Zum sechsten Mal wurden Arbeitgeber aus der gesamten Schweiz zur IV und deren Instrumente zur Wiedereingliederung befragt. Die Ergebnisse sind in der Studie «Arbeitgeberbefragung zur Wahrnehmung der IV und ihrer Instrumente» zusammengefasst und zeichnen ein insgesamt positives Bild: Die IV wird von den Arbeitgebern mehrheitlich als Unterstützerin, bzw. kompetente Anlaufstelle für Fragen rund um beeinträchtigte Mitarbeitende wahrgenommen. Allerdings hat sich der Wissensstand der Arbeitgeber zu den Leistungen der IV seit 2014 über die Jahre eher verschlechtert. Auch der Anteil jener Unternehmen, die in der IV eine komplizierte Institution sehen, ist leicht angestiegen. Hier sind die IV und die Arbeitgeber gefordert, ihre Kommunikation zu verbessern, um untereinander einen reibungslosen Austausch sicherzustellen.
Gründe für Erhalt des Arbeitsplatzes übersteigen Risiken
Rund die Hälfte der befragten Unternehmen können es sich grundsätzlich vorstellen, eine gesundheitlich beeinträchtigte Person mit Hilfe von entsprechenden IV-Massnahmen neu einzustellen. Noch grösser (70 Prozent) ist der Anteil jener Unternehmen, die bestehende Mitarbeitende bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen und mit Unterstützung der IV im Unternehmen behalten würden. Gründe für den Erhalt des Arbeitsplatzes sehen die Unternehmen in erster Linie in den Fachkompetenzen der betroffenen Person, aber auch in der sozialen Verantwortung und der persönlichen Beziehung zu den entsprechenden Mitarbeitenden. 80 Prozent der Unternehmen betrachten es als ihre Verantwortung, erkrankte oder verunfallte Mitarbeitende bei der Suche nach einer Lösung für den Arbeitsplatzerhalt zu unterstützen. Das finanzielle Risiko für eine (Weiter)Beschäftigung wurde von 69 Prozent als hoch angegeben. Auch Anpassungsbedarf an den Arbeitsplätzen, Arbeitsorganisation oder Arbeitszeit erachten Arbeitgeber als Risiko.
Absenzen stellen Unternehmen vor Herausforderungen
Die Befragung zeigt auch, wie herausfordernd Absenzen von Mitarbeitenden für Unternehmen mit Blick auf Arbeitsorganisation, Arbeitsklima und Finanzen sind. Punktuelle Langzeitabsenzen ab 30 Tagen werden dabei als die grösste Herausforderung betrachtet. Auch bei punktuellen Kurzabsenzen und regelmässig wiederkehrenden Kurzabsenzen ist die Herausforderung gross, besonders für Mikro- und Kleinunternehmen, die oftmals weniger Ressourcen haben, um einen solchen Ausfall abzufedern.
Unternehmen bieten Hand für Eingliederungen
Rund ein Viertel der befragten Unternehmen hat in den letzten drei Jahren Erfahrungen mit der Weiterbeschäftigung von Mitarbeitenden mit Einschränkungen gemacht. Dieser Anteil ist seit der letzten Befragung 2021 leicht angestiegen. Ebenfalls angestiegen ist der Anteil jener Unternehmen, die in den letzten drei Jahren eine beeinträchtigte Person oder einen IV-Rentenbezüger neu im Unternehmen eingestellt haben. Dies zeigt, dass die Bereitschaft der Unternehmen vorhanden ist.
Nur wenige Unternehmen nutzen Unterstützung
Nur ein Viertel aller befragten Unternehmen ziehen bei Wiedereingliederungen externe Unterstützung bei. Externe Unterstützung kann dabei nicht nur von den IV-Stellen kommen: Mit dem Verein Compasso setzt sich auch der Arbeitgeberverband dafür ein, dass Unternehmen Beratung und Informationen rund um die (Wieder)Eingliederung von verletzten oder verunfallten Personen erhalten. Denn: Gut und umfassend informierte Betriebe können ihre Schlüsselrolle bei der Eingliederung von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen besser wahrnehmen. Deshalb muss der Wissensstand weiter ausgebaut und gestärkt werden. Ein vielversprechender Ansatz ist dabei das Online-Instrument «reWork-Profil», das aus einer Zusammenarbeit zwischen dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) entstanden ist. Das «reWork Profil» ist ein kostenloses, modular aufgebautes Online-Tool, das Arbeitgebenden sowie Mitarbeitenden als Web- und Mobile-Applikation zur Verfügung gestellt wird. «reWork Profil» ermöglicht einen schrittweisen Wiedereinstieg nach einer krankheits- bzw. unfallbedingten Absenz. Dabei wird spezifisch berücksichtigt, welche Arbeiten und in welchem Pensum eine Person noch oder wieder ausführen kann. Zusätzlich ist das Tool auf die spezifischen Anforderungsprofile der jeweiligen Berufsgruppen angepasst. Diese frühzeitige und schonende Rückkehrunterstützung der Mitarbeitenden soll das Risiko für eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit mit Folgekosten stark reduzieren. Das «reWork-Profil» wird nun für verschiedene Branchen nach und nach ausgebaut.