Die Tücken der Teilzeitarbeit

Eine Spezialauswertung der «Schweiz am Wochenende» mit Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigte letzte Woche, dass jeder dritte Erwerbstätige gerne sein Pensum reduzieren würde. Bei den Frauen sind es 28 Prozent – 16 Prozent würden andererseits gerne mehr arbeiten. Gründe, weshalb Männer das Arbeitspensum nicht reduzieren, können aus den Zahlen nicht abgeleitet werden.

Aus Arbeitgebersicht besteht vor dem Hintergrund des ausgeprägten Fachkräftemangels und der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung ein immanentes Interesse, Arbeitskräfte möglichst in Vollzeit oder zumindest in möglichst hohen Teilzeitpensen in den Arbeitsprozess einzubinden. Der Schweizerische Arbeitgeberverband zeichnet auch deshalb vom Nutzen der Teilzeitarbeit ein etwas differenzierteres Bild.

Gemäss BFS arbeiten im Jahr 2018 35 Prozent der Erwerbstätigen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren Teilzeit. Hier sind aber grosse sektor- und branchenspezifische Unterschiede auszumachen: Während im dritten Sektor fast 41 Prozent Teilzeit arbeiteten, waren es im zweiten Sektor nur knapp 15 Prozent. Etwas mehr als 77 Prozent der Teilzeitbeschäftigten waren Frauen. Derweil arbeiteten acht von zehn Müttern mit Kindern unter 15 Jahren Teilzeit – vier davon in einem Pensum unter 50 Prozent. Zum Vergleich: Nur etwas mehr als einer von zehn Vätern mit Kindern unter 15 Jahren arbeiteten in einem Teilzeitpensum.

Wie die Zahlen belegen, besteht im Schweizer Arbeitsmarkt ein beachtliches Ungleichgewicht zwischen der Teilzeitaktivität von Männern und Frauen. Durch das starke Ausscheiden der Frauen – in vielen Fällen der Mütter – bleiben diese beim Einkommen und in Sachen Karriere stark hinter ihren Kollegen zurück.

Eine bessere Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt hat viele Vorteile – für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. Die Produktivität der Arbeitskräfte nimmt – gemessen am Arbeitspensum – nicht linear zu. Stellenprofile von Fachkräften erfordern überdies eine gewisse Pensenhöhe, damit sie sich im Arbeitsprozess effizient einbringen können. Auch ist die Besetzung von Führungspositionen angesichts des Koordinationsaufwands in tiefen Arbeitspensen oft schwierig. Ähnlich verhält es sich mit der Höhe der Einkommen, die mit zunehmender Verantwortung und Erfahrung im Beruf ansteigen.

Mit dem alleinigen Appell an die Paare, Teilzeitpensen gleichmässiger untereinander aufzuteilen, ist es nicht getan. Fehlende Rahmenbedingungen tragen ihren Teil zur Vereinbarkeitsproblematik bei. So fehlen familienexterne Betreuungsangebote für Kinder im Vorschul- und fast gänzlich für jene im Schulalter. Zudem sind die Angebote oft zu teuer, sodass sich die Wiederaufnahme der Arbeit respektive die Erhöhung des Arbeitspensums oft nicht rechnet. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Steuersystem, das eine verstärkte Arbeitsmarktpartizipation finanziell oft nicht belohnt.

Damit die Arbeitgeber zukünftig auf eine stärkere Teilnahme der Erwerbsbevölkerung im Arbeitsmarkt setzen können, müssen alle Akteure beitragen: die Gesellschaft, der Staat mit einem Angebot an Kinderdrittbetreuungsplätzen und steuerlichen Anreizen sowie die Arbeitgeber.

Die Unternehmen haben die Herausforderung längst erkannt und tragen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei, indem sie etwa nach ihren betrieblichen Möglichkeiten familienfreundliche Arbeitsbedingungen anbieten und sich so im Wettbewerb um Fachkräfte als attraktiver Arbeitgeber positionieren können.

Der Kommentar Simon Weys ist in der «Aargauer Zeitung» erschienen.

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