Lehrplan 21 bringt Vorteile

14. November 2013,  Meinungen

In den deutsch- und mehrsprachigen Kantonen werden die Ziele der Volksschule durch den Lehrplan 21 harmonisiert. Das bringt wesentliche Vorteile für die Berufsbildung und die Unternehmen.

Die Volksschule ist Sache der Kantone. Das hat in der Schweiz eine vielfältige Schullandschaft hervorgebracht, die den lokalen Gegebenheiten Rechnung trägt. Allerdings verlangen der Arbeitsmarkt und die gesteigerte Mobilität der Bevölkerung nach einheitlicheren und transparenteren Zielen und vergleichbaren Strukturen in der Volksschule. Dabei wird das Spannungsfeld zwischen kantonaler Hoheit und nationalen Erfordernissen etwa an der zentralen Schnittstelle zwischen Volksschule und Berufsbildung offensichtlich.

Im Gegensatz zur Volksschule wird die Berufsbildung national gesteuert. So wird etwa eine Kauffrau nach einheitlichen Zielvorgaben und Standards ausgebildet und geprüft, egal ob sie ihre Ausbildung im Kanton Schaffhausen oder im Wallis absolviert – und zudem unabhängig davon, ob sie ihre Ausbildung im Back Office einer Bauunternehmung oder einer Kommunikationsagentur macht. Das macht Sinn, wenn man den jungen Berufsleuten Branchen- und Stellenwechsel und auch geografische Mobilität ermöglichen möchte. Entscheidend ist zudem: Auch die Arbeitgeber wissen, was für Qualifikationen mit einem Berufsabschluss verbunden sind, wenn sie Berufsleute einstellen.

Die Klagen der Wirtschaft über die Volksschule haben viel mit der unterschiedlichen Steuerung von Berufsbildung und Volksschule zu tun: Die Kompetenzen der Schulabgänger sind nicht transparent, den Leistungseinschätzungen der Schulen wird nicht vertraut, an den Berufsfachschulen zeigen sich markante Unterschiede in der Vorbildung zwischen Schülern aus verschiedenen Kantonen, und grössere Betriebe haben sich mit unterschiedlichsten Bildungssystemen auseinanderzusetzen.

Orientierung am Wissen und Können
Der Lehrplan 21 wird hier wesentliche Vorteile für die Berufsbildung bringen:

  • Die verständlichen Kompetenzbeschreibungen sind für die Berufsbildung eine Hilfe, indem klargestellt wird, was Schülerinnen und Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit wissen und können. Damit wird die Grundlage gelegt, um die Anforderungsprofile zwischen Volksschule und Berufen mit Blick auf die Berufswahl fundiert abzustimmen.
  • Durch harmonisierte Bildungsziele können Berufsfachschulen und Betriebe auf einer gemeinsamen Basis aller Lernenden aufbauen. Man muss nicht viel Zeit aufwenden, um alle Schüler – aus verschiedenen Kantonen – auf den gleichen Stand zu bringen.
  • Mit dem Ansatz der Kompetenzorientierung liegt der Akzent nicht nur auf dem Wissen (das man bekanntlich kurzfristig «auswendig lernen» kann), sondern – weitergehend – auf dessen Anwendung in verschiedenen Situationen. Diese Orientierung am «Wissen und Können» ist praxis- und lebensnah – sie hat sich in der Berufsbildung bewährt und ist dort breit akzeptiert.

Bis Ende Jahr läuft die offizielle Konsultation zum Lehrplanprojekt. Der Anspruch ist hoch: Es geht um die Klärung des Auftrags unserer Volksschule. Deshalb ist es sinnvoll und nötig, kritische Fragen zu den Inhalten und Gewichtungen zu stellen – auch von Seiten der Wirtschaft. Im Grundsatz ist die Stossrichtung der Bildungsbehörden aber richtig und verdient Unterstützung. Denn die sprachregionale Harmonisierung von Ausbildungszielen ist ein ureigenes Postulat der Wirtschaft. Sie entspricht den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes und erleichtert den Eintritt in die Berufsbildung.