Altersvorsorge: Arbeitgeber legen weitere Berechnungen offen
In der Wintersession beugt sich erneut der Ständerat über die Reform der Altersvorsorge 2020. Im Fokus stehen verschiedene Modelle zur Kompensation für die Senkung des BVG-Mindestumwandlungssatzes. Mit Blick auf die Debatte im Ständerat haben die Arbeitgeber die Auswirkungen der jeweiligen Modelle berechnet.
| Barbara Zimmermann-Gerster
Pünktlich vor Beginn der Debatte im Ständerat um die Reform der Altersvorsorge 2020 präsentiert der Schweizerische Arbeitgeberverband ein Dokument mit Berechnungen zu den weiteren Kompensationsmodellen für die Senkung des Mindestumwandlungssatzes. Der Wirtschaftsdachverband analysiert darin die finanziellen Auswirkungen der einzelnen Modelle – wie jenes der Ständeratskommission (SGK-S) oder des Minderheitsantrags von Ständerat Kuprecht – auf verschiedene Einkommens- und Altersgruppen.
Die Berechnungen zeigen insbesondere, dass der Minderheitsantrag Kuprecht punkto Renteneinbussen eine deutlich bessere Wirkung erzielt als die Modelle des Ständerats und dessen Kommission, die einen AHV-Ausbau mit der Giesskanne um monatlich 70 Franken vorsehen und erst noch mit erheblich höheren Kosten verbunden sind. Demgegenüber belässt der Minderheitsantrag Kuprecht die Kompensation zu Recht innerhalb der zweiten Säule und verzichtet auf eine komplizierte und teure Durchmischung mit der ersten Säule.
Wie auch das SGK-S-Modell enthält der Minderheitsantrag von Ständerat Kuprecht jedoch eine zu komplexe Lösung in Bezug auf den Koordinationsabzug. Gleichzeitig führt dieser Ansatz nicht in hinreichender Weise zu der von breiten Kreisen gewünschten Besserstellung von Teilzeitarbeitenden und damit insbesondere von Frauen. Diesbezüglich ist der vom Nationalrat gewählte Ansatz überlegen.
Ihre Ansprechperson
Barbara Zimmermann-Gerster
Ressortleiterin Sozialpolitik und Sozialversicherungen
Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst den eingeschlagenen Weg bei der Reform der Hinterlassenenrenten. Gleichzeitig unterstützt er, dass die Auswirkungen der vom Nationalrat beschlossenen massiven Ausbauvorhaben insbesondere im Behindertengleichstellungsgesetz vertieft untersucht werden. Die neuen Verpflichtungen für Arbeitgeber drohen unverhältnismässige Kosten, Rechtsunsicherheit und Bürokratie zu verursachen, was Inklusion mehr hemmt als fördert. Hier erwarten die Arbeitgeber eine deutliche Korrektur.
Wenn über Arbeitgeberpolitik gesprochen wird, geht es oft um Rahmenbedingungen, Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit. Das ist wichtig. Aber ein funktionierender Arbeitsmarkt besteht nicht nur aus guten Rahmenbedingungen. Entscheidend ist, ob Menschen tatsächlich die Chance erhalten, ihre Fähigkeiten einzubringen.
Eine neue Studie des Bundesamts für Sozialversicherungen untersucht, wie die berufliche Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in den ersten Arbeitsmarkt verbessert werden kann. Sie zeigt: Arbeitgeber engagieren sich stark, benötigen aber eine konsequentere fachliche Unterstützung durch die IV. Entscheidend sind eine bessere Zusammenarbeit mit den behandelnden Fachpersonen sowie individuelle und betrieblich tragfähige Lösungen.
Der Nationalrat hat zwei Kommissionsinitiativen der SGK-N Folge gegeben, die den Sparbeginn in der beruflichen Vorsorge vorziehen, beziehungsweise die heutigen vier Gutschriftensätze auf zwei reduzieren wollen. Aus Sicht des Arbeitgeberverbands ist das Anliegen dahinter zwar nachvollziehbar, darf aber nicht gesondert angegangen werden, sondern muss in eine umfassende Betrachtung eingebettet werden. Werden Parameter in der beruflichen Vorsorge isoliert verändert, droht das System in Schieflage zu geraten, ohne dass ein klarer Mehrwert entsteht.