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Jahresbericht-2014-epaper

Bildung, Berufliche aus- und weiterBildung 20 | 21 und Funktionstitel – darunter versteht man etwa Bezeichnungen wie (diplomierter) «Steuerexperte» oder «Hôtelier-Restaurateur» – sind wohl relativ einfach zu erreichen. Zusammen mit den beschlos- senen Massnahmen bezüglich Einordnung von Ab- schlüssen in Qualifikationsrahmen sowie den in- ternational verständlichen Zeugniserläuterungen und Diplomzusätzen dürften hier wesentliche Fort- schritte zugunsten der Mobilität der Berufsbil- dungsabsolventen erreicht werden, ohne die be- währten Bildungswege über die Titelangleichungen zu vermischen. Titel sind verdichtete Informa- tionen für die Arbeitsmarktteil- nehmenden, sie sollen aussa- gekräftig sein und über die Charakteristik der entspre- chenden Qualifikation bezieh- ungsweise Tätigkeit Auskunft geben. Die vor allem von Bil- dungsanbieterseite angestreb- te sogenannte Titeläquivalenz hätte wohl diese Funktion ge- schmälert. Es gilt in Zukunft die – an dieser Frage zutage getretene – Orientierung vieler Bildungsanbieter an der akademischen Welt im Auge zu behalten. inlÄndisches POtenZial an fachKrÄften VerstÄrKt ausschÖPfen Ausgehend vom bereits heute in vielen Branchen ausgewiesenen Mangel an Fachkräften, der abseh- baren Stagnation oder sogar Schrumpfung der Er- werbsbevölkerung in den nächsten Jahren sowie der politisch erwünschten Eindämmung der Zu- wanderung rücken die inländischen Fach- und Ar- beitskräftepotenziale ins Zentrum des Interesses der nationalen Politik. Unter der Leitlinie «Höher- qualifizierung entsprechend dem Bedarf der Ar- beitswelt» wurden verschiedene Massnahmen an- gegangen. Am umstrittensten ist dabei die Mög- lichkeit zur befristeten Führung von praxisinteg- rierten MINT-Studiengängen an Fachhochschulen: Gymnasiasten sollen – ohne die sonst vorgeschrie- bene Praxiserfahrung – direkt an die Fachhoch- schulen zugelassen werden. Die Praxis wird wäh- rend dem Studium integriert erworben. Richtig ist es, dass man hier Erfahrungen sammelt. Doch der Regelzugang zur Fachhochschule – über die Berufs- lehre und Berufsmatura – darf keinesfalls unter- laufen werden. Entsprechend hat das Spitzentreffen der Berufsbildung auch einen Schwerpunkt in der Förderung der Berufsmaturität für die nächsten Jahre gelegt. Auch der Qualifizierung von Erwachsenen ohne berufliche Grundbildung wird ein gewisses Poten- zial zur Linderung der Fachkräfteproblematik zu- gesprochen. In der Tat verfügen rund 400000 Per- sonen im Alter von 25 bis 54 Jahren über keinen nachobligatorischen Abschluss. Etwa 10 Prozent aller Abschlüsse der beruflichen Grundbildung werden heute von Erwachsenen erworben – viele davon vermutlich auch Zweitabschlüsse. Zudem ist wohl die Mehrzahl dieser Personen bereits im Ar- beitsprozess integriert oder nur mit Schwierigkei- ten zu integrieren, so dass es sich nicht durch- wegs um «freie» oder «zusätzliche» Potenziale für den Arbeitsmarkt handelt. Die Förderung dieser «beruflichen Grundbildung für Erwachsene» wird unter verschiedenen Aspekten nicht einfach und wohl auch kostenintensiv sein. Eine vertiefte – aber auch realistische – Beschäftigung mit dieser Frage ist auch unter sozialpolitischen Aspekten notwen- dig. Ein Beitrag zur Förderung des lebenslangen Ler- nens darf längerfristig auch vom Weiterbildungs- gesetz erwartet werden, das im Berichtsjahr vom Parlament verabschiedet wurde und 2017 in Kraft treten wird. Die Förderung von Grundkompetenzen bei Erwachsenen, geordnete ordnungspolitische Rahmenbedingungen, klare Begriffe und Grund- sätze der Verantwortung sollten die Rahmenbedin- gungen für die Weiterbildung in der Schweiz ver- bessern. Ein gesetzlicher Appell geht auch an die Arbeitgeber: «Sie sollen die Weiterbildung ihrer Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter begünstigen, das heisst für ein günstiges Umfeld für Bildung im Un- ternehmen sorgen.» Direkte Rechtspflichten – so wurde es auch in der Parlamentsdebatte betont – könnenjedochnichtabgeleitetwerden.Diesewären auch weder nötig noch zielführend, engagieren sich die Arbeitgeber doch aus eigenem Interesse und bedarfsorientiert in hohem Masse in der Weiter- bildung ihrer Mitarbeitenden. «DIE ARBEITGEBER ENGAGIEREN SICH AUS EIGENEM INTE- RESSE IN DER WEITER- BILDUNG IHRER MITARBEITENDEN.»

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