Die Zuwanderung erwerbstätiger Personen ist stark rückläufig

28. September 2017,  Fokus

Die Wirtschaft ist in vielen Bereichen auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, will sie ihre erfolgreiche Entwicklung fortsetzen. Da der Standort Schweiz gegenüber dem Ausland an Attraktivität eingebüsst hat, kommen jedoch immer weniger Personen in die Schweiz, um hierzulande erwerbstätig zu sein. Umso bedeutender ist es, das Arbeitskräftepotenzial im Inland besser auszuschöpfen.

Im Jahr 2016 wanderten aus den EU-28-/Efta-Staaten netto noch knapp mehr als 42’000 Personen in die Schweiz ein. Dies bedeutet im Vergleich zum bisherigen Höchststand im Jahr 2008 einen Rückgang um 44 Prozent – damals waren es knapp 75’000 Personen. Die wichtigsten Herkunftsländer waren im vergangenen Jahr Italien, Frankreich, Deutschland sowie Portugal. Die erteilten Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligungen für Drittstaatenbürger ausserhalb von EU und Efta beliefen sich 2016 auf 6736 und gingen hauptsächlich an Bürgerinnen aus Indien, den USA und China.

Knapp die Hälfte aller Zuwanderer kommt in die Schweiz, um hierzulande eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Unsere Wirtschaft ist auf die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte angewiesen; gewisse Branchen könnten ohne ausländisches Personal und dessen Fachwissen schlicht ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. Wie die Analyse im Fokus «Wanderbewegungen im Schweizer Arbeitsmarkt: Die Zahlen sind stark rückläufig» zeigt, kommen ausländische Arbeitskräfte vor allem dann in die Schweiz, wenn die konjunkturelle Lage hierzulande besser ist als in ihren Herkunftsländern. Umgekehrt verlassen sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Schweiz auch wieder, um in ihrer Heimat oder einem wirtschaftlich bessergestellten Land eine Stelle zu suchen. Damit lässt sich auch die sich verändernde länderspezifische Zusammensetzung der Zuwanderung erklären. Der seit bereits einigen Jahren zu beobachtende Rückgang der Zuwanderung dürfte denn auch primär auf den wiedererstarkten europäischen Wirtschaftsraum zurückzuführen sein.

Die Schweizer Wirtschaft konnte sich in den letzten, konjunkturell turbulenten Jahren jedoch gerade auch deshalb so gut behaupten, weil die Arbeitgeber zeitnah, flexibel und ohne grösseren administrativen Aufwand zentrale Positionen mit Fachkräften aus dem europäischen Ausland besetzen konnten, wenn keine inländische Arbeitskraft mit entsprechendem Qualifikationsprofil verfügbar war. Die jüngste Entwicklung zeigt aber, dass die Verfügbarkeit von gut qualifizierten ausländischen Arbeitskräften kein Selbstläufer ist. Der Standort Schweiz hat für sie relativ zum Ausland an Attraktivität eingebüsst. Um die erfolgreiche Entwicklung der hiesigen Wirtschaft fortzusetzen, muss deshalb das verfügbare inländische Potenzial an Arbeitskräften mit gezielten Massnahmen besser ausgeschöpft werden.