«Die Mitarbeitenden handeln eigenverantwortlich»

Flexibles Arbeiten ist heute in aller Munde. Die Schweizerischen Bundesbahnen haben zusammen mit weiteren Unternehmen die «Work-Smart»-Initiative ins Leben gerufen. Dazu gehört eine Charta, mit der sich Firmen zur Förderung von flexiblen Arbeitsmodellen bekennen. Markus Jordi, Leiter Human Resources der SBB, äussert sich zu den Gründen für dieses Engagement und zu den Erfahrungen im eigenen Unternehmen.

Herr Jordi, was bezweckt die SBB mit der Initiative «Work Smart»?
Die jüngst gegründete «Work Smart»-Initiative will Schweizer Unternehmen dabei unterstützen, flexible Arbeitsformen einzuführen und zu fördern. Flexibles Arbeiten ist im Trend. Viele Unternehmen wollen diese Chance ergreifen, doch oft fehlen ihnen wichtige Voraussetzungen dazu. Für die SBB sind mobile Arbeitsformen eine Chance, um die Nachfragespitzen in den Hauptverkehrszeiten zu entlasten. Wenn wir die Auslastung besser über den Tag verteilen können, sinkt der Bedarf nach grossen Investitionen in Schienen und Rollmaterial, folglich steigen die Preise für unsere Kunden weniger stark und verbessert sich unser Preis-/Leistungsverhältnis.

Welche Firmen sprechen Sie mit der Charta zur Förderung von flexiblen Arbeitsmodellen an? Ortsunabhängiges Arbeiten ist ja längst nicht für alle Tätigkeiten eine Option, man denke beispielsweise an die Baubranche.
Die Charta kann von jedem Arbeitgeber mit Mitarbeitenden in der Schweiz unterzeichnet werden, ebenso von Wirtschaftsverbänden oder Bildungsinstitutionen. Uns ist bewusst, dass es Berufsgruppen gibt, die ihren Arbeitstag nicht flexibel gestalten können und auf einen fixen Arbeitsplatz angewiesen sind. Dies trifft auf einen Grossteil unserer Mitarbeitenden und ihre Tätigkeiten zu. Es ist der SBB ein Anliegen, auch für jene Berufsgruppen die passenden Arbeitsformen anzubieten, zu gewährleisten und an ein modernes Arbeitsumfeld anzupassen.

Weshalb soll ein Unternehmen die Charta unterzeichnen?
Flexible Arbeitsformen sind für jedes Unternehmen eine Chance, um seine Prozesse zu flexibilisieren und sie besser auf die Kundenbedürfnisse sowie die Lebenswirklichkeit der Mitarbeitenden abzustimmen. Und sie sind in vielerlei Hinsicht ein Gewinn: Sie steigern die Motivation, die Zufriedenheit und die Produktivität der Mitarbeitenden, haben einen positiven Effekt auf die CO2-Emissionen und integrieren durch neue Arbeitsmodelle weitere Personengruppen in den Arbeitsmarkt. Dies wiederum erhöht das Rekrutierungspotenzial für die Unternehmen.

Unter anderem ist in der Charta von messbaren Zielen die Rede. Was hat sich die SBB als eine der erstunterzeichnenden Firmen zum Ziel gesetzt?
Zu den grössten Herausforderungen der SBB gehört die steigende Anzahl Pendlerinnen und Pendler während der Hauptverkehrszeiten. Als grösstes Transportunternehmen der Schweiz möchte die SBB einen wesentlichen Beitrag zu einer gleichmässigeren Verteilung der Pendlerströme über den Tag leisten. Dies ist nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein grosses Anliegen der SBB, sondern auch ein wichtiges Ziel auf dem Weg zu mehr Kundenfreundlichkeit.

Welche Massnahmen zur Förderung flexibler Arbeitsformen haben Sie bereits umgesetzt – und wie sehen die bisherigen Erfahrungen aus?
Wo möglich unterstützt die SBB flexible Arbeitszeiten sowie «work anywhere» – die Möglichkeit, von zu Hause aus oder von unterwegs zu arbeiten. Zudem haben wir sogenannte Ad-hoc-Arbeitsplätze eingerichtet. Das sind offene Arbeitsplätze an verschiedenen Standorten, die von allen Mitarbeitenden, die mobil arbeiten, genutzt werden können. Und in den neuen Gebäuden wie WestLink in Altstetten oder am Hauptsitz in Bern Wankdorf fördern wir flexible Arbeitsformen. Bis Ende 2015 werden wir ausserdem alle Berufsgruppen mit mobilen Arbeitsgeräten (Smartphone oder Mini-Tablet) ausrüsten. Bis jetzt machen wir gute Erfahrungen und unsere Mitarbeitenden handeln erfreulicherweise sehr eigenverantwortlich im Umgang mit flexiblen Arbeitsformen.