SAV-Barometer signalisiert fragile Verfassung des Schweizer Arbeitsmarkts

14. Januar 2021 Medienmitteilungen

Mit dem erstmals publizierten Beschäftigungsbarometer analysiert der Schweizerische Arbeitgeber-verband (SAV) den Arbeitsmarkt mittels eines vertieften Branchenvergleichs. Im Barometer spiegelt sich der Wirtschaftseinbruch je nach Branche unterschiedlich stark. Eine Erholung am Arbeitsmarkt hängt massgeblich vom weiteren Verlauf der Pandemie und der Widerstandskraft der Unternehmen ab.

Das vom Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) neu entwickelte SAV Beschäftigungsbarometer vermittelt auf der Grundlage von KOF-Betriebsumfragen ein aussagekräftiges Bild zur Entwicklung von Geschäftslage und Beschäftigung in ausgewählten Branchen. Die Analyse der jüngsten Werte zeigt, dass die Corona-Krise die Widerstandskraft vieler, aber nicht aller Unternehmen besonders herausfordert.

Die Auswirkungen der Pandemie haben im 2. Quartal 2020 zu einem dramatischen Einbruch des Bruttoinlandprodukts geführt. Wie die Analysen im SAV-Beschäftigungsbarometer zeigen, ist davon – anders als bei den letzten Konjunkturabschwüngen – weniger die Industrie als der Dienstleistungssektor betroffen. Die überraschend gute Erholung der Wirtschaft, die sich im Verlauf des Sommers abzeichnete, hat sich im 4. Quartal in praktisch allen Branchen abgeschwächt.

Besonders stark unter der zweiten Ansteckungswelle leidet das Gastgewerbe, wo die Margen dünn und die Reserven vieler Betriebe nach den behördlich verordneten Schliessungen inzwischen aufgebraucht sind sowie Bereiche des Detailhandels, wo der Bundesrat nun wieder einen Lockdown verordnet hat. Ebenfalls empfindlich von den Corona-Massnahmen getroffen worden sind der Grosshandel, die Informations- und Kommunikationsbranche und die MEM-Industrie. Demgegenüber sind die Einschätzungen zu Geschäftslage und Beschäftigung in der Pharma- und Chemiebranche, bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie im Baugewerbe inzwischen wieder auf solidem Niveau und wirken stabilisierend auf den Arbeitsmarkt und die Gesamtwirtschaft. Mit den jüngsten bundesrätlichen Massnahmen dürfte allerdings das Risiko eines Rückschlags in allen Sektoren deutlich steigen.

Die vom Bundesrat ausgeweiteten und nun erleichtert zugänglich gemachten Leistungen für Härtefälle sowie das Instrument der Kurzarbeit sind für viele Unternehmen existenziell und können nur bei rascher Auszahlung eine grössere Konkurswelle in notleidenden Branchen verhindern. Bereits während der ersten Ansteckungswelle hat die Kurzarbeit den Arbeitsmarkt gestützt und zum Erhalt von Arbeitsplätzen und der Kaufkraft der Arbeitnehmer beigetragen. Hält jedoch die Unsicherheit weiter an und hebt der Bundesrat die Verschärfungen nicht bald wieder auf, werden Mitarbeiter in Kurzarbeit vermehrt entlassen statt in den Arbeitsprozess zurückgeholt.

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hängt massgeblich vom weiteren Verlauf der Pandemie sowie der Resilienz der Unternehmen ab.

Das SAV-Beschäftigungsbarometer wird künftig halbjährlich publiziert.

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