Die Schweiz findet sich in einer politisch und wirtschaftlich zunehmend unruhigen Welt. Globale Machtverschiebungen, Handelskonflikte und ein wieder aufflammender Protektionismus verändern die globalen Spielregeln zunehmend. Für eine verhältnismässig kleine, aber offene Volkswirtschaft wie die Schweiz ist das eine besondere Herausforderung: Wir leben in der Exportwirtschaft und als Volkswirtschaft stark von der Offenheit der Märkte und der Verlässlichkeit internationaler Beziehungen – leider ist aktuell beides keine Selbstverständlichkeit mehr.
Aussenpolitisch unter Druck
Zwischen den wirtschaftlichen Machtzentren USA, China und Europa muss sich die Schweiz immer wieder neu behaupten. Der internationale Trend geht weg von Kooperation hin zu nationalen Interessen und Abschottung. Die USA und China verfolgen protektionistische Strategien, während die EU versucht, ihre Industrie mit Regulierungen und Subventionen zu schützen. Für die exportorientierte Schweiz bedeutet das mehr Hürden, mehr Unsicherheit und weniger Planbarkeit.
Auch das ungelöste Verhältnis zur Europäischen Union bleibt ein Risiko. Der fehlende institutionelle Rahmen erschwert Investitionen und den Zugang zum nach wie vor wichtigsten Absatzmarkt der hiesigen Exportindustrie. Damit droht eine schleichende Erosion unserer Wettbewerbsfähigkeit – nicht wegen mangelnder Innovationskraft, sondern wegen politischer Unsicherheit und zunehmendem Protektionismus.
Innenpolitisch geschwächt
Während die genannten globalen Faktoren die Schweizer Volkswirtschaft unter Druck setzen, machen ihr gleichzeitig auch die Herausforderungen im Inland zu schaffen: Wachsende Bürokratie, steigende Lohnnebenkosten und der stetige Ausbau des Sozialstaats belasten die Unternehmen zunehmend. Was einst zur sozialen Stabilität beigetragen hat, droht heute die wirtschaftliche Basis zu untergraben. Gleichzeitig scheinen wir als Nation zunehmend reformunfähig. Die heissen Eisen werden nicht angefasst oder an der Urne versenkt.
Die Sozialpolitik ist ein Symbol dieser politischen Reformblockade geworden. Statt strukturelle Anpassungen anzupacken, werden die dafür notwendigen, politisch unpopulären Entscheidungen vertagt. Exemplarisch zeigt sich das bei der AHV. Das Sozialwerk steuert seit Jahren auf eine strukturelle Schieflage zu. Die nachhaltigen Massnahmen sind bekannt. Doch auch mit der AHV-Reform 2030 drückt sich der Bundesrat einmal mehr vor einer echten Reform respektive löst das Problem mit zusätzlichen Einnahmen, statt endlich die strukturellen Ursachen anzugehen. Eine Anhebung des Rentenalters, der zentrale Hebel für langfristige Stabilität, wird weiterhin kategorisch ausgeschlossen. Einmal mehr bleibt das nüchterne Fazit: Die Probleme werden nicht gelöst, sondern vertagt.
Arbeitskräftemangel bleibt strukturelle Daueraufgabe
Auch der Arbeitskräftemangel beschäftigt die Wirtschaft nach wie vor. Zwar hat sich die Lage konjunkturell etwas entspannt, strukturell bleibt das Problem jedoch bestehen. In den kommenden zehn Jahren dürften der Schweiz über 300’000 Arbeitskräfte fehlen – mit entsprechendem Druck auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Eine einzelne Massnahme zur Lösung dieses Problems gibt es nicht. Vielmehr braucht es ein Paket aus mehreren Massnahmen – und ja, auch hier könnte eine Erhöhung des Rentenalters massiv zur Entlastung beitragen.
Gleichzeitig gibt es Entwicklungen, die den Arbeitskräftemangel noch weiter verschärfen, und gleichzeitig nur wenig zum Wirtschaftswachstum beitragen: Der öffentliche Sektor wächst personell schneller als die Privatwirtschaft und zieht immer mehr Personal an. Der Wettbewerb um Arbeitskräfte wird dabei zunehmend unfair – die Privatwirtschaft steht im Kampf um Talente nicht mit gleich langen Spiessen da: Staatliche Arbeitgeber zahlen im Schnitt höhere Löhne, gewähren mehr Ferien und zusätzliche Leistungen – und verschärfen so den Druck auf die Unternehmen zusätzlich. Dieser ungleiche Wettbewerb ist Gift für den Schweizer Arbeitsmarkt, für unsere KMU und den Wirtschaftsstandort Schweiz. Eine Volkswirtschaft, die primär im öffentlichen Sektor wächst, schafft keinen Wert, der geteilt und verteilt werden kann.
Reformen bekannt – aber Mut zur Umsetzung fehlt
Auf die Herausforderungen im globalen Umfeld hat die Schweiz als kleines Land nur begrenzten Einfluss. Im Inland jedoch liegt es in unserer Hand, zu reformieren: Wir sollten der Wirtschaft wieder mehr Sorge tragen, statt sie laufend stärker einzuschnüren. Dazu braucht es Arbeit an den Rahmenbedingungen, die das Erfolgsmodell Schweiz aus eigener Kraft erneuern und für kommende Generationen bewahren. Die notwendigen Reformen liegen auf dem Tisch. Es fehlt nicht an Wissen und geeigneten Vorschlägen, sondern am politischen Willen, das Bekannte und Bewährte auch umzusetzen. Die Wirtschaft zeigt tagtäglich, was Verlässlichkeit, Effizienz und Innovationskraft bedeuten – genau diese Haltung braucht es jetzt auch in der Politik. Die Schweiz kann sich im internationalen Spannungsfeld nur behaupten, wenn sie im Innern stark bleibt – dank stabilen Rahmenbedingungen, einer gesunden Kostenstruktur und echter Reformbereitschaft.