstleistungen weiterhin überdurchschnittlich betroffen sind. Gleichzeitig ist zu beachten, dass in vielen dieser Branchen die Löhne in den letzten Jahren spürbar gestiegen sind.
Die regionale Differenzierung bleibt ebenfalls bestehen: Während der Medianlohn in der Region Zürich bei 7’502 Franken liegt, beträgt er im Tessin 5’708 Franken. Diese Unterschiede erklären sich primär durch die unterschiedliche Branchenstruktur und die Konzentration wertschöpfungsintensiver Tätigkeiten.
LSE zeigt Stabilität und Anpassungsfähigkeit des Arbeitsmarkts
Aus Sicht der Arbeitgeber belegen die Ergebnisse der LSE 2024 einmal mehr die Stabilität und Anpassungsfähigkeit des Schweizer Arbeitsmarkts. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen konnten die Unternehmen ihre Beschäftigten finanziell tragen und die Löhne weiterentwickeln. Diese Entwicklung ist auch Ausdruck einer tragfähigen Sozialpartnerschaft und eines ausgewogenen institutionellen Rahmens, der Wettbewerbsfähigkeit und soziale Verantwortung miteinander verbindet.
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