Roland A. Müller, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, beobachtet die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt aus unternehmerischem Blickwinkel. Im ZESO-Interview spricht er über Einstellungskriterien und Integrationschancen für inländische Arbeitskräfte.
Gemäss ersten Ergebnissen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2014 sind die Löhne in der Privatwirtschaft zwischen 2012 und 2014 um 1,2 Prozent gestiegen. Der Unterschied zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen hat sich seit 2008 weiter verringert. Diese positiven Entwicklungen zeigen, dass die Unternehmen trotz schwieriger Wirtschaftslage Produktivitätssteigerungen in Form von Lohnerhöhungen an ihre Mitarbeitenden weitergeben.
Die Bilanz der Lohnstrukturerhebung aus dem Jahr 2014 fällt positiv aus. Trotz starkem Franken und angespannter Wirtschaftslage konnte dank einer effizienten und anpassungsfähigen Wirtschaft eine Reallohnerhöhung realisiert werden. Es gilt allerdings nicht aus den Augen zu verlieren, dass die Nachwirkungen der Aufhebung des Mindestkurses und die damit verbundenen negativen Folgen sich in der aktuellen Erhebung erst marginal niedergeschlagen haben.
Temporär-Arbeit wird für ältere Arbeitnehmer immer attraktiver: Bereits mehr als 10 Prozent der Temporär-Arbeitenden sind über 50 Jahre alt. Ein Gesamtarbeitsvertrag mit guten Sozialleistungen und Weiterbildungssubventionen macht diese Arbeitsform nicht zuletzt für ältere Arbeitnehmer interessant.
Der Bundesrat will die Bewilligung für Kurzarbeit, die er nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses eingeführt hat, auf 18 Monate verlängern. Damit sollen Arbeitsplätze in der Schweiz gesichert werden. Roland A. Müller spricht gegenüber dem Regionalsender Tele Top von einem zwischenzeitlichen Instrument: «Kurzarbeit ist eine wichtige Massnahme speziell für jene Unternehmen, die in einem Zwischentief stecken und vorübergehend weniger Arbeit haben.»
Der Bundesrat will Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden vorschreiben, regelmässige Lohnanalysen durchzuführen und diese durch Dritte kontrollieren zu lassen. Diese staatliche Intervention ist weder legitimiert noch wirksam.