Von den rund 98’000 Jugendlichen, die im Sommer 2026 ihre obligatorische Schulzeit abschliessen werden, möchten 63 Prozent direkt in eine Berufslehre einsteigen. Im Vergleich zum Vorjahr ist eine leichte prozentuale Zunahme zu verzeichnen. Die Berufslehre bleibt damit der mit Abstand meistgewählte Bildungsweg. Dies geht aus den neusten Hochrechnungen des Nahtstellenbarometers 2026 hervor und bestätigt die anhaltend hohe Attraktivität der beruflichen Grundbildung.
Unternehmen weiterhin mit hoher Ausbildungsbereitschaft
Die Betriebe bieten insgesamt hochgerechnet rund 74’000 Lehrstellen an. Davon waren 68 Prozent im März/April bereits besetzt. Rund drei Viertel der Unternehmen bieten gleich viele Lehrstellen an wie im Vorjahr, während sich Zu- und Abnahmen die Waage halten. Treiber des Angebotsausbaus bleiben vor allem die langfristige Fachkräftesicherung und der Bedarf an qualifiziertem Berufsnachwuchs, während Rückgänge häufig auf betriebliche Umstrukturierungen oder Schwierigkeiten bei der Rekrutierung geeigneter Lernender zurückzuführen sind.
Sozial- und Selbstkompetenzen stehen bei Lernbeginn im Vordergrund
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Lehrbetriebe von künftigen Lernenden nicht primär fertige Berufskompetenzen erwarten. Im Vordergrund stehen vielmehr Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, ein respektvoller Umgang sowie die Fähigkeit, Feedback anzunehmen und umzusetzen. Gleichzeitig sehen viele Unternehmen Entwicklungsbedarf bei zentralen Selbstkompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstorganisation und Konzentrationsfähigkeit.
Die Unternehmen messen der Schule eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung auf die Lehre zu. Besonders positiv beurteilt werden schulintegrierte Module zur Vorbereitung auf die Berufsschule oder Berufspraxis. Die Betriebe äussern sich hingegen kritischer zum Engagement der Lehrpersonen und der Eltern, welches sie grossmehrheitlich als eher gering einstufen.
Jugendliche schätzen Verbindung von schulischem Lernen und betrieblicher Praxis
Unter den Jugendlichen, die vor der Ausbildungswahl stehen, ist das Bild der beruflichen Grundbildung mehrheitlich positiv. Sie wird von vielen Jugendlichen als eigenständiger, praxisorientierter Bildungsweg mit konkretem Nutzen betrachtet – nicht etwa als zweite Wahl. Die Berufslehre wird als Ausbildung mit Zukunft wahrgenommen und die Verbindung von schulischer Bildung und praktischer Arbeit wird geschätzt.
Das Nahtstellenbarometer bestätigt somit die hohe Stabilität des Schweizer Lehrstellenmarktes. Das Interesse der Jugendlichen an einer Berufslehre bleibt hoch und die Unternehmen halten an ihrem Engagement als Ausbildungsbetriebe fest. Diese Kontinuität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor der dualen Berufsbildung.