«Wir sind ein Spitzenverband!»

Beim zweitgrössten Arbeitnehmerverband Travail Suisse gibt es eine Jugendvertretung im Vorstand. Ein Blick auf die andere Seite, zum Schweizerischen Arbeitgeberverband: Am Rande des etablierten Europa Forums Luzern sprach Arbeitgeberverbandspräsident Valentin Vogt über den Einbezug der Jungen in die Verbandsgeschäfte, die Rolle des Arbeitgeberverbands in der direkten Demokratie und über die Sozialpartnerschaft.

Wie sieht es denn in Ihrem Verband mit den Jungen aus?
Wir haben viele Reaktionen von Jungen. Wir sind auch auf allen Kanälen der Neuen Medien aktiv. Aber in der Verbandsarbeit selbst haben wir bisher keine Jugendgruppe. Das ist aber eine prüfenswerte Idee. Im Gegensatz zu Travail Suisse verstehen wir uns als reiner Expertenverband. Wir vertreten in erster Linie Firmen und keine individuellen Mitarbeiter. In diesem Sinne wäre ein Ansatz, dass Jungunternehmer in unseren Gremien Einsitz nehmen könnten.

Während es auf Arbeitnehmendenseite grosse Mitspracherechte gibt, alle vier Jahre einen Kongress, jedes Jahr die Delegiertenversammlung und dann noch diverse Kommissionen, welche ebenfalls antragsberechtigt sind, sieht das beim Arbeitgeberverband anders aus.
Ich war am Travail-Suisse-Kongress 2011. Das gibts bei uns nicht. Unsere Verbände haben selbst einen Meinungsbildungsprozess, der dann über die Mitglieder-Verbandsführung zu uns kommt. Wir haben auch ein anderes Mengengerüst als die Arbeitnehmerseite. Unsere Mitgliederverbände beschäftigen rund 1,8 Millionen Arbeitnehmende. So ist es sehr schwierig, die Meinung aller zu berücksichtigen. Ich war vom geordneten Meinungsbildungsprozess am Kongress beeindruckt.

Auch bei der direkten politischen Mitsprache gibt es zwischen den Verbänden Unterschiede. Während Travail Suisse und Syna auch schon Initiativen selbst lanciert haben (z. B. 6 Wochen Ferien für alle) und bei vielen Referenden eifrig Unterschriften sammeln, greift der Arbeitgeberverband auf die Lobbyarbeit zurück.
Wir haben bis heute weder Initiativen noch Referenden lanciert, und ich würde mir das auch in Zukunft, obschon viele Interessenvertreter dies als Marketinginstrument nutzen, gut überlegen. Dagegen nehmen wir ganz klassisch Einfluss auf die politischen Entscheidungsprozesse mit unserer Lobbyarbeit. Wir sind Experten und zeigen auf, welche Folgen gewisse Entscheide haben können und wo die Vor- und Nachteile der Entscheide liegen. Das ist unsere Arbeit.

Und die Sozialpartnerschaft? Also die Beziehung zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen, welche unter anderem auch ermöglicht, dass wir dieses Gespräch führen können, ohne einander anzugreifen?
Die Sozialpartnerschaft finde ich sehr wichtig. Sie muss meiner Meinung nach klar von den anderen politischen Prozessen getrennt betrachtet werden. Es wird zum Beispiel schwierig, wenn Sozialpartner auch Politiker sind. Dann weiss man nie; ist jemand jetzt als Sozialpartner oder als Politiker unterwegs? Bei uns im Arbeitgeberverband ist das klar getrennt, und bei Syna und Travail Suisse ebenfalls – das schätze ich sehr. Klar, werden zum Teil kommunale oder kantonale Ämter von Verbandsfunktionären ausgeübt. Aber keine nationalen. Und das ist gut so.

Das Interview mit Valentin Vogt ist im «Syna Magazin» erschienen.