Unsicheres Umfeld führt zu Vorsicht bei Lohnverhandlungen

9. August 2016,  News

Es gibt zwar positive Signale, dass die Schweizer Wirtschaft nächstes Jahr vom solideren internationalen Wirtschaftsumfeld profitieren kann. Nichtsdestotrotz kämpft der Wirtschaftsstandort Schweiz weiterhin mit politischen und konjunkturellen Risiken im In- und Ausland. Mit Blick auf die anstehenden Lohnverhandlungen für das Jahr 2017 dürfte der Spielraum der Unternehmen deshalb in den meisten Fällen begrenzt sein.

Das wirtschaftliche Umfeld in der Schweiz bleibt trotz einer schwachen Erholung der Weltwirtschaft unsicher. Die anhaltenden wirtschaftspolitischen Unsicherheiten im In- und Ausland führen zu gedämpften Investitionsneigungen der hiesigen Firmen. Dies wirkt sich negativ auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Wachstum der Wirtschaft aus. Immerhin: Angesichts der allmählich besseren internationalen Konjunkturlage dürfte sich die Belebung der Exporte fortsetzen, was sich leicht positiv auf die Investitionsbereitschaft der Firmen auswirken und die Situation auf dem Arbeitsmarkt etwas entschärfen sollte. Trotzdem bleibt der Druck der Firmen zu Kostensenkungen durch Produktivitätssteigerungen gross und der Spielraum für Lohnerhöhungen entsprechend klein.

Negative Auswirkungen auf die Nominallöhne im nächsten Jahr dürften insbesondere die anhaltend sinkenden Preise, die leicht erhöhte Erwerbslosenquote und die bis auf weiteres tiefe Profitabilität der exportierenden Firmen haben. Nach wie vor sind die Kursentwicklung des überbewerteten Schweizer Frankens sowie die Folgen des Brexit für die Schweizer Wirtschaft unsicher. Auch ist im Zusammenhang mit der Masseneinwanderungs-Initiative weiterhin unklar, wie die Umsetzung bis im Februar 2017 konkret aussehen wird. Prognosen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung im nächsten Jahr sind somit weiterhin mit grosser Vorsicht zu geniessen.

Lohnanpassungen für das kommende Jahr müssen diesem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld Rechnung tragen. Zudem ist zu bedenken, dass die Arbeitnehmenden in den letzten Jahren infolge einer sehr tiefen Teuerung trotz unterdurchschnittlicher Nominallohnerhöhungen erhebliche Reallohnzuwächse verzeichnen konnten. Grosszügigere Nominallohnerhöhungen sind bei Unternehmen mit gutem Geschäftsverlauf nicht ausgeschlossen, denn die konkreten Lohnanpassungen erfolgen dezentral in den Branchen bzw. einzelnen Unternehmen. Schliesslich sind die Lohnverhandlungen zwischen den Sozialpartnern im Gange bzw. werden im zweiten Halbjahr erst geführt. Der jetzige Zeitpunkt ist daher verfrüht, um die Lohndiskussion heute abschliessend zu führen.