Wie Ältere der Falle der Arbeitslosigkeit entkommen

Die Schweiz kann sich bei der Integration der älteren Arbeitnehmenden in das Erwerbsleben mit den Besten der Welt messen. Dies bescheinigt uns die jüngste Arbeitsmarktstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Erfreulich ist etwa, dass die Erwerbsbeteiligung von Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren in den letzten Jahrzehnten weiter ausgebaut werden konnte. Insgesamt stieg die Erwerbstätigkeit in den letzten 20 Jahren von 62 auf 71 Prozent. Zudem entwickelt sich der Trend bei den älteren Arbeitnehmenden in die richtige Richtung. Neben der steigenden Arbeitsmarktbeteiligung von älteren Mitarbeitenden hat die Tendenz zu mehr Frühpensionierungen bei Männern in den letzten zehn Jahren wieder gedreht. Auch die Arbeitslosenquote bei älteren Arbeitnehmenden ist deutlich tiefer als diejenige der 25- bis 39-Jährigen.

Dies sind alles grundsätzlich erfreuliche Kennzahlen. Auf der anderen Seite machen die Statistiken deutlich, dass es ältere Arbeitnehmende in der Schweiz schwerer haben, eine Stelle zu finden, wenn sie arbeitslos geworden sind, als jüngere Arbeitskräfte. Vor dieser Ausgangslage fand zu Beginn der Woche die Nationale Konferenz «Ältere Arbeitnehmende» auf Einladung von Bundesrat Schneider-Ammann statt. Bund, Kantone und Sozialpartner suchten nach Lösungen, die bereits gute Situation älterer Arbeitnehmender noch weiter zu optimieren, um deren Potenzial zu fördern – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der Zuwanderungsbegrenzung.

 

Die Erwerbsbeteiligung von Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren stieg in den letzten 20 Jahren von 62 auf 71 Prozent.

Die Situation älterer Arbeitskräfte ist jedoch äusserst heterogen. Tatsächlich gibt es sehr unterschiedliche Gründe, warum ältere Arbeitnehmende mit der Erwerbstätigkeit hadern. Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) hat an der Konferenz verschiedene Massnahmen eingebracht, die dazu beitragen sollen, die Beschäftigungsquote zu steigern. So sollen sich die öffentlichen und die privaten Arbeitgeber dafür einsetzen, in Stelleninseraten überall dort auf die Erwähnung des Lebensalters als Kriterium zu verzichten, wo dieses sachlich für die Stelle nicht notwendig ist.

Der SAV appelliert aber auch an die Veränderungsbereitschaft der älteren Arbeitnehmenden: Es liegt auch an ihnen, ihre fachlichen und persönlichen Qualifikationen weiterzuentwickeln und damit ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten. Im Gegenzug unterstützen sie Arbeitgeber und öffentliche Hand im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten bei der Aus- und Weiterbildung. Dabei wird empfohlen, dass betriebsinterne «Standortbestimmungen» stattfinden. Zudem soll überprüft werden, ob die Berufs-, Studien und Laufbahnberatung für ältere Arbeitnehmende noch optimiert werden kann. Schliesslich ist zu prüfen, inwiefern kantonale Stellen die Arbeitgeber und die Arbeitnehmenden noch gezielter unterstützen können.

Diese Massnahmen, die von allen Konferenzteilnehmenden mitgetragen werden, verbessern vor allem die Beschäftigungsfähigkeit. Ergänzend dazu ist jedoch auch eine Debatte über erwünschte und unerwünschte Effekte der «Senioritätsentlohnung» zu führen. Ältere Beschäftigte erhalten in manchen Unternehmen einen Lohn, der ihre Produktivität übersteigt. Dies erschwert es einem solchen arbeitslosen Stellensuchenden, den Wiedereinstieg auf demselben Lohnniveau zu schaffen. Das ist ein wichtiger Grund, weshalb Ältere im Verhältnis zu Jüngeren sehr oft überdurchschnittlich lange in der Arbeitslosigkeit gefangen sind.