Wir zeigen Gesicht: Fredy Greuter

In loser Folge stellen wir die Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) vor. Fredy Greuter ist Leiter der Kommunikation des SAV. Den Ökonomen und ehemaligen Journalisten reizt es besonders, die komplexen Themenfelder des SAV allgemeinverständlich zu erklären.

Als langjähriger Journalist verfolgen Sie die Entwicklung der Medienlandschaft genau. Was fällt Ihnen positiv auf?

Den vielen Unkenrufen zum Trotz ist die Berichterstattung in den Medien nicht schlechter geworden. Wer sich davon überzeugen will, soll einmal in die Zeitungsarchive hinabsteigen und eine Tageszeitung von heute mit einer Ausgabe vor zehn Jahren vergleichen. Der Nachrichtenteil ist in der Gegenwart zwar geschrumpft. Doch Analysen, Einordnungen und Kommentare nehmen mehr Platz ein als früher. Die epochalen Veränderungen in der Medienwelt rütteln aber an den Grundfesten – zumindest der klassischen Verlagshäuser. Das hohe Tempo verlangt eine besondere Aufmerksamkeit, die Verschmelzung von Print und Online erfordern andere journalistische Arbeitstechniken und bei alldem wanken die traditionellen Geschäftsmodelle der Verlage bedrohlich.

Was macht Ihnen Bauchweh?

In unserem direktdemokratischen Land hat die politische Debatte einen kaum zu unterschätzenden Stellenwert. Wer in der Schweiz mitentscheiden will, ist besser dran, wenn er gut unterrichtet ist. Dazu braucht es modern ausgestattete Redaktionen mit hervorragender Sachkenntnis, die faktentreu berichten und ihre Haltung offenlegen. Und dazu braucht es in einem übergeordneten Sinn Medienvielfalt. Nur wer sich in einem vielstimmigen Medienkonzert ein eigenes Urteil bilden kann, wird sich in seiner Persönlichkeit entfalten und als Bürger die Errungenschaften unserer direkten Demokratie nutzen und weitertragen. Meinungsfreiheit und -vielfalt sind zum Glück in der Schweiz nicht unmittelbar gefährdet. Wieweit qualitativ hochwertige, unabhängige Inhalte im 21. Jahrhundert überdauern werden, ist im digitalen Medienzeitalter mit seiner Gratismentalität jedoch ungewiss. Zwar sind journalistische Inhalte bei den Medienkonsumenten noch kaum je so gefragt gewesen wie in der Corona-Krise. Doch dieses Vertrauen übersetzt sich nicht gleichermassen in zahlende Abonnenten von Medienerzeugnissen. Diese Medienkrise sollte uns nachdenklich stimmen.

Wie bereiten Sie die SAV-Verantwortlichen auf Medienauftritte vor?

Zum Glück sind es meine Kolleginnen und Kollegen beim Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) gewohnt, vor einem kleinen wie vor einem grossen Publikum aufzutreten. Diese Auftrittskompetenz ist der Schlüssel, um auch vor den Medien gewandt zu agieren. Spannend finde ich immer wieder Diskussionen um die Wechselwirkung von Mediensystem und politischem System. Es ist schon so, wir leben auch in einer Mediendemokratie. Darum werden oft Themen aufgeschaukelt, die mit den echten Sorgen der Menschen in unserem Land wenig zu tun haben. Kommt dann noch Eigenprofilierung hinzu, besteht die Gefahr, dass Präsenz in den Massenmedien wichtiger wird als seriöse Verbandsarbeit abseits der Scheinwerfer. Solchen Reflexen versuchen wir uns zu entziehen. Wir wollen als anerkannte Stimme der Arbeitgeber verstanden werden. Das geht nur mit glaubwürdiger Kommunikation von vertrauenswürdigen Personen. Neben dem Sender braucht es aber auch beim Empfänger die Bereitschaft, sich auf eine ernsthafte Debatte jenseits von Empörung und Alarmismus einzulassen.

 

Ich würde es fast als Bürgerpflicht sehen, sich in all den grossen Auseinandersetzungen, die zumindest unser Berufsleben stark beeinflussen, auf einen Austausch mit den Arbeitgebern einzulassen.

Sie entwickeln mit den Ressorts die Kernbotschaften der Arbeitgeber mit. Keine einfache Aufgabe…

Tatsächlich ist die Arbeitgeberpolitik in der medialen Darstellung nicht immer einfach zu vermitteln. Aber der SAV beschäftigt sich intensiv mit vielen drängenden Fragen unserer Zeit. Denken Sie an die Altersvorsorge, die in Sorgenbarometern ganz oben steht. Nehmen Sie die Kontroversen um die Personenfreizügigkeit mit der EU oder die Auswirkungen der Digitalisierung auf Berufsausbildung und Weiterbildung. Ich würde es fast als Bürgerpflicht sehen, sich in all diesen grossen Auseinandersetzungen, die zumindest unser aller Berufsleben stark beeinflussen, auf einen Austausch mit den Arbeitgebern einzulassen. Mein Ansporn ist, diese Menschen – ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer – nicht nur abzuholen, sondern ihnen auch teilweise komplexe Sachverhalte plausibel zu erklären.

Wie nehmen Sie den Arbeitgebern die «Angst» vor den Journalisten?

Journalisten sind ja auch nur Menschen (lacht). Und Menschen können miteinander umgehen, wenn sie nur wollen. Wenn wir uns dabei auf Augenhöhe bewegen und wissen, dass die Medienschaffenden professionell arbeiten, ist mir gar nicht bange. Im Gegenteil: Die interessantesten Gespräche entstehen meist im Kreis von Journalisten auf Wahrheitssuche.