Bildung

Bildungsbericht 2026: Stärkung der Berufsbildung hat viele Vorteile

Der fünfte Bildungsbericht Schweiz liegt vor. Dieser fasst den gegenwärtigen Wissensstand über das Bildungswesen zusammen. Dabei beleuchtet der Bericht auch die Rolle der Berufsbildung als zentralen Bildungsweg auf der Sekundarstufe II und hebt deren enge Verknüpfung mit dem Arbeitsmarkt hervor.

Mit dem Bildungsbericht 2026 legen Bund und Kantone im Rahmen des Bildungsmonitorings Schweiz eine aktuelle Standortbestimmung zum Bildungssystem vor. Der Bericht erscheint seit 2010 alle vier Jahre und fasst Daten und Erkenntnisse aus Statistik, Forschung und Verwaltung zum gesamten Bildungswesen der Schweiz zusammen.

Erarbeitet wurde der Bildungsbericht von der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF). Auf rund 400 Seiten sind alle aktuellen Informationen und Analysen zusammengetragen. Daraus lassen sich zentrale Aussagen über die Schweizer Bildungslandschaft ableiten und er dient den Bildungsakteuren als Grundlage für die Weiterentwicklung der Bildungspolitik.

Zentrale Rolle der Berufsbildung

Der aktuelle Bildungsbericht macht deutlich, dass die Berufsbildung ein zentraler Bildungsweg auf Sekundarstufe II ist und sich durch eine ausgeprägte Arbeitsmarktnähe auszeichnet. Für die Berufsbildung insgesamt prognostiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) für die Zeit zwischen 2024 und 2033 eine Zunahme der Lernenden um 16 Prozent, wobei insbesondere die Berufsfelder Informatik und Kommunikationstechnologie sowie Gesundheit und Soziales prozentual stark wachsen.

Zudem unterstreicht der Bericht, dass sich die Berufsbildung laufend weiterentwickelt, um auf technologische und wirtschaftliche Veränderungen zu reagieren, insbesondere im Zusammenhang mit der Digitalisierung und neuen Kompetenzanforderungen. Gerade aufgrund der KI-basierten Entwicklungen im Arbeitsmarkt werden gemäss den Autoren die fachlichen Kompetenzen in Zukunft noch wichtiger.

Differenzierte Einordnung der Herausforderungen

Der aktuelle Bildungsbericht benennt Herausforderungen in der Berufsbildung, ordnet diese jedoch differenziert ein. So zeigt er, dass Lehrvertragsauflösungen unterschiedliche Ursachen haben und nicht pauschal auf Defizite einzelner Akteure zurückzuführen sind. Ein grosser Teil der Lernenden, die ihre Lehre abbrechen, findet nach einem Abbruch erneut Anschluss im Bildungssystem. Darüber hinaus belegen die Zahlen zum Qualifikationsverfahren die hohe Abschlussquote der Berufsbildung: 94 Prozent der Lernenden bestehen das Qualifikationsverfahren (QV), das formelle Abschlussverfahren am Ende der Lehre, im ersten Anlauf; nach weiteren Anläufen jener, die es nicht im ersten Anlauf schaffen, sind es rund 99 Prozent. Der Bericht fokussiert auf Bildungswege, Kompetenzentwicklung und Übergänge in den Arbeitsmarkt. Entscheidend ist aus dieser Perspektive, die bestehenden Stärken der Berufsbildung weiterzuentwickeln und die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zu sichern, statt das System durch zusätzliche Regulierungen zu belasten.

Bildungsverläufe frühzeitig stärken

Der Bildungsbericht zeigt ausserdem, dass nicht alle Jugendlichen die definierten Grundkompetenzen erreichen und dass sich dabei Unterschiede nach sozialem und sprachlichem Hintergrund zeigen. Probleme im Bildungsverlauf beginnen dabei häufig bereits früh, insbesondere bei den sprachlichen Voraussetzungen. Die Berufsbildung baut auf vorhandenen Grundkompetenzen auf und ist kein Instrument zur Kompensation vorgelagerter schulischer Defizite. Umso wichtiger ist es, frühzeitig hinzuschauen, gezielt zu analysieren, welche Jugendlichen betroffen sind, und offen über geeignete Massnahmen im gesamten Bildungssystem zu diskutieren.

Wichtige Orientierung für die Berufsbildungspolitik

Der Bildungsbericht dient auch für die weiteren Arbeiten innerhalb der Tripartiten Berufsbildungskonferenz (TBBK), in welcher der Schweizerische Arbeitgeberverband Einsitz hat und die damit beauftragt ist, die Entwicklungen in der Berufsbildung zu beobachten und Massnahmen zur Stärkung der Attraktivität der Berufsbildung zu erarbeiten.

Es gilt nun, die Erkenntnisse des Bildungsberichts sorgfältig auszuwerten und die Zahlen differenziert zu analysieren, bevor voreilige Schlussfolgerungen gezogen werden. Politisch motivierte Schnellschüsse sind fehl am Platz. Erst auf Basis einer fundierten Analyse lassen sich geeignete Massnahmen ableiten, die abgestimmt auf die Bedürfnisse der Unternehmen, das gesamte Bildungssystem und die Herausforderungen in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik tatsächlich wirksam sind.