Bildung Berufliche Grundbildung

Die Ausbildung von Lernenden ist nach wie vor eine lohnende Investition

Die neueste Kosten-Nutzen-Erhebung der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB) bestätigt, dass sich die berufliche Grundbildung für die Lehrbetriebe rechnet. Mit einem durchschnittlichen Nettonutzen von gut 4'500 Franken pro Lehrjahr bleibt die Lehre ein zentraler Pfeiler der Arbeitskräftesicherung. Der Schweizerische Arbeitgeberverband wertet die Resultate als wichtiges Signal zugunsten des betrieblichen Berufsbildungssystems als Ganzes sowie der Unternehmen, die in erheblichem Mass in die Ausbildung der Fachkräfte der Zukunft investieren.

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat die Ergebnisse der fünften Kosten-Nutzen-Erhebung der beruflichen Grundbildung aus Sicht der Betriebe präsentiert. Die Erhebung liefert zentrale Erkenntnisse zum Verhältnis von Kosten und Nutzen der Ausbildung von Lernenden in Betrieben. Die Daten werden seit dem Jahr 2000 regelmässig erhoben, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der dualen Berufsbildung zu beurteilen.

Nettonutzen der Lehre bestätigt sich

Im Schnitt über alle Lehrberufe betrug der durchschnittliche Nettonutzen im Ausbildungsjahr 2022/23 gut 4’500 Franken pro Lehrjahr und Lehrverhältnis. Eine Mehrheit der Lehrverhältnisse (rund 71 Prozent) erzielen demnach einen Nettonutzen für den Lehrbetrieb. Der Nettonutzen ergibt sich aus dem Wert der produktiven Arbeiten der Lernenden in der Ausbildungszeit abzüglich aller Ausbildungskosten. Betriebe beurteilen das Verhältnis von Kosten und Nutzen entsprechend positiv: 80 Prozent zeigen sich mit der Ausbildung eigener Lernender eher oder sehr zufrieden.

Die Resultate der zwei- und dreijährigen beruflichen Grundbildungen liegen weitgehend auf dem Niveau der letzten Erhebung 2016/17. Der durchschnittliche Nettonutzen beträgt 9’630 Franken für das Eidgenössische Berufsattest (EBA) und 13’940 Franken für das dreijährige Eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ). Bei den vierjährigen EFZ-Lehren liegt der Nettonutzen mit 17’510 Franken signifikant höher. Ein Teil des Anstiegs ist auf Lehrberufe zurückzuführen, deren Ausbildungszeit von drei auf vier Jahre verlängert wurde.

Ausbildungsqualität bleibt überwiegend gut

Die Resultate verdeutlichen zudem die hohe Passgenauigkeit der beruflichen Grundbildung. Betriebe schätzen im Durchschnitt 82 Prozent der im Bildungsplan definierten Ausbildungsinhalte als relevant für ihren eigenen Betrieb ein. Gleichzeitig vermitteln knapp ein Fünftel der Betriebe zusätzliche Qualifikationen, die über den Bildungsplan hinausgehen.

Bei der Ausbildungsqualität zeigt sich ein ähnliches Bild: Über drei Viertel der Lehrbetriebe bieten eine befriedigende bis sehr gute Qualität. Insgesamt bestätigt dies, dass die Mehrheit der Unternehmen ihre Verantwortung in der dualen Ausbildung engagiert wahrnimmt.

Die Erhebung zeigt auch, dass Lernende den Grossteil ihrer Zeit am Arbeitsplatz mit produktiven Fachkraft-Tätigkeiten verbringen. Das ist sehr positiv, denn so üben sie jene Tätigkeiten aus, die sie bis zum Lehrabschluss beherrschen sollten.

Die Berufsbildung sichert künftige Fachkräfte und schafft wirtschaftlichen Mehrwert

Die hochgerechneten Kosten-Nutzen-Werte für die ganze Schweiz zeigen deutlich die bildungspolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung der Ausbildung von Lernenden. Schweizer Betriebe mit mindestens zwei Mitarbeitenden investieren dafür insgesamt fast 5 Milliarden Franken pro Jahr und damit massgeblich in die Ausbildung künftiger Fachkräfte. Den Ausbildungskosten stehen noch etwas höhere produktive Leistungen der Lernenden gegenüber, die bereits in jungen Jahren rund 5,7 Milliarden Franken pro Jahr zur Wirtschaftsleistung der Schweiz beitragen.

Für den Schweizerischen Arbeitgeberverband zeigt dies klar: Die berufliche Grundbildung rechnet sich nicht nur wirtschaftlich, sie ist auch ein entscheidender Pfeiler zur Sicherung qualifizierter Arbeitskräfte sowie ein wichtiger Beitrag der Betriebe zur Zukunftsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft. Dem gilt es auch in Zukunft Sorge zu tragen, denn ein negatives Kosten-Nutzen-Verhältnis würde sich negativ auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe auswirken und damit verschlechternd auf den Erfolgsfaktor des Schweizerischen dualen Berufsbildungsmodells.