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Jahresbericht-2014-epaper

Zum Auftakt des ARBEITGEBERTAGS 2014 in Lau- sanne sprach Präsident Valentin Vogt über die tragenden Werte des erfolgreichen Schweizer Ar- beitsmarkts: etwa dessen Flexibilität und Offen- heit, gesunde Sozialwerke und eine tragfähige So- zialpartnerschaft. Die Präsidialansprache ist im Folgenden gekürzt wiedergegeben. DIE WIRTSCHAFT IM KAMPAGNENMODUS Seit geraumer Zeit befinden sich die Wirtschaft beziehungsweise deren Verbände im Kampagnen- modus. Beinahe im Quartalstakt äussert sich der Souverän an der Urne wechselweise zu Arbeits- markt- und Lohnthemen. Auf die «1 : 12»-Initiative folgte die Masseneinwanderungs-Initiative, auf die Mindestlohn-Initiative folgt die Ecopop-Initiative. Die Wirtschaft ist gefordert. Zusätzliches Engage- ment der Unternehmen – neben ihrer Grundbestim- mung des Wirtschaftens – ist unabdingbar, um die Argumente glaubwürdig zu artikulieren. Dieser in hoher Kadenz notwendige Mehraufwand für Fir- menchefs ist neu. Wie wichtig er ist, hat jedoch das deutliche Ergebnis der Mindestlohn-Initiative gezeigt. Nach dem mit 65,3 Prozent klaren Nein zur «1 : 12»- Initiative lehnten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit noch deutlicheren 76,3 Prozent Nein-Stimmen auch die Mindestlohn-Initiative der Gewerkschaften ab. Während die Arbeitgeber in beiden Lohnabstimmungen – der «1 : 12»-Initia- tive und der Mindestlohn-Initiative – klar überzeu- gen konnten, gelang dies bei der Masseneinwan- derungs-Initiative nicht. Schaut man genau hin, handelte es sich bei letzterer in den Diskussionen der Bevölkerung nicht um ein arbeitsmarktliches Thema; denn angesprochen war nicht primär die Zuwanderung von Arbeitskräften. Vielmehr – und so wurde der Inhalt insbesondere von den Initian- ten gegenüber der Bevölkerung erklärt – sollen der Wirtschaft diejenigen Arbeitskräfte, die sie benötigt, nicht vorenthalten werden. Im Vorder- grund stand das Thema des Bevölkerungs- wachstums sowie der Überfremdung, worauf sich die SVP-Kampagne abstützte. Auch die kürzlich publizierte Vox-Analyse weist auf diesen Konflikt zwischen zwei gegensätzlichen Werthaltungen und Ansichten zur nationalen Identität hin. Die Diskussionen um die Umsetzung der Massen- einwanderungs-Initiative zeigen nun, dass – je nach Festlegen der Höchstzahlen und Ausmass sowie Zeitpunkt einer allfälligen Zuwanderungs- begrenzung – der Arbeitsmarkt direkt betroffen sein wird. Wie und wie rasch das Inländerpoten- zial so ausgeschöpft werden kann, dass allfällige Zuwanderungsbegrenzungen aufgefangen werden, ist noch völlig offen. Beides auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, benötigt Fingerspitzengefühl und Lösungsbereitschaft. Die diesbezüglichen Ar- beiten sind in vollem Gange. Eine grosse Sorge der Wirtschaft ist die Frage, wie sich Europa zu den schweizerischen Umsetzungs- ideen stellen wird. Für den Schweizerischen Arbeit- geberverband (SAV) ist eine Umsetzung des Ver- fassungstextes essenziell, die möglichst nahe am Freizügigkeitsabkommen (FZA) ist – ein anderes, von Taktik geleitetes Vorgehen wäre ein Spiel mit dem Feuer. Doch ist auch damit nicht garantiert, dasssichdieEUüberhauptaufdieunausweichlichen Neuverhandlungen des FZA einlassen wird. Eine dauerhafte und gravierende Verletzung einer ihrer Grundfreiheiten wird die EU aus innenpolitischen Gründen nur schwerlich tolerieren wollen, und damit sind auch die Bilateralen in Gefahr – ein Ri- siko, welches die Wirtschaft nicht eingehen kann. Parallel zur Lösungsfindung bei der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative, zu welcher der SAV mit einem eigenen Modell massgeblich beiträgt, will er jedoch die Frage der Ausschöp- fung des Inländerpotenzials aktiv angehen. Wir haben daher mit unserer Initiative «arbeitsmarkt 45plus» nicht einen Think Tank, sondern einen Act Tank ins Leben gerufen. Thematisch befasst sich dieser Act Tank mit der Aktivierung des In- länderpotenzials: dem Wiedereinstieg von Frauen und dem Potenzial der älteren Arbeitnehmenden. Zusammen mit Unternehmen, Branchenverbän- den, Arbeitsmarktbehörden und weiteren Stake- holdern werden Massnahmen zur besseren Aus- schöpfung dieses Inländerpotenzials definiert, Anpassungen gesetzlicher Grundlagen initiiert, Best-Practice-Beispiele aus der betrieblichen Pra- xis aufgearbeitet und diesbezüglich sensibilisiert. BUNDESRAT GEFÄHRDET EIGENE REFORM Neben der Leistungsfähigkeit des Arbeitsmarkts ist auch der Zustand der Sozialwerke Ausdruck einer gesunden Volkswirtschaft. Doch auch in die- sem Bereich ist der Handlungsbedarf offenkundig, und ich werde Ihnen nun dazu unsere diesbe- züglichen Vorstellungen skizzieren. DER SCHWEIZER ARBEITSMARKT – EIN ERFOLGSMODELL MIT ZUKUNFT?

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