Liebherr: Leistung und Einstellung zählen – nicht das Alter

9. September 2015,  Best Practice

Die Liebherr-Baumaschinen AG unterscheidet bei ihren Angestellten nicht zwischen jung und alt, denn die Leistung hängt nicht nur vom Alter ab. Mit älteren Mitarbeitenden sind die Erfahrungen positiv – und teilweise besser als mit jüngeren. Ein entsprechendes Konzept soll das Vorgehen in Altersfragen künftig systematisieren.

Im luzernischen Reiden beschäftigt die Firma Liebherr-Baumaschinen AG 260 Personen, vorwiegend Männer, die im Kundendienst und Service von Baumaschinen tätig sind. Die körperlich fordernde Arbeit bringt es mit sich, dass der Altersdurchschnitt der Angestellten eher tief ist. Stefan Bieri, bis vor Kurzem Leiter Personal bei Liebherr, ist sich gleichwohl bewusst, dass Altersfragen – beispielsweise Pensionierungen und Nachfolgeregelungen – auch in seinem Betrieb nicht zu vernachlässigen sind. Deshalb soll ein firmenspezifisches Konzept erarbeitet werden, um künftig ein einheitliches Vorgehen im Umgang mit älteren Mitarbeitenden zu gewährleisten.

Wie sich im Gespräch schnell zeigt, haben sich einige «Best Practices» aber ohnehin schon etabliert. Stefan Bieri erzählt von einem Mitarbeiter, der 2017 in Pension gehen wird. Er beginnt demnächst in einem Tandem den künftigen Stelleninhaber einzuarbeiten und reduziert derweil langsam sein Pensum. Der Nachfolger kann so sukzessive in sein neues Arbeitsgebiet hineinwachsen und parallel dazu die noch nötigen Schulungen absolvieren. Weitere Beispiele bestätigen die «absolut guten Erfahrungen», die man bei Liebherr mit älteren Angestellten macht. So musste ein Servicemonteur mit 53 Jahren seine belastende Tätigkeit auf Baustellen und im Verkehr aufgeben, worauf intern eine Alternative gesucht und gefunden wurde. Auch die Arbeit eines Mechanikers, der mit 54 zu Liebherr stiess, ist gemäss dem Personalverantwortlichen sehr zufriedenstellend. Umgekehrt habe ein 22-Jähriger nach kurzer Zeit bereits wieder gekündigt – weil ihm der Arbeitsweg von 30 Minuten zu lang und der Lohn zu niedrig war.

Stefan Bieri kann der Unterscheidung nach Alter deshalb gar nichts abgewinnen: «Es ist doch egal, wie alt ein Mitarbeiter ist – Hauptsache, er macht einen guten Job.» Weiter appelliert er an die Arbeitgeber, von finanziellen Einwänden gegen die Anstellung älterer Personen abzukommen. «Sie sind fehl am Platz.»

Steckbrief

  • Branche: Bauwirtschaft
  • Ort: Reiden
  • Mitarbeiter: 260
  • Davon Ü45: 83

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