Bildung Berufliche Grundbildung

Regulierungen untergraben das Berufs- und Branchenprinzip

Als Sommerserie publiziert der Schweizerische Arbeitgeberverband einzelne Beiträge des kürzlich publizierten Jahresberichts in leicht gekürzter oder aktualisierter Form.

Die duale Berufsbildung ist ein tragender Pfeiler des Schweizer Arbeitsmarkts. Ihr Erfolg beruht auch auf dem Berufs- und Branchenprinzip. Zunehmend gerät dieses Modell jedoch unter Druck durch pauschale politische Forderungen, die der Vielfalt der Berufe und Ausbildungsrealitäten nicht gerecht werden.

Die Berufsbildung in ihrer heutigen, institutionellen Form ist ein Schweizer Erfolgsmodell mit einer rund 150-jährigen Tradition. Sie verbindet schulische Grundlagen mit betrieblicher Praxis, fördert soziale Mobilität und ist massgeblicher Faktor für die hierzulande sehr tiefe Jugendarbeitslosigkeit. Rund zwei Drittel der Jugendlichen wählen diesen Weg, der ihnen früh Kontakte zur Wirtschaft, praktische Erfahrungen und Anschlussmöglichkeiten bietet. Trotz dieser Stärken steht das System unter politischem und gesellschaftlichem Druck. Dabei werden vermehrt pauschale Ansprüche erhoben, etwa zu Ferienregelungen, Zweitsprachen oder Weiterbildungsobligatorien, die der Vielfalt der Berufe und den konkreten Ausbildungsrealitäten nicht gerecht werden und sich vom Berufs- und Branchenprinzip entfernen.

Attraktivität lässt sich nicht über pauschale Regulierungen steuern

Politische Vorstösse, wie die im September 2025 eingereichte Motion 25.4163 zur Erhöhung des gesetzlichen Ferienanspruchs auf sechs Wochen pro Lehrjahr oder die zuvor vom Gewerkschaftsbund lancierte Petition für acht Wochen Ferien, verdeutlichen die Gefahr von Scheinlösungen, die mehr Probleme schaffen, als dass sie lösen. Solche Begehren mögen auf den ersten Blick verlockend klingen, sind aber realitätsfremd und gefährden das Erfolgsmodell der dualen Berufsbildung.

Es wird unterstellt, dass mehr Ferien automatisch die psychische Gesundheit verbessern. Studien und Rückmeldungen aus der Praxis belegen aber, dass Lernende insbesondere von der kontinuierlichen Präsenz im Betrieb profitieren und mit den aktuellen Ferienregelungen zufrieden sind. Die WorkMed-Studie zur psychischen Gesundheit von Lernenden verdeutlichte einmal mehr, dass psychische Probleme mehrheitlich vor dem Eintritt in die Lehre beginnen. Es zeigt sich auch, dass 80 Prozent der Lernenden die Berufsausbildung als stabilisierend erleben, stolz auf ihren Beruf sind und während der Lehre eine psychische Stärkung erleben: Sie empfinden sich verantwortungsbewusster, ehrgeiziger und kompetenter. Pauschale Forderungen greifen zu kurz, ignorieren branchenspezifische und individuelle Realitäten und können die Ausbildungsqualität beeinträchtigen.

Vertragsfreiheit und branchenspezifische Lösungen funktionieren

Das bestehende System bietet bereits heute genügend Flexibilität. Branchen oder einzelne Betriebe können – und tun dies vielfach – mit ihrer Ferienregelung über das gesetzliche Minimum hinausgehen. Die Arbeitgeber setzen bewusst auf die bewährte Vertragsfreiheit und branchenspezifische Lösungen. Diese ermöglichen eine attraktive, praxisnahe und individuelle Ausbildung, ohne alle Betriebe pauschal zu belasten.

Politisch motivierte Forderungen gehen zulasten der Lernenden

Die Forderung nach generellen Ferienerhöhungen ist in erster Linie politisch motiviert und Teil einer gewerkschaftlichen Profilierung, die zentrale Fakten der Berufsbildung ausblendet. Damit wird bewusst in Kauf genommen, dass gerade jene Jugendliche, die im betrieblichen Umfeld Stabilität, Motivation und Entwicklung erfahren, unter Druck geraten. Zudem werden einzelne Lernende zusätzlich unter Druck gesetzt, wenn sie die nötigen Kompetenzen in weniger Zeit erwerben sollen.

Statt pauschaler politischer Vorstösse braucht es eine konstruktive, sachlich geführte Diskussion über die Weiterentwicklung der Berufsbildung und keine ideologisch getriebenen und fehlgeleiteten Forderungen, die dem System und den Lernenden mehr schaden als nützen.

Spitzentreffen 2025: Die Berufsbildung ist kein Selbstläufer

Am Spitzentreffen der Berufsbildung im November 2025 diskutierten Bund, Kantone und Sozialpartner unter der Leitung von Bundesrat Guy Parmelin Massnahmen zur Stärkung der Berufsbildung. Die duale Berufsbildung ist weder Selbstzweck noch ein Selbstläufer, sondern muss Arbeitsmarktfähigkeit bringen. Die Arbeitgeber bekräftigten ihr klares Bekenntnis zur Verbundpartnerschaft und unterstrichen die Bedeutung des Berufs- und Branchenprinzips als tragende Säule der dualen Berufsbildung. Nur eine evidenzbasierte, partnerschaftliche und branchenspezifische Weiterentwicklung sichert langfristig Qualität und Attraktivität der Berufsbildung.