Bildung

Abnehmende Grundkompetenzen nach der Volksschule: Eine Herausforderung für Berufsbildung und Wirtschaft

Sinkende Grundkompetenzen am Ende der obligatorischen Schulzeit werden für die Berufsbildung zunehmend zur Herausforderung. Eine Befragung der Wirtschaftsverbände zeigt deutliche Defizite, insbesondere beim Schreiben und in Mathematik. Fehlende Grundlagen erschweren die Rekrutierung geeigneter Lernender und erhöhen den Betreuungsaufwand. Die Unternehmen investieren erhebliche Ressourcen und halten mehrheitlich an ihrer Ausbildungsbereitschaft fest. Dennoch gibt bereits jedes fünfte Unternehmen an, aufgrund dieser Entwicklung weniger Lernende auszubilden oder ausbilden zu wollen.

Internationale und nationale Leistungserhebungen zeigen seit 2012 rückläufige Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben und Mathematik. Bisher bleibt weitgehend ungeklärt, welche Faktoren für diese Entwicklung verantwortlich sind.

Um die Auswirkungen auf die duale Berufsbildung zu untersuchen, haben der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV), economiesuisse und der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) die Ausbildungsbetriebe befragt. Die Auswertung von rund 2’900 Antworten zeigt: Viele Unternehmen stellen Defizite fest und beobachten eine deutliche Verschlechterung in den letzten Jahren. Besonders kritisch beurteilt werden die Schreibkompetenzen sowie zentrale mathematische Fähigkeiten. Gleichzeitig zeigen sich zunehmend Herausforderungen bei wichtigen fächerübergreifenden Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstorganisation oder kritischem Denken.

Die Folgen zeigen sich direkt im Ausbildungsalltag. Fehlende Kompetenzen erschweren die Suche nach geeigneten Lernenden, führen zu mehr Betreuungsaufwand und zu höheren Ausbildungskosten. Darunter leidet die Ausbildungsbereitschaft: Die zusätzlichen Kosten führen bei einem Fünftel der befragten Unternehmen dazu, weniger Lernende auszubilden oder ausbilden zu wollen.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung solider Grund- und fächerübergreifender Kompetenzen für einen erfolgreichen Übergang in die duale Berufsbildung, den Arbeitsmarkt sowie die Sicherstellung der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe.

Dieses Papier wurde in Zusammenarbeit mit economiesuisse und dem sgv verfasst. Verantwortlich sind Prof. Dr. Rudolf Minsch, Leiter Wirtschaftspolitik & Aussenwirtschaft, Chefökonom bei economiesuisse, Nicole Meier, Ressortleiterin Bildung und berufliche Aus- und Weiterbildung beim SAV und Dieter Kläy, Ressortleiter Arbeitsmarkt, Berufsbildung und Wirtschaftsrecht beim sgv.

 

  • Grundkompetenzen müssen als Bildungs-, Wirtschafts- und Standortfaktor anerkannt werden. Sie bilden die Grundlage für eine starke duale Berufsbildung, die Fachkräftesicherung und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz.
  • Die Ursachen des Kompetenzrückgangs müssen systematisch analysiert und das Bildungsmonitoring konsequent für evidenzbasierte Verbesserungen genutzt werden.
  • Lesen, Schreiben, Mathematik sowie zentrale fächerübergreifende Kompetenzen müssen in der Volksschule gezielt gefördert und verbindlich gestärkt werden.
  • Kompetenzlücken müssen während der obligatorischen Schulzeit frühzeitig geschlossen werden, bevor sie in der Berufsbildung zusätzlichen Aufwand und höhere Kosten verursachen.
  • Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe muss langfristig gesichert werden. Solide Grundkompetenzen schaffen die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen weiterhin genügend Lehrstellen anbieten können.

 

Grundkompetenzen in der Schweiz: Befunde, Lücken und offene Fragen

Aktuelle Leistungsbefunde – Grundkompetenzen im Sinkflug?

Die PISA-Erhebung 2022 zeigt: Die Schweiz liegt im internationalen Vergleich zwar weiterhin über dem OECD-Durchschnitt, in Mathematik und Lesen haben die Leistungen der 15-Jährigen in den letzten Jahren jedoch markant abgenommen.[1] Besonders deutlich ist der Rückgang im Zehnjahrestrend: Zwischen 2012 und 2022 sanken die Mittelwerte signifikant um 22.7 Punkte in Mathematik und 25.1 Punkte im Lesen (vgl. Abbildung 1; OECD, 2023a; 2023b). Heute verfehlt knapp ein Fünftel der 15-Jährigen die Mindestanforderungen in Mathematik; im Lesen ist es rund ein Viertel (SKBF, 2026; Erzinger et al., 2023).

Abbildung 1: Leistungstrends in Mathematik und Lesekompetenz für die Schweiz seit der ersten PISA-Erhebung

Anmerkung: Die weissen Punkte stehen für Schätzungen der Durchschnittsergebnisse, die statistisch nicht signifikant über bzw. unter den Schätzungen von PISA 2022 liegen. Die schwarzen Linien bilden den Trend am besten ab. Quelle: OECD (2023a, S. 484)

Bildungsmonitoring – International und in der Schweiz

PISA steht für «Programme for International Student Assessment» und ist eine internationale Schulleistungsstudie, die im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) üblicherweise alle drei Jahre durchgeführt wird. Untersucht werden die Kenntnisse und Fähigkeiten in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften sowie individuelle Einschätzungen zu diversen Themen und Erfahrungen von 15-Jährigen (Erzinger et al., 2023).

Die Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen (ÜGK) ist eine national durchgeführte Leistungsuntersuchung in der obligatorischen Schule mit schweizerischen Messinstrumenten und soll aufzeigen, inwieweit in den einzelnen Kantonen die nationalen Bildungsziele erreicht werden. Die von der Konferenz der eidgenössischen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) festgelegten nationalen Bildungsziele von 2011 beschreiben, welche Grundkompetenzen Schülerinnen und Schüler in Schulsprache, zweiter Landessprache und Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften erwerben sollen. Die ÜGK erfasst dabei curriculare Kompetenzen, also die Umsetzung des Lehrplans, und unterscheidet sich damit methodisch von PISA (ÜGK Schweiz, o. D.).

Mit dem Ausbau des nationalen Bildungsmonitorings mittels ÜGK beschloss die EDK, dass sich die Schweiz ab 2015 nur noch an der internationalen PISA-Erhebung auf nationaler Ebene beteiligt. Die meisten Kantone verzichteten seither auf zusätzliche kantonale PISA-Stichproben. Ab 2028 wird das neue Monitoring der Grundkompetenzen die ÜGK ablösen und alle vier Jahre die Kompetenzen in Mathematik, Schulsprache und Fremdsprachen überprüfen (ÜGK Schweiz, o. D.).

[1] Die Grundkompetenzen umfassen gemäss Lehrplan 21 die Kompetenzen in der Schulsprache, der ersten und zweiten Fremdsprache, der Mathematik und den Naturwissenschaften. Der Hauptfokus unserer Untersuchung und der Unternehmensbefragung liegt auf den Grundkompetenzen Lesen und Schreiben in der Schulsprache sowie Mathematik. Die Ergebnisse zu den anderen Grundkompetenzen werden deshalb bewusst nicht aufgezeigt.

PISA zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und familiärer Herkunft. Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien schneiden insbesondere in Mathematik deutlich schlechter ab. Zudem hat sich der Leistungsabstand nach sozioökonomischem Hintergrund zwischen 2018 und 2022 in der Schweiz signifikant vergrössert (Erzinger et al., 2023; OECD, 2023a). Auch die ÜGK 2024 bestätigt diese Unterschiede bereits am Ende des vierten Schuljahres (HarmoS). National erreichen 87 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Grundkompetenzen in der Schulsprache im Hören und 79 Prozent im Lesen sowie 76 Prozent in Mathematik. Gleichzeitig zeigen sich markante Unterschiede nach sozialer Herkunft, Erstsprache und Migrationshintergrund: Kinder mit ungünstigen sozioökonomischen Voraussetzungen erreichen die Grundkompetenzen deutlich weniger als Kinder, die nicht von sozioökonomischen Herausforderungen betroffen sind (EDK, 2026; Seiler et al., 2026).

Am Ende der Sekundarstufe I zeigt sich gemäss ÜGK 2023 ein ähnliches Muster. 82 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreichen die Grundkompetenzen im Lesen der Schulsprache. In der Orthografie unterscheiden sich die Ergebnisse je nach Sprachregion deutlich. Auch hier beeinflussen soziale Herkunft, Erstsprache und Migrationshintergrund das Erreichen der Grundkompetenzen weiterhin signifikant (Erzinger et al., 2025).

Grundkompetenzen von Jugendlichen im Fokus: ein fragmentiertes Monitoringsystem

Die Entwicklung der Grundkompetenzen von Schülerinnen und Schülern wird in der Schweiz auf verschiedenen Ebenen erhoben. International liefert die PISA-Studie der OECD seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre vergleichbare Daten zu den Kompetenzen 15-Jähriger in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Auf nationaler Ebene untersucht die ÜGK seit 2016 im Auftrag der EDK, inwieweit die 2011 definierten nationalen Bildungsziele an verschiedenen Punkten der obligatorischen Schulzeit erreicht werden (EDK, 2011a; 2011b). Ergänzend setzen einzelne Kantone eigene Instrumente wie Checks, Stellwerktests oder Klassencockpit ein, die primär der schulinternen Standortbestimmung und individuellen Förderung dienen und nicht direkt mit dem nationalen Monitoring vergleichbar sind (SKBF, 2026).

Zwischen den Kantonen zeigt sich dabei eine grosse Diversität im Umgang mit Lernstandserhebungen. Kantone, die auf eigene Kompetenztests verzichten, gleichen dies nicht systematisch durch externe Evaluationen aus und umgekehrt werden die Ergebnisse der zahlreichen kantonalen Lernstandserhebungen und Schulqualitätsüberprüfungen nicht überall gleichermassen systematisch ausgewertet und genutzt. Diese fehlende Einheitlichkeit erschwert die Vergleichbarkeit und Transparenz im Bildungssystem zusätzlich (SKBF, 2026).


Sprachliche Zusammensetzung der Schülerschaft verändert sich

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler der obligatorischen Schulzeit, deren Erstsprache[2] nicht der Ortssprache entspricht, ist in den letzten 25 Jahren kontinuierlich von 21 Prozent auf 36 Prozent gestiegen. Insgesamt ist die Zahl der Schulkinder mit Ortssprache als Erstsprache zwischen 2000 und 2025 um 8 Prozent zurückgegangen, währendem die Zahl der Schulkinder mit einer anderen Erstsprache um 50 Prozent gestiegen ist (BFS, 2026). Diese Entwicklung verändert die Rahmenbedingungen des Unterrichts. Die ÜGK 2024 zeigt, dass die zu Hause gesprochene Sprache mit dem Erreichen der Grundkompetenzen zusammenhängt. Hohe Anteile von Schülerinnen und Schülern mit Risikofaktoren, wie beispielsweise einem bildungsfernen oder fremdsprachlichen familiären Hintergrund, können zudem den Lernerfolg einzelner Kinder und ganzer Klassen beeinflussen. Die zunehmende sprachliche Heterogenität betrifft damit nicht nur einzelne Lernende, sondern beeinflusst zunehmend auch den gesamten Unterricht und das Schulwesen generell (SKBF, 2026).

[2]Die Erstsprache ist definiert als die erste Sprache, die ein Mensch erlernt (sogenannt: Muttersprache) (BFS, 2023).

Ursachen des Rückgangs bleiben weitgehend ungeklärt

Die Faktoren, die mit dem Bildungserfolg einzelner Schülerinnen und Schüler zusammenhängen, sind gut dokumentiert. Dazu zählen soziale Herkunft, Migrationshintergrund und die zu Hause gesprochene Sprache. Weniger klar ist jedoch, weshalb die Grundkompetenzen in den vergangenen Jahren abgenommen haben. Zwar werden verschiedene Erklärungsansätze diskutiert, belastbare empirische Nachweise fehlen jedoch weitgehend.

Ein Grund dafür ist die lückenhafte Datenlage. Die Schweiz verfügt über kein einheitliches, langfristig vergleichbares Monitoring der Grundkompetenzen. Kompetenzen werden mit diversen Instrumenten, auf verschiedenen Schulstufen und nach kantonal variierenden Verfahren erhoben, wobei dieselben Kompetenzbereiche weder regelmässig noch nach einer einheitlichen Methodik gemessen werden. Dadurch fehlen belastbare Längsschnittdaten, die es erlauben würden, Entwicklungen und mögliche Ursachen über längere Zeiträume abzubilden. Entsprechend werden verschiedene Erklärungsansätze diskutiert. Genannt werden unter anderem ein verändertes Mediennutzungsverhalten sowie der verstärkte Einsatz digitaler Geräte. Solche Zusammenhänge erlauben jedoch keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Ursachen des beobachteten Kompetenzrückgangs (OECD, 2023a).

Auch die Covid-19-Pandemie wird teilweise als mögliche Erklärung angeführt. Diese Interpretation greift jedoch zu kurz, da sich die negativen Leistungstrends bereits vor den pandemiebedingten Schulschliessungen abzeichneten (SKBF, 2026). Auch die veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft kann den Leistungsrückgang nur teilweise erklären. Zwar stieg der Anteil Jugendlicher, die zu Hause nicht die Schulsprache sprechen. Gleichzeitig nahm aber auch das Bildungsniveau der Eltern zu, was eher bessere Ergebnisse erwarten liesse (SKBF, 2026).

Insgesamt bleibt die Ursachenlage damit unscharf: Es gibt plausible Hypothesen, aber bisher keine empirisch gesicherte Erklärung für den Rückgang der Grundkompetenzen.

Solide Grundkompetenzen stärken die duale Berufsbildung

Der Wohlstand der Schweiz beruht auf gut qualifizierten Fachkräften. Das duale Berufsbildungssystem spielt dabei eine zentrale Rolle, welches den Jugendlichen den direkten Berufseinstieg ermöglicht. Es setzt jedoch voraus, dass Jugendliche beim Eintritt in die Lehre über solide Grundlagen in Lesen, Schreiben und Mathematik (sowie fächerübergreifenden Kompetenzen) verfügen. Gerade diese Kompetenzen nehmen seit Jahren ab. Laut Bildungsbericht entspricht der Kompetenzverlust bei neu eintretenden Lernenden sowohl in dreijährigen Lehren als auch in den zweijährigen Ausbildungen mit Eidgenössischem Berufsattest (EBA) mittlerweile rund einem Schuljahr (SKBF, 2026).

Schulische Kompetenzen sind eng mit den späteren Bildungschancen verknüpft. Die TREE-Studie[3] zeigt: Jugendliche mit tieferen Lesekompetenzen haben ein höheres Risiko, keinen Abschluss auf Sekundarstufe II zu erreichen. Kompetenzdefizite beim Schulaustritt bleiben damit nicht folgenlos, sondern können sich langfristig auf Bildungs- und Erwerbschancen auswirken (Stalder et al., 2008).

Auch TREE2[4] bestätigt den Zusammenhang zwischen schulischen Leistungen und späterem Ausbildungsweg. Über 40 Prozent der Jugendlichen, die auf Sekundarstufe I lediglich die Grundanforderungen erfüllt haben, schaffen im ersten Jahr nach der obligatorischen Schule keinen direkten Eintritt in eine Ausbildung der Sekundarstufe II. Ausserdem sind ungenügende Leistungen in der Schulsprache mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden, eine Berufsbildung zu absolvieren und mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit eine Zwischenlösung zu besuchen (Gomensoro & Meyer, 2021).

Fehlende Grundkompetenzen wirken sich auch negativ auf die Lehrstellensuche aus. Gemäss Nahtstellenbarometer bleiben Lehrstellen oft unbesetzt, weil geeignete Bewerbungen fehlen. Unternehmen nennen mangelhafte schulische Leistungen, sprachliche Defizite sowie eine ungenügende Passung zwischen Berufsanforderungen und Kompetenzen der Bewerbenden (gfs.bern, 2025). Neben Lesen, Schreiben und Mathematik sind für Betriebe auch Motivation, Lernbereitschaft, Auftreten, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit beim Einstieg in eine berufliche Grundbildung entscheidend. Gemäss dem aktuell vorliegenden Nahtstellenbarometer erkennen viele Ausbildungsbetriebe insbesondere Defizite bei der Selbstständigkeit, Selbstorganisation, Konzentration und Motivation. Die unzureichenden Qualifikationen von Schulabgängerinnen und Schulabgängern werden denn auch als einer der Gründe für ein reduziertes Lehrstellenangebot genannt (gfs.bern, 2026).

[3] Die «Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben (TREE)» ist eine grosse Längsschnitt-Studie, die untersucht, wie junge Menschen nach der obligatorischen Schulzeit ihren Bildungs- und Berufsweg gestalten. Die erste Stichprobe (TREE1) verliess die obligatorische Schule im Jahr 2000 und wurde bis heute insgesamt elf Mal zu ihrem Werdegang befragt (Stalder et al., 2008).

[4] Die zweite Stichprobe (TREE2) hatte 2016 die obligatorische Schulzeit abgeschlossen und wird seither im Rahmen der TREE-Studie begleitet.

Wie Ausbildungsbetriebe die Grundkompetenzen beurteilen

Ob Jugendliche am Ende der obligatorischen Schulzeit über ausreichende Grundkompetenzen verfügen, zeigt sich spätestens beim Übergang in die berufliche Grundbildung. Diese Grundlagen sind auch im Berufsalltag unmittelbar relevant: Arbeitsaufträge müssen verstanden, Informationen verarbeitet, Texte verfasst und Berechnungen korrekt ausgeführt werden. Um die Sicht der Ausbildungsbetriebe auf allfällige Kompetenzlücken und deren Folgen im Berufsalltag systematisch zu erfassen, haben economiesuisse, der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) und der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) im Sommer 2026 eine schweizweite Unternehmensbefragung durchgeführt. Insgesamt gingen 2’929 Antworten von Unternehmen bzw. Ausbildungsverantwortlichen ein. Die detaillierten Ergebnisse sind in einer separaten Auswertung aufgeführt (vgl. Link Auswertung).

Die Befragung der Ausbildungsbetriebe ergänzt bestehende Bildungsdaten um eine entscheidende Perspektive: jene der Unternehmen, die junge Menschen ausbilden und täglich im Betriebsalltag erleben, welche Auswirkungen fehlende Grundkompetenzen haben.

Betriebe erkennen deutliche Lücken bei den Grundkompetenzen

Die Rückmeldungen der Unternehmen zeigen ein klares Bild: Von den drei Grundkompetenzen wird Lesen noch am besten beurteilt, während Schreiben und Mathematik deutlich kritischer eingeschätzt werden. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass die Anforderungen im Lesen vollständig oder eher gut erfüllt werden (vgl. Abbildung 2). Besonders das Verstehen schriftlicher Arbeitsaufträge und Anleitungen gelingt aus Sicht der Unternehmen vergleichsweise gut. Schwierigkeiten zeigen sich hingegen bei längeren, zusammenhängenden Texten und beim Herausfiltern relevanter Informationen.

Noch grösser ist der Handlungsbedarf beim Schreiben. 59 Prozent der Unternehmen beurteilen die Schreibkompetenzen als eher ungenügend oder nicht erfüllt (vgl. Abbildung 2). Am kritischsten fällt die Einschätzung bei Rechtschreibung und Grammatik aus: Mehr als zwei Drittel der Befragten sehen hier Defizite. Auch beim Strukturieren von Texten, beim sprachlichen Verknüpfen von Inhalten und beim adressatengerechten Formulieren überwiegen die negativen Bewertungen. Einzig beim schriftlichen Festhalten zentraler Inhalte in eigenen Worten ist das Bild nahezu ausgeglichen.

Auch in Mathematik sehen die Unternehmen deutlichen Verbesserungsbedarf. Insgesamt überwiegen die kritischen Einschätzungen leicht gegenüber den positiven Bewertungen (vgl. Abbildung 2). Besonders häufig genannt werden Defizite beim Plausibilisieren von Resultaten sowie beim Umgang mit Grössen und Einheiten. Etwas besser schneidet die Beurteilung bei den Grundrechenarten, wie beispielsweise Rückgeld berechnen und einfache Mengenangaben im Kopf überprüfen, ab. Dennoch wird deutlich: Die mathematischen Grundlagen sind bei vielen Lernenden nicht in dem Mass vorhanden, das die Unternehmen beim Eintritt in die berufliche Grundbildung erwarten.[5]

Die Ergebnisse erweisen sich über die Sprachregionen hinweg als robust. Zwischen der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin zeigen sich insgesamt nur geringe Unterschiede in der Beurteilung der Kompetenzen.

[5] Der hohe Anteil der Antwortkategorie «nicht beurteilbar», dürfte damit zusammenhängen, dass insbesondere die geometrischen und räumlichen Anforderungen nicht in allen Berufsfeldern in gleicher Weise relevant sind und daher nicht von allen Ausbildungsbetrieben beurteilt werden konnte.

Negative Entwicklung zeichnet sich bereits seit Jahren ab

Die Unternehmen sehen nicht nur aktuelle Defizite bei den Grundkompetenzen, sondern nehmen seit Jahren eine deutliche Verschlechterung wahr. In allen drei Bereichen (Lesen, Schreiben und Mathematik) überwiegen die negativen Einschätzungen klar. Verbesserungen werden nur vereinzelt beobachtet, am ehesten noch beim Lesen (vgl. Abbildung 3). Am stärksten zeigt sich die Entwicklung beim Schreiben: Rund drei Viertel der Unternehmen geben an, dass sich die Schreibkompetenzen ihrer Lernenden verschlechtert haben. Jedes dritte Unternehmen spricht sogar von einer starken Verschlechterung. Auch beim Lesen und in der Mathematik stellt eine Mehrheit der Betriebe einen Rückgang fest.

Rund die Hälfte der Unternehmen beobachtet diese bereits seit etwa fünf Jahren, ein weiteres Viertel sogar seit rund zehn Jahren. Nur weniger als jedes fünfte Unternehmen sieht die Entwicklung erst seit zwei bis drei Jahren. Aus Sicht der Betriebe handelt es sich damit nicht um eine vorübergehende Erscheinung, sondern um einen längerfristigen Abwärtstrend bei den Grundkompetenzen.

Fehlende Grundkompetenzen belasten die Ausbildungsbetriebe

Fehlende Grundkompetenzen werden im Betriebsalltag unmittelbar spürbar. Am häufigsten berichten Unternehmen von einem höheren Betreuungs- und Coachingaufwand. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung geeigneter Lernender mit ausreichenden Grundkompetenzen, geringere Selbstständigkeit sowie mehr Fehler im Arbeitsalltag. Damit wirken sich ungenügende Grundkompetenzen direkt auf die Ausbildungspraxis aus (vgl. Abbildung 4).

Die meisten Unternehmen reagieren aktiv auf diese Entwicklung. Zwei Drittel setzen auf interne Massnahmen wie engere Begleitung, zusätzliche Coaching- und Unterstützungsangebote, betriebsinterne Nachhilfe oder Schulungen. Rund zwei Fünftel nutzen externe Angebote, etwa Stütz- und Förderkurse, Nachhilfeunterricht oder Lerncoachings der Berufsfachschulen. Knapp ein Viertel hat bislang keine spezifischen Massnahmen ergriffen. Insgesamt zeigt sich: Rund drei Viertel der Unternehmen unterstützen Lernende mit zusätzlichen Massnahmen (intern und / oder extern).

Der zusätzliche Aufwand aufgrund der Abnahme der Grundkompetenzen ist erheblich: Die grosse Mehrheit der Betriebe berichtet von einem regelmässigen Betreuungs- und Unterstützungsaufwand von bis zu drei Stunden pro Woche und Lernende bzw. Lernenden mit ungenügenden Grundkompetenzen (vgl. Abbildung 5).

Auch finanziell ist die Entwicklung spürbar: Rund zwei Fünftel der Unternehmen geben an, dass durch die ergriffenen Massnahmen zusätzliche direkte Kosten entstehen. Am häufigsten werden Zusatzkosten von bis zu CHF 2’000 pro Jahr und pro lernende Person genannt. Ein kleinerer Teil der Unternehmen berichtet von noch höheren Kosten, während knapp ein Fünftel keine direkten zusätzlichen Kosten verzeichnet (vgl. Abbildung 6).[6]

[6] Der hohe Anteil der Antwortkategorie «nicht beurteilbar» deutet darauf hin, dass viele Unternehmen bzw. deren Ausbildner die finanziellen Auswirkungen der ergriffenen Massnahmen nicht oder nur schwer quantifizieren können.

Die Ergebnisse zeigen damit: Die Betriebe übernehmen Verantwortung und investieren zusätzliche Zeit, Personalressourcen und auch finanzielle Mittel, um Lernende mit ungenügenden Grundkompetenzen zu unterstützen.

Auswirkungen auf die Ausbildungsbereitschaft und Selektion der Lernenden

Die Mehrheit der Unternehmen bildet trotz sinkender Grundkompetenzen und damit verbundenen gestiegenen Aufwendungen weiterhin Lernende aus und bekennt sich damit ausdrücklich zur Berufsbildung. Gleichzeitig gibt jedes fünfte Unternehmen an, aufgrund dieser Entwicklung weniger Lernende rekrutieren oder künftig weniger rekrutieren zu wollen (vgl. Abbildung 7). Es handelt sich dabei aber meist nicht um einen vollständigen Rückzug aus der Berufsbildung. Häufiger berichten die Betriebe von strengeren Selektionsverfahren, höheren Anforderungen und einer grösseren Bereitschaft, Lehrstellen unbesetzt zu lassen, wenn die Grundkompetenzen nicht ausreichen.

Diese Einschätzung deckt sich mit Ergebnissen des Lehrstellenbarometers, wonach Unternehmen die mangelnde Qualifikation von Schulabgängerinnen und Schulabgängern als einen Grund für ein reduziertes Lehrstellenangebot nennen (gfs.bern, 2026).

Es zeigen sich deutliche Unterschiede nach Unternehmensgrösse: Während rund 30 Prozent der kleinsten Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden angeben, aufgrund dieser Entwicklung weniger Lernende zu rekrutieren oder rekrutieren zu wollen, liegt dieser Anteil bei den grössten Unternehmen mit mehr als 2’499 Mitarbeitenden bei lediglich 13 Prozent. Ein möglicher Grund dafür ist, dass grössere Unternehmen aus einem grösseren Pool an Bewerberinnen und Bewerbern auswählen können, und aufgrund ihres hohen Fachkräftebedarfs auch bei anspruchsvolleren Rekrutierungsbedingungen an der Ausbildung festhalten und zusätzliche Begleitmassnahmen umsetzen. Die Bewerbungslage unterscheidet sich aber auch bei den Grossbetrieben je nach Grundbildung, Region oder Branche. Bleiben Lehrstellen mangels geeigneter Bewerbungen unbesetzt, werden diese in grösseren Betrieben im Folgejahr teilweise vermutlich eher erneut ausgeschrieben statt dauerhaft abgebaut.

Auch bei den fächerübergreifenden Kompetenzen besteht Handlungsbedarf

Neben den klassischen Grundkompetenzen haben die Unternehmen auch fächerübergreifende Kompetenzen[7] beurteilt. Dazu zählen personale Kompetenzen wie Selbstorganisation, Eigenmotivation und Durchhaltewille, soziale Kompetenzen wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, methodische Kompetenzen wie kritisches Denken und Problemlösungsfähigkeit sowie digitale Kompetenzen im Umgang mit digitalen Werkzeugen und KI-Anwendungen. Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Am positivsten werden die digitalen Kompetenzen beurteilt. Rund drei Viertel der Unternehmen erachten diese als vollständig oder eher gut erfüllt. Auch die sozialen Kompetenzen werden mehrheitlich positiv eingeschätzt. Kritischer fällt die Beurteilung der personalen und insbesondere der methodischen Kompetenzen aus. Viele Unternehmen sehen bei diesen Kompetenzen deutlichen Verbesserungsbedarf (vgl. Abbildung 8).

[7] Die im Fragebogen erhobenen fächerübergreifenden Kompetenzen orientieren sich am Lehrplan 21, da die beim Übergang in die Berufsbildung vorausgesetzten Grundkompetenzen darauf aufbauen. In der Berufsbildung werden Handlungskompetenzen den vier Säulen des Kompetenzmodells zugeordnet: Fachkompetenz (das sachbezogene Wissen und Können für den konkreten Beruf), Methodenkompetenz (die Fähigkeit, Probleme strukturiert zu lösen und Arbeitsschritte zu planen), Sozialkompetenz (der teamfähige, respektvolle und kommunikative Umgang mit anderen Menschen) sowie Selbstkompetenz (die persönliche Haltung, Eigenständigkeit und Reflexion des eigenen Handelns).

Auch bei den fächerübergreifenden Kompetenzen zeigt sich je nach Bereich ein unterschiedliches Bild. Während knapp zwei Drittel der Unternehmen bei den digitalen Kompetenzen Fortschritte beobachten, werden personale, soziale und methodische Kompetenzen häufiger als rückläufig beurteilt. Besonders deutlich fällt diese Einschätzung bei den methodischen und personalen Kompetenzen aus (vgl. Abbildung 9). Wie bei den Grundkompetenzen handelt es sich aus Sicht der Unternehmen nicht um eine kurzfristige Entwicklung: Rund die Hälfte beobachtet die Veränderungen seit etwa fünf Jahren, ein weiteres Viertel sogar seit rund zehn Jahren. Weniger als jedes fünfte Unternehmen nimmt den Rückgang erst seit zwei bis drei Jahren wahr.

Die Herausforderungen betreffen damit zunehmend auch die fächerübergreifenden Kompetenzen, die für den Erfolg in der Berufsbildung entscheidend sind. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) sind fachspezifische Kompetenzen (aufbauend auf den Grundkompetenzen) sowie die überfachlichen Kompetenzen enorm wichtig. Die Rückmeldungen der Unternehmen zeigen, dass KI zwar genutzt wird, ihr Einsatz jedoch grundlegende Fähigkeiten voraussetzt. Ein Ausbildner bringt dies prägnant auf den Punkt: «KI hat die Welt komplett verändert. Es wird sehr viel mit KI gemacht, ohne zu verstehen, um was es geht.» Wer KI verantwortungsvoll einsetzen will, muss Informationen fachlich korrekt einordnen, Ergebnisse kritisch hinterfragen, Quellen beurteilen und die Grenzen der Technologie erkennen können. Es sind somit insbesondere kritisches und analytisches Denken sowie Problemlösungsfähigkeit, die künftig noch stärker in Kombination mit dem Fachwissen an Bedeutung gewinnen.

Klare Signale aus den Ausbildungsbetrieben

Die Befragung zeigt ein klares Bild: Viele Unternehmen stellen bei den Grundkompetenzen ihrer Lernenden Defizite fest und nehmen seit fünf bis zehn Jahren eine Verschlechterung wahr. Besonders kritisch beurteilt werden die Schreibkompetenzen sowie zentrale mathematische Fähigkeiten. Gleichzeitig zeigen sich zunehmend Herausforderungen bei wichtigen fächerübergreifenden Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstorganisation oder kritischem Denken. Die Auswirkungen zeigen sich nicht nur in der Schule, sondern auch bei der Rekrutierung und im Betriebsalltag. Fehlende Kompetenzen erschweren die Suche nach geeigneten Lernenden, führen zu mehr Betreuungsaufwand und zu höheren Ausbildungskosten. Es gilt zu beachten, dass die Befragung nur die Kompetenzen jener Jugendlichen erfasst, die tatsächlich eine Lehrstelle erhalten haben. Jugendliche mit grösseren Kompetenzlücken werden möglicherweise gar nicht erst eingestellt. Die tatsächlichen Defizite bei allen Schulabgängerinnen und Schulabgängern könnten deshalb noch grösser sein.

Trotz dieser Herausforderungen halten die Unternehmen mehrheitlich an ihrer Ausbildungsbereitschaft fest und investieren erhebliche Ressourcen, um ihre Lernenden bei ihrem ersten Ausbildungsweg zu unterstützen. Dennoch gilt es, die Ausbildungsbereitschaft im Auge zu behalten. Die zusätzlichen Kosten führen bei einem Fünftel der befragten Unternehmen dazu, dass sie ihr Lehrangebot künftig reduzieren werden oder bereits reduziert haben.

Die Ergebnisse verdeutlichen damit die Bedeutung solider Grund- und fächerübergreifender Kompetenzen für einen erfolgreichen Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung und den Arbeitsmarkt sowie für die Sicherstellung der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe.

Wer Grundkompetenzen fördert, stärkt die duale Berufsbildung

Grundkompetenzen entscheiden über den erfolgreichen Übergang in die Berufsbildung, den Erwerb eines formalen Abschlusses auf Sekundarstufe II und damit über den nahtlosen Übertritt in den Arbeitsmarkt. Fehlen ausreichende Fähigkeiten in Lesen, Schreiben und Mathematik, wird die Lehrstellensuche schwieriger, der Betreuungsaufwand im Betrieb höher und die Ausbildung teurer. Die Betriebe übernehmen bereits heute Verantwortung und unterstützen Lernende mit zusätzlichen Ressourcen. Dauerhaft können sie aber nicht ausgleichen, was am Ende der obligatorischen Schule fehlt.

Aus Sicht der Wirtschaft sind deshalb die folgenden Handlungsfelder zentral:

Grundkompetenzen als Bildungs-, Wirtschafts- und Standortfaktor verstehen

Solide Grundkompetenzen sind nicht nur für die Jugendlichen selbst entscheidend, sondern auch eine zentrale Voraussetzung für eine Stärkung der dualen Berufsbildung, die Fachkräftesicherung und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz. Unternehmen sind auf Schulabgängerinnen und Schulabgänger angewiesen, die anschlussfähig für eine berufliche Ausbildung sind. Je besser es gelingt, diese Grundlagen während der obligatorischen Schulzeit zu sichern, desto erfolgreicher gelingt der Übergang in die Berufsbildung, desto höher bleiben die Chancen auf einen formalen Abschluss und dem Erreichen des 95-Prozent-Ziels und desto besser können sich junge Menschen langfristig im Arbeitsmarkt behaupten. Umgekehrt steigen Aufwand, Kosten und Risiken für Lernende, Betriebe und das gesamte Bildungssystem, wenn Defizite erst später aufgefangen werden müssen.

Ursachen erforschen & Monitoring verbindlich nutzen

Bis heute ist nur unzureichend bekannt, welche Faktoren zum beobachteten Kompetenzrückgang beitragen. Ohne belastbare Erkenntnisse zu den Ursachen besteht die Gefahr, dass Massnahmen nicht dort ansetzen, wo sie die grösste Wirkung entfalten. Deshalb braucht es eine gezielte Ursachenforschung. Eine wichtige Grundlage dafür sind verlässliche Daten über die Leistungen des Bildungssystems. Die Wirtschaft begrüsst deshalb den Ausbau des Bildungsmonitorings ab 2028. Monitoring darf jedoch kein Selbstzweck sein. Die Ergebnisse müssen transparent ausgewiesen, offen diskutiert und für konkrete Verbesserungen genutzt werden. Wer Grundkompetenzen stärken will, muss wissen, wo Defizite bestehen, welche Gruppen besonders betroffen sind und wie sich die Leistungen entwickeln. Nur so können bildungspolitische Entscheide evidenzbasiert getroffen und Ressourcen wirksam eingesetzt werden.

Kompetenzen gezielt stärken

In der Volksschule muss Lesen, Schreiben und Mathematik wieder konsequent ins Zentrum gestellt werden. Besonders wichtig sind das Verstehen längerer Texte, korrekte Rechtschreibung und Grammatik, ein sicherer Umgang mit Grössen und Einheiten sowie das Überschlagen und Plausibilisieren von Resultaten. Diese Grundlagen sind entscheidend, um die Jugendlichen selbst sowie die gesamte duale Berufsbildung zu stärken. Fehlen sie, müssen Betriebe schulische Defizite kompensieren, statt berufliche Handlungskompetenzen aufzubauen. Entscheidend ist deshalb, Kompetenzlücken früh zu erkennen und gezielt zu schliessen. Aus Sicht der Wirtschaft ist es deutlich wirksamer Grundlagen rechtzeitig vor und während der obligatorischen Schulzeit zu fördern, als Defizite erst nach dem Übergang in die Berufsbildung aufzufangen. Ausserdem braucht es eine gezielte Stärkung zentraler fächerübergreifender Kompetenzen. Unternehmen sehen vor allem bei Selbstständigkeit, Eigenmotivation, Durchhaltewillen sowie kritischem und analytischem Denken Verbesserungsbedarf. Diese Fähigkeiten gewinnen in einer digitalisierten Arbeitswelt weiter an Bedeutung. Gerade im Umgang mit KI reicht reine Anwendung nicht aus: Junge Menschen müssen Informationen einordnen, Ergebnisse prüfen und Grenzen technologischer Anwendungen erkennen können. Solide fachliche Grundlagen und ein ausreichendes Verständnis der jeweiligen Inhalte bleiben dabei eine wichtige Voraussetzung.

Ausbildungsbereitschaft sichern

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe bleibt hoch, ist aber nicht selbstverständlich und reagiert auf Kostentreiber wie zusätzliche Massnahmen zur Förderung von mangelnden Grundkompetenzen während der Ausbildung. Damit Unternehmen auch künftig genügend Lehrstellen anbieten und Jugendliche erfolgreich zu anerkannten Abschlüssen führen können, müssen Grundkompetenzen frühzeitig, gezielt und wirksam gestärkt werden. Dies ist eine gemeinsame Aufgabe von Schulen, Kantonen, Wirtschaft und Politik – und eine zentrale Voraussetzung für eine starke Berufsbildung und einen wettbewerbsfähigen Standort Schweiz.

Quellen