Parlament will Flüchtlinge ausbilden

17. Juni 2016,  News

Nach dem Nationalrat verlangt der Ständerat spezifische Ausbildungsgänge für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene. Die Forderungen der Motion sind aus Sicht des Schweizerischen Arbeitgeberverbands bereits erfüllt. Zudem sind zu hohe Erwartungen an eine schnelle Arbeitsmarktintegration unrealistisch.

Der Bund soll im Rahmen der Fachkräfteinitiative das inländische Potenzial anerkannter und vorläufig aufgenommener Flüchtlinge aller Altersstufen besser nutzen und diese Menschen über den Weg einer anerkannten Ausbildung nachhaltig in den Arbeitsmarkt integrieren. Nach dem Nationalrat hat der Ständerat eine entsprechende Motion von Martina Munz angenommen und an den Bundesrat überwiesen. Der Entscheid fiel mit 29 zu 9 Stimmen bei 3 Enthaltungen.

Das Parlament verlangt vom Bundesrat, spezifische Ausbildungsgänge für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene anzubieten. Die Ausbildungen sollen in Branchen mit Fachkräftemangel angeboten und mit einem eidgenössischen Berufsattest abgeschlossen werden können. Die Hälfte bis zwei Drittel der Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen hätten bereits eine Ausbildung oder praktische Berufserfahrung, heisst es im Vorstoss.

Der Bundesrat hat am 18. Dezember 2015 entschieden, ein vierjähriges Pilotprogramm zur Integrations-Vorlehre für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene zu lancieren mit dem Ziel, diese rascher ins Erwerbsleben zu integrieren. Bis 1000 Personen sollen jährlich eine spezifische Ausbildung erhalten. Zudem soll die Ortssprache frühzeitig erlernt werden. Das Thema hat auch bereits Eingang in die Fachkräfteinitiative des Bundes gefunden und wird vom Bund als eine der wichtigen Stossrichtungen betrachtet. Die Forderungen der Motion sind damit aus Sicht des Schweizerischen Arbeitgeberverbands bereits erfüllt.

Grundsätzlich begrüssen die Arbeitgeber, dass sich die öffentliche Hand um die Arbeitsmarktintegration dieser Personen bemüht. Der Schweizerische Arbeitgeberverband fördert seinerseits über den von ihm mitgetragenen «Integrationsdialog» die Sensibilisierung der Wirtschaft und der verantwortlichen Behörden. Seit dem Start des Dialogs durch die tripartite Agglomerationskonferenz (TAK) im Oktober 2012 haben Staat, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände mehrerer Branchen verschiedene Projekte gestartet, um das Potenzial der hier lebenden Migranten besser zu nutzen und deren Integration am Arbeitsplatz zu fördern.

Die Erfolgschancen dieser Massnahmen bleiben aber unsicher. Das Arbeitskräftepotenzial der Migranten ist gegenwärtig unklar, vermutlich aber beschränkt. Kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren, sowie ungeeignete Qualifikationen sind die grössten Hindernisse einer schnellen und erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt. Ausdruck davon ist die Arbeitsmarktbeteiligung der im Erwerbsalter stehenden vorläufig Aufgenommenen, die bei rund 40 Prozent liegt.