Der zweite SAV-Barometer macht die rasante Erholung der Schweizer Wirtschaft und des Arbeitsmarkts seit den schrittweisen Lockerungen im Frühling deutlich. Anzeichen eines längerfristigen Strukturwandels sowie Fachkräftemangel in gewissen Branchen dürfen jedoch nicht ausser Acht gelassen werden. Neben der Krisenbewältigung muss der Bundesrat nun auch die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz stärken.
Der traditionelle Jahresanlass des Schweizerischen Arbeitgeberverbands stand im Zeichen der Corona-Krise. In Anwesenheit von Bundesrätin Karin Keller-Sutter beschrieb Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt die zahlreichen anstehenden Aufräumarbeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wegen der Krise dürfen Reformen nicht weiter verschleppt werden. Um voranzukommen, braucht es gemäss der Bundesrätin vor allem Vertrauen durch handfeste Resultate.
Der Bundesrat hebt die Einschränkungen zur Bekämpfung des Corona-Virus stärker als angekündigt auf. Ein Teil der Normalisierung besteht in der Rückkehr zu einer Homeoffice-Empfehlung. Dieser Entscheid ist für die Arbeitgeber überfällig.
Um den Schaden aus den gescheiterten Verhandlungen zu einem Rahmenabkommen mit der EU abzuwenden, muss die Schweiz ihre Europapolitik auf die Sicherung der bilateralen Verträge ausrichten. Daneben ist der Zugang zu Märkten ausserhalb der EU zu verbessern und innerhalb der Schweiz ein Revitalisierungsprogramm zu starten. Die Arbeitgeber werden sich überall aktiv einbringen.
Der Bundesrat beschliesst im Einklang mit seinem Öffnungsplan weitere Lockerungen für die Wirtschaft. Die Homeoffice-Pflicht hebt er allerdings nicht generell auf, sondern knüpft die Lockerung an regelmässige Tests in den Unternehmen. Diese Massnahme schafft nach Ansicht der Arbeitgeber zahlreichen Ungleichheiten und führt zu Engpässen bei den Testkapazitäten.
Die Schweizer Wirtschaft begrüsst die geplanten Gespräche zum Rahmenabkommen auf höchster politischer Ebene. Die Wirtschaftsdachverbände economiesuisse und Schweizerischer Arbeitgeberverband fordern vom Bundesrat, dass er die noch offenen Punkte mit der EU-Spitze rasch klärt. Es ist im Interesse des ganzen Landes, den bilateralen Weg für die Zukunft zu sichern.