„Menschen mit Behinderung behaupten sich im Arbeitsleben“

28. Januar 2010 News

Der Gedanke der Wiedereingliederung ist seit Beginn der Invalidenversicherung (IV) im Jahre 1960 im Vordergrund. Die aktuelle Wanderausstellung „50 Jahre IV“ porträtiert qualifizierte Mitarbeitende mit Handicap und zeigt die Motivation von Arbeitgebern, Rentabilität und sozialen Einsatz professionell miteinander zu verbinden. Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst das Engagement.

Die Wanderausstellung 50 Jahre IV ist im Jubiläumsjahr in den meisten Kantonen zu sehen, teilt die IV-Stellen-Konferenz mit. Unterwegs werden Geschichten über Menschen mit Behinderungen erzählt, die sich im Arbeitsleben behaupten: über eine Hotel-Angestellte mit Depression, einen Mechatroniker, der nur auf einem Auge sieht, und eine junge Frau mit Epilepsie, die in einer Staudengärtnerei eine Lehre absolviert.

Wanderausstellung als Plattform zur Information und Sensibilisierung
In der Schweiz fehlen 192 000 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen. Viele Betroffene sind wegen Vorurteilen und der verstellten Sicht auf ihre Potentiale vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Doch Menschen mit Behinderungen möchten am gesellschaftlichen Leben und am Arbeitsprozess teilhaben. Dies zeigen die Erfahrungen der Fachleute der IV-Stellen, die sich engagieren, um Vorurteile abzubauen und Arbeitgeber zu überzeugen.

«Trotzdem gibt es noch 95 000 Unternehmen, die bereit wären, Menschen mit Behinderungen anzustellen und es doch nicht tun», sagt Stefan Ritler, Präsident der IV-Stellen-Konferenz (IVSK). «Für uns IV-Stellen bedeutet dies, dass wir mit den Arbeitgebern noch intensiver den Kontakt suchen müssen». Die Wanderausstellung soll als Plattform dienen, um mit Arbeitgebern und der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen und Unsicherheiten, Ängste und Tabus abzubauen.

Potenzial von Menschen mit Behinderungen erkennen
Doch es gibt auch viele gewinnorientierte Unternehmen, die beweisen, dass ein soziales Engagement möglich ist. Einige von ihnen werden in der Ausstellung porträtiert. Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen, sei lohnenswert und positiv für die Unternehmenskultur, erzählen verschiedene Arbeitgeber. Doch gerade in hektischen Zeiten stelle es natürlich auch eine Herausforderung dar. «Wichtig ist, dass Arbeitgeber Menschen mit Behinderungen als Ganzes betrachten und ihr Potential erkennen», sagt Jean-Philippe Ruegger, Vorstandsmitglied der IVSK, «leider werden ihre Ressourcen oft von der Behinderung überdeckt.»