Arbeitsmarkt Sozialpartnerschaft

Sozialpartnerschaft als stabiles Fundament des schweizerischen Arbeitsmarkts

Als Sommerserie publiziert der Schweizerische Arbeitgeberverband einzelne Beiträge des kürzlich publizierten Jahresberichts in leicht gekürzter oder aktualisierter Form.

Die Schweizer Sozialpartnerschaft setzt auf praxistaugliche Lösungen statt staatlicher Überregulierung. Ihre Stärke liegt in der Nähe zum Betrieb, im Dialog auf Augenhöhe und in tragfähigen Lösungen. Wie wirksam sie ist, zeigt sich exemplarisch bei den Verhandlungen zu den «Bilateralen III» im Rahmen der Lohnschutzmassnahmen.

Das Ziel der Sozialpartnerschaft ist es, tragfähige, praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, um damit einen gut funktionierenden, flexiblen Arbeitsmarkt zu erhalten. Und zwar ohne, dass der Staat alles von oben herab regulieren muss. Die Sozialpartnerschaft ist ein bewährtes System der konsensorientierten Arbeitsmarktregulierung, sorgt für Praxisnähe und trägt dazu bei, dass nur Aspekte reguliert werden, die nach einer Regulierung verlangen – in einer Regulierungstiefe, die sich am gelebten Alltag orientiert.

Sozialpartnerschaften existieren auf unterschiedlichen Ebenen und zu vielfältigen Themen. Zu begrüssen ist insbesondere eine funktionierende innerbetriebliche Sozialpartnerschaft. Hier arbeiten die Unternehmensleitung, die Mitarbeitenden und die Arbeitnehmervertretungen (z. B. die Personalkommission) direkt zusammen und gestalten Regelungen flexibel. Diese Nähe fördert Vertrauen und Akzeptanz, hält die Regelungen auf betrieblicher Ebene und verhindert somit unnötige Überregulierung durch die Politik. Die innerbetriebliche Sozialpartnerschaft hat zum Ziel, Konflikte früh betrieblich zu lösen, bevor sie eskalieren – und zwar pragmatisch, lösungsorientiert und nah am Alltag. Davon zu unterscheiden ist die externe Sozialpartnerschaft, die ausserhalb einzelner Unternehmen stattfindet und Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände pflegen – manchmal unter Mitwirkung des Bundes.

Bilaterale III: Sozialpartner suchen und finden Lösungen zur Sicherstellung des Lohnschutzes

Was Sozialpartnerschaft in der tagtäglichen Arbeit des Arbeitgeberverbands bedeutet, kann am Thema Vertragspaket zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU («Bilaterale III») aufgezeigt werden. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) setzte bezüglich des Lohnschutzes im Rahmen der «Bilateralen III» bewusst auf die Sozialpartnerschaft und lud die vier Sozialpartner – Schweizerischer Gewerbeverband (sgv), Travail.Suisse, Schweizerischer Gewerkschaftsbund (SGB) sowie den Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) – zu Gesprächen ein. Die Arbeitgeberseite (SAV und sgv) hatte ihre Delegation gezielt aus besonders betroffenen Branchen – namentlich dem Bau- und dem Schreinergewerbe – zusammengestellt, um die betrieblichen Realitäten direkt in die Diskussion einzubringen. Dabei standen praktikable, praxisnahe Lösungen im Vordergrund.

Intensiver Lösungsfindungsprozess über Wochen

Rund 60 fachlich-technische Sitzungen dienten dazu, die neuen Abläufe wie den viel stärker digitalisierten Meldeprozess, die auf den Wiederholungsfall eingeschränkte Kaution und die auf vier Arbeitstage gekürzte Voranmeldung abzubilden und im Gesetzestext zu konkretisieren. Dabei wurde Massnahme für Massnahme erarbeitet. Weitere 20 Sitzungen auf Direktionsebene dienten dazu, die erarbeiteten Lösungen der Fachpersonen zu finalisieren und gegenseitig abzunehmen.

Der Prozess war von intensiven Diskussionen geprägt und vom Willen, gemeinsam Lösungen zu finden. Am Ende resultierte ein Paket von 13 Lohnschutzmassnahmen, die von allen Beteiligten mitgetragen werden können und die die Sicherung des bisherigen Lohnschutzniveaus sicherstellen.

Sozialpartnerschaft ist gelebte Kompromisskultur

Die Verhandlungen und die erzielte Einigung im Rahmen der vereinbarten 13 Lohnschutzmassnahmen zeigen exemplarisch, wie die Schweizer Sozialpartnerschaft funktioniert: Sie ist wirksam, wenn sie aktiv gelebt wird und alle Beteiligten auf Augenhöhe diskutieren und verhandeln. Davon profitiert das Schweizer System, das von tragfähigen Kompromissen im Sinne der Allgemeinheit lebt.