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Starre Regeln für Löhne und Sozialpläne schaden der Schweiz

Neue Regulierungen bei den Löhnen und auf dem Arbeitsmarkt gefährden den Erfolg des Wirtschaftsstandorts Schweiz: Der Schweizerische Arbeitgeberverband lehnt die «1:12»-Initiative deshalb genauso ab wie eine gesetzliche Sozialplanpflicht für Unternehmen. Zudem fordert er, dass Reform-Versprechen bei den Sozialwerken eingehalten werden und die Sanierung der nach wie vor hoch verschuldeten Invalidenversicherung konsequent vollendet wird.

Die Annahme der Minder-Initiative hat klar gemacht, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung Lohnexzesse ablehnt und die Sensibilität für gerechte Löhne zunimmt. Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) hat dafür Verständnis, wie Präsident Valentin Vogt an der Medienkonferenz in Bern bekräftigte. Der SAV begrüsst die Absicht des Bundesrats, die Minder-Initiative zügig umzusetzen. Der Verband hat aber kein Verständnis, dass Linksparteien und Gewerkschaften die emotionale Debatte über «Abzocker» nun ausnützen wollen, um mit Regulierungen wie der «1:12»-Initiative oder der Mindestlohn-Initiative in die Lohnfreiheit der Unternehmen einzugreifen. Solche Eingriffe würden den freien Arbeitsmarkt gefährden, der für die starke Position des Standorts Schweiz massgebend ist – und von dem auch die Arbeitnehmenden profitieren: mit einer hohen Erwerbsbeteiligung, einer tiefen Arbeitslosigkeit, ausgebauten Sozialleistungen und hohen Löhnen. Dabei zeigt das Lohnspektrum in der Schweiz im internationalen Vergleich nach wie vor moderate Unterschiede zwischen Top- und Niedriglöhnen. Valentin Vogt forderte deshalb dazu auf, bei Debatten um Löhne pragmatisch zu bleiben. Das gilt besonders für die «1:12»-Initiative, die der SAV entschieden ablehnt. Vogt hob neben den bekannten ordnungspolitischen Gründen folgende Argumente hervor:

Valentin Vogt betonte, dass die «1:12»-Initiative nicht nur die Freiheit der Unternehmen, sondern auch die materiellen Interessen aller Arbeitnehmenden tangiere: «Die Initiative bringt überhaupt keine realen Vorteile, schadet aber am Ende den Arbeitnehmenden.»

Sozialplanpflicht schadet den Unternehmen und dem Arbeitsmarkt

Auf der Traktandenliste für die kommende ausserordentliche Session des Nationalrats steht mit der gesetzlichen Sozialplanpflicht für Unternehmen eine weitere Regulierung gegen den freien Arbeitsmarkt. Im Rahmen der Revision des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts (SchKG) sollen alle Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten, die innert 30 Tagen mindestens 30 Mitarbeitende entlassen wollen, zur Aushandlung eines Sozialplans mit ihren Arbeitnehmenden verpflichtet werden.

Der SAV wendet sich entschieden gegen diese Verschärfung der Massenentlassungs-Regeln – und zwar aus folgenden Gründen:

Der vorgelegte Entwurf für die Sozialplanpflicht wirft zahlreiche Interpretationsfragen auf und öffnet ein weites Feld für rechtliche Auseinandersetzungen. Weil die Unternehmen solche Konflikte möglichst vermeiden wollen, besteht die Gefahr, dass sie in den Sozialplan-Verhandlungen von der Arbeitnehmerseite unter Druck gesetzt werden können.
Nach Ansicht von SAV-Direktor Thomas Daum handelt es sich bei der vorgeschlagenen Sozialplanpflicht im Rahmen des Sanierungsrechts um ein «fragwürdiges Kompensationsgeschäft» und einen «politischen Kuhhandel». Der SAV fordert den Nationalrat deshalb auf, die Sozialplanpflicht wieder zu streichen.

Sanierung der Invalidenversicherung ernsthaft gefährdet

Kritik übt der SAV am Vorgehen des Parlaments bei der Invalidenversicherung (IV): Weil sowohl der National- als auch der Ständerat erheblich von den Sparzielen der IV-Revision 6b und den ursprünglich vorgeschlagenen Massnahmen für Rentenkürzungen abgerückt sind, bleibt die IV ein Sanierungsfall. Dies bekräftigte Direktor Thomas Daum mit Verweis auf folgende Fakten:

Thomas Daum bekräftigte die Forderung, dass die IV-Rechnung unter allen Umständen per Ende 2017 ohne Sonderfinanzierungen ausgeglichen sein müsse. Zudem seien die Schulden der IV gegenüber dem AHV-Fonds zwischen 2025 und 2028 zu tilgen.

Wer diese Ziele mit riskanten Wetten auf die Zukunft in Frage stelle, stosse all jene vor den Kopf, die den Versprechungen vor der Volksabstimmung geglaubt und deshalb der Erhöhung der Mehrwertsteuer zugestimmt hätten, betonte Daum. Bei der IV gehe es auch um die Glaubwürdigkeit der Akteure im Hinblick auf künftige Sozialversicherungs-Revisionen. Leider liefere der Bundesrat dazu ein weiteres schlechtes Beispiel, indem er im Rahmen seines Sparpakets «KAP 2014» frühere Vereinbarungen über die Verzinsung der IV-Schuld zum Schaden der AHV wieder ändern wolle. «Das ist nicht akzeptabel», bekräftigte Daum: «Hier muss im Interesse der AHV und einer glaubwürdigen Sozialpolitik korrigiert werden.»

Ihre Ansprechperson

Roland A. Müller

Direktor

roland.mueller@arbeitgeber.ch

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