Nationalrat setzt auf Managed Care-Modelle

17. Juni 2010 News

Der Nationalrat will, dass sich die Menschen in der Schweiz bei der Wahl einer Krankenversicherung künftig häufiger einem anerkannten Ärztenetz anschliessen als bisher. Er hiess eine Teilrevision des Krankenversicherungsgesetzes gut. Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst die Bemühungen des Nationalrats, einen tragfähigen Kompromiss zu finden.

Die grosse Kammer genehmigte eine Teilrevision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) mit 108 zu 43 Stimmen bei 24 links-grünen Enthaltungen unter dem Titel «Managed Care». Ziel der Vorlage ist es, die Voraussetzungen für diese sogenannten integrierten Versorgungsnetze zu verbessern. Von solchen Netzen oder Managed Care-Modellen spricht man, wenn sich Leistungserbringer – etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten – zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliessen.

Patienten eng begleiten
Gespart werden soll durch eine enge Begleitung der Patienten während des gesamten Behandlungsverlaufs. Dadurch sollen etwa überflüssige Konsultationen eines Spezialisten oder Mehrfachdiagnosen verhindert werden. Indem die beteiligten Leistungserbringer zusammen die Budgetverantwortung tragen müssen, soll zusätzlich Druck geschaffen werden, die Kosten im Griff zu behalten.

Dank finanziellen Anreizen soll vorab die Patienten-Nachfrage das Angebot an integrierten Versorgungsnetzen erhöhen. Der Nationalrat beschloss mit 109 zu 57 Stimmen, dass künftig 20% der die Franchise übersteigenden Gesundheitskosten bezahlen muss, wer an der freien Arztwahl festhält. Wer sich für Managed Care entscheidet, bleibt beim heutigen Selbstbehalt von 10%. Dagegen wehrte sich die Linke, die von einer Mehrbelastung der Patienten in dreistelliger Millionenhöhe sprach.

Arbeitgeberband: Vorlage erfüllt wichtige Ziele
Gegen den Willen der Linken beschloss der Nationalrat mit 114 zu 59 Stimmen zudem, dass Versicherte in der Regel drei Jahre lang in einem Managed-Care-Modell verbleiben müssen, ausser sie bezahlen eine Austrittsprämie. Mit 99 zu 67 Stimmen ebnete die grosse Kammer den Weg, dass Versicherer künftig überall mindestens ein Managed-Care-Modell anbieten müssen.

Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst die Bemühungen des Nationalrats, einen tragfähigen Kompromiss im Sinne der Opfersymmetrie zu finden. Alle gesundheitspolitischen Akteure wie Patienten, Ärzte, Spitäler und Krankenversicherer müssen für das Gelingen der Reform Abstriche in Kauf nehmen. Zwar lässt der Gesetzesentwurf die Umsetzung einiger Fragen offen, und er sollte auch nicht als gesundheitspolitisches Allheilmittel gepriesen werden. Doch es ist offenkundig, dass integrierte Versorgungsnetze für die Patienten dank besserer Koordination Verbesserungen der Qualität mit sich bringen und einen nachhaltigen Beitrag zur Verlangsamung des Kostenschubs und damit des Prämienanstiegs leisten. Damit erfüllt die Vorlage wichtige Ziele. Der Ständerat sollte nun die Beratung der Reform vertiefen, jedoch am eingeschlagenen Kurs festhalten.