Erhöhung der Arbeitszeit: von wegen!

5. Januar 2018 Meinungen

An seiner Jahresmedienkonferenz wies der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) einen Anstieg der tatsächlichen Jahresarbeitszeit von Vollzeit-Arbeitnehmenden im Zeitraum 2013 bis 2016 aus. Diese Erkenntnis basiert jedoch auf verzerrten Daten, weshalb ein solcher Schluss problematisch ist. Denn die Höhe der tatsächlichen Jahresarbeitszeit hängt unter anderem von der Verteilung der Feiertage auf die Wochentage ab: Fallen in einem Jahr mehr Feiertage auf Wochenenden – wie beispielsweise der letztjährige 24. Dezember –, wird nur schon deshalb mehr gearbeitet. Gleiches gilt für Schaltjahre, die naturgemäss einen zusätzlichen Tag umfassen. Gerade beim Vergleichsjahr 2016 handelt es sich um ein solches Schaltjahr mit einem zusätzlichen Arbeitstag. Alleine dadurch steigt die tatsächliche Jahresarbeitszeit im Vergleich mit «normalen» Jahren um acht Stunden an. Vergleiche der Jahresarbeitszeiten, wie sie der SGB macht, sind deshalb problematisch.

Um aussagekräftige Erkenntnisse zur Höhe und Entwicklung der Arbeitszeiten gewinnen zu können, müssen gemäss Bundesamt für Statistik die tatsächlichen Wochenarbeitszeiten analysiert werden, die – im Unterschied zur Jahresarbeitszeit – um Feiertage und Schaltjahre bereinigt sind. Wenig überraschend zeigt die Analyse der tatsächlichen Wochenarbeitszeiten ein anderes Bild, als es die Gewerkschaften zeichnen: Die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit war im betrachteten Zeitraum von 2013 bis 2016 leicht rückläufig. Akzentuiert wird dieser Rückgang durch die zunehmende Anzahl Ferienwochen je Vollzeit-Arbeitnehmender. Denn mehr Ferien verringern die tatsächliche Arbeitszeit zusätzlich.

 

Die tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeiten sind seit 2013 leicht rückläufig.

Der Trend zu sinkenden tatsächlichen Wochenarbeitszeiten wurde für den Zeitraum 2011 bis 2016 auch vom Bundesamt für Statistik in einer Medienmitteilung vom 27. Juli 2017 bestätigt. In diesem Zeitraum nahm die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit von Vollzeit-Arbeitnehmenden um 13 Minuten ab, während die Feriendauer um 0,3 Tage stieg.

Der generelle Rückgang der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit schliesst Erhöhungen derselben in einzelnen Branchen zwar nicht aus. Jedoch rechtfertigen solche punktuelle Erhöhungen in keiner Art und Weise, daraus einen generellen Trend zu höheren tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeiten abzuleiten. Das wäre Augenwischerei.