OECD: Weniger Migration während der Krise

12. Juli 2010 News

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise wanderten deutlich weniger Menschen in OECD-Länder ein als in den Vorjahren. Wie die Organisation in ihrem Migrationsbericht festhält, nahm die Zuwanderung 2008 um rund 6 % auf 4,4 Mio. Personen ab. Die OECD bestätigt damit die Aussagen des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise ist die Migration in die OECD-Länder deutlich zurückgegangen. Wenn der Aufschwung jedoch an Fahrt gewinne, würden Zuwanderer wieder benötigt, um Lücken auf dem Arbeitsmarkt und bei Fachkräften zu schließen. Dies geht aus der aktuellen Ausgabe des Internationalen Migrationsausblicks der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Die Zuwanderung in OECD-Länder nahm im Jahr 2008 insgesamt um rund 6% auf 4,4 Mio. Menschen ab. In den fünf Jahren zuvor war die Zahl jährlich noch um durchschnittlich 11% gestiegen.

Zuwanderung mit Bedeutung für die Schweiz
In den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise habe internationale Migration in vielen OECD-Ländern und auch in der Schweiz erheblich dazu beigetragen, das Arbeitskräftepotential zu stabilisieren bzw. zu erhöhen. So standen in der Schweiz vor der Wirtschaftskrise Zuwanderer für rund die Hälfte des neuen Arbeitskräftepotentials, im OECD-Mittel waren es nur etwa 30%. Nur in Irland und Spanien hatte Zuwanderung einen ähnlich Bedeutung wie in der Schweiz. Mit rund 78% war die Freizügigkeit mit den EU-Staaten die mit Abstand am häufigsten genutzte Rechtsgrundlage für die Zuzüge in die Schweiz, schreibt die OECD.

Arbeitsmigration und Familiennachzug sind die wichtigsten Gründe für eine Einwanderung in ein OECD-Land. In Portugal, Spanien, in Grossbritannien und in Italien reisten 20 bis 30% der dauerhaften Zuwanderer zu Arbeitszwecken ein. In anderen Ländern, beispielsweise in den USA, in Frankreich oder Schweden, ist weiterhin der Nachzug von Familienangehörigen vorherrschend.

Migrationspolitik und langfristige Perspektive
«Es ist wichtig zu verstehen, dass Migranten besonders in wirtschaftlich guten Zeiten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten», sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Vorstellung des Berichts in Brüssel. «Die aktuellen wirtschaftlichen Probleme werden die langfristigen demografischen Trends nicht verändern», erklärte der Generalsekretär der Organisation weiter. Es sei daher wichtig, dass Migrationspolitik eine langfristige Perspektive beibehalte.

Vollständige Daten aus dem vergangenen Jahr standen der OECD für ihre Studie noch nicht zur Verfügung. Aktuelle Daten legten aber nahe, dass die Zuwanderung in OECD-Länder auch im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen sei, heisst es in dem Bericht.

Siehe dazu auch die Informationen des Schweizerischen Arbeitgeberverbands zur Personenfreizügigkeit.