Schweizer Aussenhandel mit massivem Einbruch

4. Februar 2010 News

Das vergangene Jahr war ein annus horribilis für den Schweizer Aussenhandel. Die Ausfuhren brachen um 12,6 % ein, was den stärksten Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg bedeutete. Auch die Importe sackten mit einem Minus von 14,3 % ab. Der Warenverkehr mit der EU ging in beiden Richtungen markant zurück. Immerhin lichteten sich im Dezember die Gewitterwolken.

Im Umfeld der weltweiten Wirtschaftskrise erlitt der Schweizer Aussenhandel im letzten Jahr einen dramatischen Einbruch. Auf den Rekordwert im Vorjahr folgte im 2009 ein Einbruch der Exporte um 12,6 % auf 180,3 Mrd. Fr. Dies stellt den stärksten Rückgang seit dem Jahr 1944 dar, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) mitteilte. Teuerungsbereinigt betrug das Minus 14,7 %. Insgesamt fiel der Aussenhandel auf das Niveau von 2006 zurück.

Nach einem bereits negativen Schlussquartal 2008 beschleunigte sich die Abnahme in den ersten beiden Quartalen 2009. Erst im vierten Quartal verlangsamte sich das Abwärtstempo laut EZV sichtbar.

Exporte: Alle Branchen mit roten Zahlen
Die Exporte aller Branchen lagen 2009 unter dem Vorjahresergebnis. Bei 7 von 10 Industriezweigen bewegte sich der Rückgang zwischen 15 und 31 %. Nahezu schadlos hielten sich dagegen die Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie die Chemische Industrie (Pharmadivision). Am herbsten war der Rückgang bei der Metallindustrie, die namentlich in der Sparte Eisen und Stahl mehr als die Hälfte ihres Umsatzes verlor. Aber auch die Verkäufe von Aluminium reduzierten sich um einen Drittel.

Der Versand der Maschinen- und Elektronikindustrie, der Uhrenindustrie sowie der Textil – und der Kunststoffindustrie sank zwischen 20 und 23 %. Stärker als die Gesamtausfuhr nahmen ferner die Ausfuhren der Papier- und Grafische Industrie sowie der Bekleidungsindustrie ab. Die Lieferungen von Präzisionsinstrumenten sanken um 7,2 %.

Deutlichster Rückgang bei Ausfuhren nach Europa
Mit Ausnahme Afrikas (+ 3,2 %) gingen die Exporte nach allen Kontinenten zurück. Am deutlichsten fiel dabei das Minus bei Europa aus (EU: – 14,7 %), gefolgt von Lateinamerika und Asien (- 6,1 %).

Bei den Ländern brach der Versand nach Russland um einen Drittel ein, während jener in die Türkei, nach Taiwan, Irland, Polen und Norwegen um einen Viertel absackte. Die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Schweden, Thailand, Rumänien und Tschechien reduzierten sich um je einen Fünftel. In die grossen europäischen Volkswirtschaften Deutschland, Italien, Niederlande, Frankreich und Grossbritannien wurden zwischen 12 und 16 % weniger exportiert, derweil die Lieferungen in die USA um 9 % zurück gingen. Nur moderat sanken die Ausfuhren nach China.

Importe: Ein Viertel weniger Halbfabrikate
Auch die Importe sackten insgesamt mit einem Minus von 14,3 % deutlich auf 160,1 Mrd. Fr. ab. Teuerungsbereinigt ergab sich ein Rückgang von 9,5 %. Das ist der stärkste Einbruch seit 1975. Auch hier erreichte der Rückgang zur Jahresmitte den Höhepunkt. Nach einer nur leichten Entspannung im dritten Quartal verbesserte sich die Lage dann im Schlussquartal deutlich.

Die Zufuhren von Rohstoffen und Halbfabrikaten reduzierten sich um einen Viertel oder um 11,2 Mrd. Fr. Dabei fielen vor allem die um 38 % niedrigeren Metallimporte ins Gewicht, die auch preisbedingt sanken. Ähnlich kräftig bildeten sich die Einfuhren von Uhrenteilen zurück. Aber auch die Importe der grössten Subgruppe, der Chemikalien, sowie jene von elektrischen und elektronischen Artikeln sackten um je einen Viertel ab.

Überschuss in der Handelsbilanz
Die Importe von Investitionsgütern gingen um einen Siebtel (- 7,4 Mrd. Fr.) zurück. Hier verminderten sich die Bezüge von Fabrikationsmaschinen, Strassenfahrzeugen sowie Arbeitsmaschinen und -geräten um rund je einen Viertel. Die umsatzstärkste Hauptgruppe, die Konsumgüter, verzeichneten ein Minus von «nur» 3,6 %.

Die Rekordjagd beim Überschuss in der Handelsbilanz setzte sich auch im Jahr 2009 fort. Der Aktivsaldo erreichte mit 20,2 Mrd. Fr. ein neues Allzeithoch, das den Vorjahreswert noch um 3,7 % übertraf.