Bei der Integration Älterer ist die Schweiz jetzt schon Musterschüler

16. April 2015,  News

Die Schweiz kann sich gemäss der jüngsten OECD-Arbeitsmarktstudie bei der Integration von älteren Arbeitnehmern ins Erwerbsleben mit den Besten messen. Dies muss der Schweizerische Gewerkschaftsbund bei der Lektüre der OECD-Analyse übersehen haben. Nur so ist zu erklären, dass die Gewerkschaft im Alleingang vorprescht und Massnahmen fordert, die bloss süsses Gift sind.

«Die Leistungen der Schweiz bei der Förderung der Erwerbstätigkeit bis zum Alter von 65 Jahren sind sehr gut.» Dies bescheinigt uns die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem jüngsten Bericht zur Situation der älteren Arbeitnehmenden. Das grosse Lob hat sich unser Land vor allem deshalb verdient, weil der hiesige Arbeitsmarkt flexibel und frei genug ist, um eine ausgesprochen hohe Partizipation der Arbeitswilligen zu gewährleisten – und zwar in allen Altersgruppen.

Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsmarkts lässt sich in einer Beschäftigungsquote ablesen, die mit 70,5 Prozent im internationalen Vergleich als sehr gut zu werten ist. Lediglich vier Länder – Island, Neuseeland, Schweden und Norwegen – können mit noch eindrücklicheren Werten auftrumpfen. Die Erwerbsquote der 55 bis 64 Jährigen Schweizer ist mit 74 Prozent (2013) sogar noch höher als Schweizer Gesamtdurchschnitt. Das ist ein schlagendes Argument für eine äusserst wirkungsvolle Integration von älteren Personen ins Erwerbsleben, wie auch der Bundesrat in einer Stellungnahme zu einem Postulat im Juni 2014 zurecht festgehalten hat.

Zudem geht der Trend bei den älteren Arbeitnehmenden in die richtige Richtung. Zum einen hat sich die Arbeitsmarktbeteiligung von älteren Mitarbeitenden in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert. Zum andern hat die Tendenz zu mehr Frühpensionierungen bei Männern in den letzten zehn Jahren wieder gedreht. Lediglich 2 Prozent der Nichterwerbstätigen im Alter von 55 bis 64 Jahren geben gemäss einer Sonderauswertung des Seco an, dass sie für sich keine Chance auf dem Arbeitsmarkt sehen. Nicht genug betont werden kann zudem, dass gerade auch ältere Arbeitnehmende ihren Beitrag zum Verhindern von Entlassungen am besten über den Erhalt und die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit («employability») leisten können. Die Arbeitgeber ihrerseits sind gefordert, die Stärken einer heterogenen Belegschaft noch besser zu nutzen – dies allerdings unter Wahrung der betrieblichen Autonomie, wie sie in unserer freien Wirtschaftsverfassung selbstverständlich ist. Und im Urteil der OECD kann das Altersmanagement in den Unternehmen noch verbessert werden, wobei den Behörden die Aufgabe zufällt, die Sozialpartner zur vermehrten Investition in ältere Arbeitnehmende zu ermutigen.

Zwar trifft zu, dass es bei Stellenverlust für ältere Arbeitnehmende oft schwieriger als für Jüngere ist, eine neue Beschäftigung zu finden. 2013 machten die über 50-Jährigen 41 Prozent aller Langzeitarbeitslosen aus, bei den über 55-jährigen Personen liegt der Anteil bei 58,6 Prozent. Selbst wenn diese Quoten über dem OECD-Durchschnitt liegen, ist bei einem Vergleich aber stets zu berücksichtigen, dass die absolute Höhe der Arbeitslosigkeit in der Schweiz rund halb so hoch ist wie der OECD-Durchschnitt. Eine blosse Gegenüberstellung der Prozentanteile von Langzeitarbeitslosen aus verschiedenen Ländern zeichnet demnach ein verzerrtes Bild der Tatsachen.

Angesichts dieser unstrittigen Fakten sind die an der Medienkonferenz des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds empfohlenen Medikamente nicht mehr als süsses Gift. Der Schweizerische Arbeitgeberverband lehnt eine weitergehende Regulierung des Kündigungsschutzes und ein sogenanntes Diskriminierungsverbot für ältere Beschäftigte ebenso ab wie eine zunehmend staatlich gelenkte Aus- und Weiterbildung. Ins Leere greifen darüber hinaus die gewerkschaftlichen Vorschläge zum Kündigungsschutz, denn das Seco weist nach, dass gerade auch der bessere Gesundheitszustand der älteren Bevölkerung ursächlich zu einer steigenden Erwerbsquote führt.

Ganz generell muss eine nachhaltige Erhöhung der Beschäftigungsquote von älteren Mitarbeitenden immer mit einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen einhergehen. Der Arbeitgeberverband warnt aufgrund sich verschlechternder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, die sich mit der Aufhebung des Franken-Mindestkurses noch akzentuiert haben, vor jeglichen Experimenten mit Fehlanreizen, die entweder Arbeitskosten verteuern, Arbeitsplätze gefährden oder zu einer Verlagerung der Beschäftigung zulasten jüngerer Erwerbstätiger gehen. Hingegen unterstützt der Arbeitgeberverband die vom Bund initiierte erste Nationale Konferenz zum Thema ältere Arbeitnehmende. An dem am 27. April stattfindenden Anlass werden Massnahmen vorgestellt, die durchdacht, ausgewogen, breit abgestützt sind – und langfristig wirken.